„Die Tage des Gärtners“ von Jakob Augstein

Rezensiert von Dagmar Eckhardt

„Die Tage des Gärtners“ von Jakob Augstein ist kein Gartenbuch, sondern ein Buch über Gartenarbeit. Da wird viel über Blut, Schweiß, Tränen und Muskelkater geschrieben – und über Verantwortung, Gestaltungswillen und darüber, dass man etwas ganz oder gar nicht macht. Der Garten ist klein, der Winter böse und die Nachbarn stören. Die Liebe gilt nicht der Natur und schon gar nicht den Tieren, am ehesten vielleicht noch den Pflanzen. Die Liebe gilt dem Garten als selbst geschaffenes Paradies; ein Ort jenseits des Alltags.

Ein Paradies ist mein Garten auch, aber eines, das eher den Prinzipien des Naturgartens folgt und mit der Perma-Kultur liebäugelt. Gift wird eingesetzt, wenn es sich nicht vermeiden lässt: bei Rosenkrankheiten und gegen die Schnakenbrut im Wasserfass. Probleme mit Schnecken haben wir keine, denn wir haben Igel.

So kommt es, dass ich mich bei der Lektüre von „Die Tage des Gärtners“ zweifach köstlich amüsiert habe. Einmal über die fein zugespitzten Formulierungen und kleinen Gemeinheiten Jakob Augsteins. Das kann er richtig gut! Wunderbar konstruiert fand ich seine Überlegungen, dass die Grube für den Teich fast tief genug sei, um eine Leiche aufrecht einzugraben. Allerdings würde bei einer großen Leiche noch der Kopf herausragen und das sei doch eine Stolperfalle. Einige Seiten vorher hatte er sich noch über die Redewendung aufgeregt, dass der Mörder immer der Gärtner sei und literaturgeschichtlich nachgewiesen, dass es fast keine Krimis gibt, in dem dies der Fall war. Die Redewendung sei ungerecht.

Doch vor allen Dingen habe ich mich über sein Weltbild amüsiert, das so gar nicht meines ist. So erzählt Augstein in „Die Tage des Gärtners“, dass er aus Prinzip keine Nutz- und Heilpflanzen anbaut. Es wäre ihm unangenehm, wenn jemand glaubt, dass er einen Nutzen aus seinem Garten ziehen will. Im Gegensatz dazu trocknet bei mir in der Speisekammer gerade der Wintervorrat an Thymian, Rosmarin und Salbei. Ob dies jetzt das Weltbild des Autors oder das Weltbild eines literarischen Ichs ist, ist mir bei solch einem Spaß schlichtweg egal.

Der Gärtner Augstein mag keine Akeleien, weil sie nicht dort bleiben, wo der Gärtner es geplant hat. Ich liebe Akeleien und werde dank der Lektüre im nächsten Frühjahr noch mehr Freude daran haben, wenn sie unvermittelt an einem Ort auftauchen, an dem ich sie nicht gesetzt habe und dort, wo ich sie gesät habe, nicht erscheinen.

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Jakob Augstein

Die Tage des Gärtners

Vom Glück, im Freien zu sein
17.90 € (D) / 25.90 sFR (CH) / 18.40 € (A)

ISBN 978-3-446-23875-6
Hanser Verlag 2012

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