Schreiber übers Schreiben

Der ganze Jammer der heutigen Literatur hat zur Wurzel das Geldverdienen durch Bücherschreiben. Jeder, der Geld braucht, setzt sich hin und schreibt ein Buch, und das Publikum ist so dumm, es zu kaufen. (Schopenhauer)

Kürzlich habe ich ein Buch geschenkt bekommen. Es heißt „Zehn Gebote des Schreibens“ und beinhaltet je zehn Tipps von ungefähr 40 Autoren zum Thema Schreiben. Es liest sich sehr gut – jedenfalls meistens; es gibt auch Autoren, die sich vollkommen unverständlich auszudrücken können – und ich glaube, man findet den einen oder anderen Hinweis, der nützlich oder amüsant oder beides ist. Zum Beispiel: „Es darf bezweifelt werden, dass jemand mit Internetanschluss am Arbeitsplatz gute Romane schreibt.“ (Wahr – echt schwer!) „Die ersten zwölf Jahre sind die schlimmsten.“ (Oh weh, da hab ich erst Halbzeit!) „Denke nicht darüber nach, ob reales Küssen besser ist, als über Küssen zu schreiben. Probiere es aus.“ (Aber was? Das Küssen oder das Drüberschreiben?) „Sei klaustrophobisch.“ (Aha …?) „Das Leben muss sexy bleiben.“ Und so weiter.

Als die Welt noch jung war, und es Männer gab, die Göttern glichen, waren keine Reporter anwesend …. nur Dichter. (Dixon Wector)

 

Das Buch ist erschienen 2011 bei DVA.

Auf der Seite zum Buch auf der Webseite des Verlages kann man reinlesen und sich das Special mit einigen Illustrationen ansehen.

 

 

 

 

Hobbes: Hast Du schon eine Idee für deine Geschichte?
Calvin: Nein, ich warte auf eine Inspiration. Man kann die Kreativität nicht aufdrehn wie einen Wasserhahn. Man muß in der richtigen Stimmung sein.
Hobbes: Und was ist das für eine Stimmung?
Calvin: Torschlusspanik.
(aus einem der „Calvin & Hobbes“-Comics)

Bei so vielen Autoren, die ihre persönlichen zehn Gebote zu Papier gebracht haben, kann es nicht ausbleiben, dass manches sich widerspricht. So meint der eine, man sollte keine Romane lesen, während man selbst einen schreibt. Der andere empfiehlt, gerade dann viel zu lesen. Man muss sich also schon selbst aussuchen, was einem sinnvoll erscheint, will man das Ganze ernst nehmen. Auf jeden Fall ist es aber eine schöne Geschenkidee für Autoren und Menschen mit Schreibambitionen.

Eine seltsamere Ware, als Bücher, gibt es wohl schwerlich in der Welt. Von Leuten gedruckt, die sie nicht verstehen, von Leuten verkauft, die sie nicht verstehen; gebunden, rezensiert und gelesen von Leuten, die sie nicht verstehen; und nun gar geschrieben von Leuten, die sie nicht verstehen. (Georg Christoph Lichtenberg)

Die wunderbaren Sprüche, mit denen ich diesen Artikel gespickt habe, sind übrigens nicht aus dem vorgestellten Buch, sondern aus meiner Sprüchesammlung. Schon vor Jahren habe ich begonnen, interessante Aphorismen und Textstellen in einer Datei zu sammeln und aufzuheben. So habe ich immer etwas Passendes zur Hand, sollte ich einmal nach einem guten Spruch suchen. Die neueste Ergänzung war diese hier, zufällig entdeckt beim Zappen in dem Film „Schnee am Kilimandscharo“:

Die Begabung ist die Voraussetzung für den Beruf eines Schriftstellers. Wenn man die hat, ist es gut; sonst rate ich dir was anderes. Geh von Tür zu Tür und verkauf  Seife. Wäre nicht mal ein schlechter Job; bringt viel Geld. Aber ein guter Schriftsteller zu werden, das ist nicht so einfach. Es ist eine Jagd, mein Junge, eine Jagd, bei der ein Mensch immer seinen Verstand gegen Dummheit und Bosheit einsetzen muss. Es ist eine lebenslängliche und einsame Jagd. Seine Beute ist die Wahrheit und sie zu lehren, und ein fester Glaube, um nach ihm zu leben. Zwei Dinge, für die man sich aufgeben muss, um sie in sich selbst finden zu können. Ich weiß nicht, ob du genug Kraft hast, um das durchzuhalten. Der Spur zu folgen, wohin immer es auch sei, durch viel Schmerz und viel Leid, durch Hölle und Himmel. Hast du die Kraft, helfe dir Gott und beschütze dich. (aus „Schnee am Kilimandscharo“)