Elisabeth Büchle – „Der Klang des Pianos“

Ich freue mich, dass Elisabeth Büchle sich bereit erklärt hat, ihr aktuelles Buch Der Klang des Pianos auf meinem Blog vorzustellen. Elisabeth ist eine Kollegin beim Gerth Verlag und schreibt sehr erfolgreich historische Romane. So entführt auch Der Klang des Pianos in eine andere Zeit und an einen anderen Ort.

Herzlichen Dank für die tolle Möglichkeit, hier meinen aktuellen Roman vorstellen zu dürfen. Ich dachte, ich mache das am einfachsten durch eine sehr ausführliche Rezension eines als Buchhändler arbeitenden Lesers und mithilfe eines Interviews, das kurz nach Erscheinen des Romans veröffentlicht wurde. Viel Spaß beim Schmökern!

Zum Verlag Gerth Medien (Hier gibt es auch eine Leseprobe und einen Buch-Trailer)

Freiburg, 1912: Richard darf einen lukrativen Auftrag ausführen. Als Klavierbauer für die Firma Welte soll der junge Mann ein selbstspielendes Piano auf einem Luxusliner einbauen: der Titanic. In Irland trifft er auch die bezaubernde Norah wieder, die sein Leben gehörig auf den Kopf stellt.
Die Stewardess soll sich um das Wohl der reichen Gäste auf dem Schiff kümmern. Doch mit einer gewagten Rettungsaktion im irischen Hafenviertel schafft sich Norah mächtige Feinde. Als finstere Ganoven hinter ihr her sind, versucht Richard, sie zu beschützen. Und als die Titanic schließlich aus Southampton ausläuft, blicken beide in eine ungewisse Zukunft …

Gerth Verlag, März 2012, EAN/ISBN: 9783865916631, 448 Seiten

SiCollier für Lovelybooks zu “Der Klang des Pianos” (Mai 2012)

Does any one know where the love of God goes / When the waves turn the minutes to hours? Auch wenn es noch Jahrzehnte dauern sollte, bis Gordon Lightfoot sein „The Wreck Of The Edmund Fitzgerald“ singen sollte, wie viele Menschen haben wohl in jener Nacht vom 14. auf den 15. April 1912 solches oder ähnliches gedacht, bevor sie IHM gegenüberstanden und eine Antwort erhielten, die wir in diesem Leben nicht erhalten werden?

Aber noch ist es nicht soweit, noch schreiben wir das Jahr 1911. Richard Martin ist ein fähiger Instrumentenbauer bei Welte & Söhne in Freiburg, der von seinem Chef geschätzt wird. Er entspricht in vielem dem, was man von einem akkuraten Deutschen erwarten würde. Da er Kenntnisse der englischen Sprache hat, soll er für zwei Wochen eine Verwandte Weltes aus Irland betreuen. Norah wiederum ist das Gegenteil von Richard, braucht eigentlich keinen Dolmetscher (soweit es Hochdeutsch betrifft), und nimmt sich vor, Richard aus der Reserve zu locken.

Nach ihrer Abreise hat sich Richards Leben tatsächlich verändert, nicht unbedingt jedoch seine Karriereambitionen. So erhofft er sich von seinem Aufenthalt in Irland im Frühjahr 1912 einen Karriereschub; zusammen mit einem der Teilhaber soll er ein mechanisches Klavier auf der „Titanic“ einbauen. Aber Irland ist nicht so sehr groß, und so kommt es, wie es kommen muß: er trifft wieder auf Norah. Beide stellen – teils widerstrebend – fest, daß sie einander nicht ganz vergessen haben. Dumm nur, daß ihm gerade jetzt der „Einstieg“ in die höhere Gesellschaft, auf den er so lange hingearbeitet hat, in Form der Bekanntschaft mit Helena Andrews möglich scheint. Während sich diese Beziehungen entwickeln, fällt von anderer Seite ein Schatten auf die Szene: Norah wird anscheinend von zwei Seiten her verfolgt und bedroht.

Wer meint, hier einfach eine Liebesgeschichte mit der Titanic als Hintergrundstaffage vorzufinden, liegt falsch. Es entwickelt sich eine, teilweise komplexe, Geschichte, wie sie sich seinerzeit durchaus zugetragen haben könnte. Denn im Vorwort erfahren wir, daß tatsächlich der Einbau einer pneumatischen Orgel der Firma Welte aus Freiburg/Br. vorgesehen war, vermutlich jedoch erst nach der Jungfernfahrt durchgeführt werden sollte.

Im Gegensatz zu wohl den meisten anderen Titanic-Büchern (viel vergleichen kann ich allerdings nicht) spielt hier nicht die Welt der 1. Klasse, sondern vor allem die der kleinen Leute, derjenigen, die das Schiff gebaut haben und in Betrieb halten, die erste Geige. Wir erfahren von den teilweise bedrückenden Lebensumständen derer, denen die Passagiere der Luxusklasse zu verdanken haben, daß es eine solche Klasse überhaupt gibt. Wir erfahren von Menschen mit einem schon fast unerträglich hart zu bezeichnenden Los, die dennoch ihre Lebensfreude und Lebensmut nicht verloren haben, die sich immer wieder irgendwie durchschlagen. Von einem Tag zum nächsten.

