Von der Recherche

Vor dem Schreiben steht oftmals die Recherche, ganz besonders, wenn es sich um einen historischen Text handelt. Dann muss man erst einmal herausfinden, wie es zu der Zeit war, was die Leute für Kleider trugen, wie sie redeten, wie ihre Umgebung aussah, wie sie sich fortbewegten, was politisch und gesellschaftlich relevant war und all diese Dinge eben. Ich bin eigentlich nicht so die Schreiberin historischer Geschichten, aber ein kleiner Ausflug hier und da macht auch mir Freude und so habe ich diese Woche mit der Recherche für eine Kurzgeschichte angefangen. Recherche kann Spaß machen oder auch nicht.

Spaß macht es immer dann, wenn man z.B. auf interessante Menschen stößt, die einem weiterhelfen können. Wie im vorletzten Jahr der Badische Blinden- und Sehbehindertenverein in Mannheim, der mir den Kontakt zu einer Dame vermittelte, die mich zu sich nach Hause einlud und mir zeigte, welche Hilfsmittel man als Blinder zum Lesen und Schreiben hat und wie man seinen Arbeitsalltag als Sekretärin bewältigen kann. Meine Kenntnisse flossen in eine Geschichte im Buch Der Weihnachtsbrief ein. Oder wie in dieser Woche der Inhaber des Conditorei-Museums in Kitzingen, der extra für mich seine Unterlagen durchstöbert und mir zwei aufschlussreiche Bilder und einige Hinweise zugesandt hat.

Nicht so viel Spaß macht es, wenn man anruft und niemand einem helfen will. Oder man mit einem Rückruf vertröstet wird, der nie kommt. Oder man niemanden erreicht, schließlich mailt und nie eine Antwort bekommt. Dann muss man manchmal hartnäckig bleiben und wieder anrufen. Oder man erfindet einfach ein paar Fakten. 😉

Die meiste Recherchearbeit findet aber wohl im Internet und in Büchern statt, manchmal auch im Fernsehen. Ich habe es schon erlebt, dass ich mich mit einem Thema beschäftigt habe und genau dann etwas dazu im Fernsehen lief. Das ist dann eine nette Fügung.

Spannend ist eine Recherche an einem Ort – in einer Stadt, einem Gebäude, einer Straße, einem Landstrich … So bin ich z.B. extra für Mannheimer Blut zur Universität Mannheim geradelt, um mir die Katakomben anzusehen. Das ist nicht immer möglich, meistens sind sie zu. Aber am Infotag für Erstsemester tummeln sich dort alle möglichen Organisationen mit Infoständen und natürlich jede Menge Studenten, und so fiel ich dort gar nicht weiter auf.  Mein letzter Recherche-Ausflug zu einem Ort war übrigens zum Beerfelder Galgen. Auch wenn es viele Fotos davon gibt, die man sich anschauen kann – es ist doch etwas anderes, selbst vor Ort zu sein, direkt daneben zu stehen und sich anzusehen, mit welchem Eindruck die armen Verurteilten aus dem Leben schieden.