Autor werden ist nicht schwer

Neulich schnappte ich bei Twitter einen Kommentar auf und zwar von jemandem, der einen Blog über Krimis betreibt. Der Kommentar galt einer Aktion, bei der neue Autoren gefunden werden sollten, und lautete etwa so: Braucht die Welt wirklich noch mehr Krimiautoren? Ich fand diese Äußerung in diesem Zusammenhang (von jemandem, der über Krimis schreibt) sehr ärgerlich und ungefähr so angebracht, wie wenn ein Bäcker klagt, ob die Welt wirklich noch mehr Brote bräuchte.

Kreativität ist gut
Also denn, braucht die Welt noch mehr Autoren? Nein, wenn man diejenigen fragt, die etabliert sind und um ihr Einkommen fürchten. Ja, wenn man bedenkt, welche Möglichkeiten es heute gibt und was dahintersteht. Es ist auf jeden Fall begrüßenswert, wenn Menschen kreativ sind oder werden, und legitim, wenn sie sich der Welt mitteilen wollen. Es mag vielen schwer fallen es zu akzeptieren, aber der Kreis der Schriftsteller ist nicht länger ein elitärer Club.

Markt im Wandel
Jeder, der irgendein Werk verfasst hat, hat heute viele Möglichkeiten, damit an die Öffentlichkeit zu treten – über Selbstverlag oder Print on Demand, als eBook, über andere Formen wie Blogs oder Youtube, Podcasts, Poetry Slams … Die literarische Welt ist in einem Wandel, wobei man sagen muss, dass Deutschland sich eher schwer damit tut, was das Lesen auf elektronischen Geräten angeht. Solche Erfolgsstories wie aus den USA, wo Jugendliche mit ihren eBooks unglaublich viele Bücher verkaufen, gibt es bei uns nicht. eBooks entwickeln sich recht langsam, aber immerhin, sie sind im Kommen. Die Mehrheit der Deutschen sagt nach wie vor, dass sie lieber ein Buch oder eine Zeitung in den Händen halten, aber die elektronischen Formen sind in mancher Hinsicht einfach praktischer und oft auch billiger, man wird sich dem also kaum noch lange entziehen können.

Die Mär von der Qualität
Ja, aber die Qualität, geben viele zu bedenken. Die Qualität leide, wenn es keine Verlage und Lektorate mehr gibt, die eine Auswahl treffen. Das ist allerdings eher fadenscheinig, denn die Verlage entscheiden oft gar nicht danach, was qualitativ gut ist, sondern nach dem, was sich gut verkauft, z.B. ganz beliebt: Sex als Thema oder ein Roman mit Sexszenen. Oder eben, was gerade dem Mainstream entspricht. Die Flut der Manuskripte, die die Verlage erreichen, werden vermutlich kaum noch richtig angesehen, und so manche Perle wird wohl postwendend an den Verfasser zurückgegangen sein.

Das Ziel vor Augen
Es ist letzten Endes bei den in Verlagen veröffentlichten Büchern nicht anders als bei den auf anderen Wegen publizierten: Es gibt so viele, dass es nur wenige schaffen, richtig hervorzustechen. Darüber muss man sich klar sein, wenn man beschließt, ein eigenes Werk zu verfassen und zu veröffentlichen. Aber trotzdem kann das kaum das Endergebnis schmälern: die Zufriedenheit, wenn man seine Geschichte beendet hat, die Begeisterung, wenn man sich ans Veröffentlichen macht, und den Stolz, wenn man zum ersten Mal ein fertiges Produkt vor sich hat, ob es nun ein Buch ist oder eine Seite im Internet, auf der das Werk angeboten wird.

Jeder kann Autor sein
Deshalb: Auf an die Federn! Ich ermuntere jeden, sich ans Schreiben zu machen und diese Ausdrucksform für sich zu entdecken. Ob nun Tagebuch, Autobiographie, Kurzgeschichte, Gedicht, Songtext, Roman – seine Gedanken und Ideen zu „Papier“ zu bringen, ist hilfreich und ein Abenteuer.