Konfrontiert mit diesen Gegensätzen, muß Richard seine bisherigen Überzeugungen, Gewohnheiten und Ziele infrage stellen. Vieles, was bisher erstrebenswert erschien, wirkt plötzlich hohl und schal, verliert an Wert. Indem wir einen Blick in jene, von den Geschichtsbüchern meist übergangene Welt der kleinen Leute tun, kann es durchaus sein, daß sich unser Blickwinkel verschiebt, unsere eigenen Überzeugungen, die bisher felsenfest schienen, ins Wanken geraten. Und wenn die Titanic schließlich in den Fluten versinkt und rund 1.500 Menschen mit sich in die Tiefe nimmt, verliert vielleicht das eigene Leben etwas von der Selbstverständlichkeit des Sicheren. Denn selbstverständlich haben sich die Menschen nur für kurze Zeit voneinander verabschiedet. Mit dem nächsten Fahrplan wäre die Besatzung wieder nach Hause zurückgekommen. Wäre da nicht ein Eisberg gewesen, der einen zeitlichen zu einem ewigen Abschied gemacht hat.

„Zu keiner Zeit bestand eine Gefahr für die Bevölkerung.“ Bloß nicht über das wirkliche Ausmaß einer Gefahr informieren. Und wenn sich Information nicht vermeiden läßt, dann so wenig als möglich und die noch gefiltert. Schon damals war das so, wie aus den kurzen Bemerkungen, was mit der Crew nach der vor der Öffentlichkeit verborgenen Rückkehr nach England geschah, deutlich hervorgeht. Manche Dinge waren wohl schon immer so und ändern sich nie, egal wer das Sagen hat.

Mit Norah und Richard (sowie etlichen anderen, hier namentlich nicht erwähnten) hat die Autorin starke Figuren geschaffen, die so lebendig wurden, daß ich nur schwer glauben kann, daß sie nicht wirklich gelebt haben; sie werden mir immer im Gedächtnis präsent bleiben. Ich bin in eine Zeit vor hundert Jahren eingetaucht und habe mich mit ihnen gefreut und mit ihnen gelitten. Ich war auf einem Luxusliner, habe etwas hinter dessen Kulissen blicken dürfen, und habe den Untergang in den eisigen Nordatlantik mit- und als einer der wenigen überlebt. Das Buch hat mich auf eine Weise emotional berührt und „getroffen“, wie nur sehr wenige bisher. Iris Kammerers „Varus“ fällt mir da eigentlich nur noch ein; dort war es damals ähnlich.

Für sie war die Titanic ein perfektes, mit den besten Sicherheitsmaßnahmen ausgestattetes Wunderwerk der Technik, das unsinkbar war. (Seite 319)
Indem die Titanic selbst zum Mythos wurde, wurde der Mythos der Unsinkbarkeit, der alles möglich machenden Technik, zerstört. Und dennoch hat „der Mensch“ nichts von seiner Technikgläubigkeit (sic!) verloren. Eher im Gegenteil. So bleibt es letztlich jedem selbst überlassen, welche Folgerungen er aus diesem Menetekel für sich und sein Leben zieht.

Kurzfassung

Vor dem Hintergrund des Baus und der Jungfernfahrt der Titanic wird die nicht immer einfache Geschichte von Norah und Richard erzählt. Ein Titanic-Roman, der sich vor allem mit dem „kleinen Mann“ – und den Dingen, die letztlich wirklich wichtig sind im Leben, beschäftigt.

 Interview auf buchtips.net

„Das Impulsive ist mir durchaus vertraut!“

Mit „Der Klang des Pianos“ legt die in Süddeutschland lebende Autorin Elisabeth Büchle einen Titanic-Roman der etwas anderen Art vor. Sie erzählt die packende Geschichte der Werftarbeiter und stellt den eigentlichen Untergang eher in den Hintergrund. Buchtips sprach mit der Autorin über die Arbeit an dem Roman und über den Mythos Titanic.

Michael Krause: Der Untergang der Titanic fasziniert auch einhundert Jahre nach der Katastrophe viele Menschen. Was macht Ihrer Meinung nach, den Reiz des Mythos Titanic aus?
Elisabeth Büchle: Zum einen dürfte es tatsächlich der Mythos selbst sein, der um diesen Untergang gesponnen wurde. Welche Fakten entsprechen der Wahrheit, welche entstammten im Laufe der Zeit den Vorstellungen der Menschen? Bereits kurz nach dem Unglück begannen sich Realität und Fantasie zu vermischen. Zum anderen war es das erste Unglück, von dem – dank der damaligen Erfindung des Marconi-Telegrafen – sehr schnell weltweit berichtet wurde. Zudem störte der Untergang der Titanic empfindsam die Technikgläubigkeit der damaligen Zeit. Außerdem darf man bei der Frage nicht die ausgesprochen finanzstarke, illustre Gesellschaft an Bord des Liners vergessen. (…)

Das ganze Interview auf http://www.buchtips.net/artikel/buechle.htm

Zur Webseite von Elisabeth Büchle

Ein Kommentar

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.