Buchblogs – Interview mit Claudia Junger von Krimi & Co.

Endlich ist es wieder soweit – ein neues, spannendes und höchst interessantes Interview ist entstanden, dieses Mal mit der Buchbloggerin Claudia Junger. Ihr Blog Krimi & Co. ist sehr erfolgreich und bekannt und ich fühle mich geehrt, dass ich sie für ein paar Fragen gewinnen konnte. Das Thema Buchbloggen hat mich schon eine ganze Weile gereizt. Zu Beginn meines Autorendaseins habe ich nicht viel davon mitbekommen, vielleicht auch, weil diese Szene erst im Entstehen war. In den letzten Jahren traten die Buchblogger aber immer mehr in den Vordergrund und werden inzwischen von Verlagen und Autoren als Kooperationspartner geschätzt. Grund genug, jemandem vom Fach zu den Einzelheiten zu befragen.

Das Interview

Liebe Claudia,

ich bin über Facebook auf dich aufmerksam geworden, so richtig sogar erst durch deine spannenden Umfragen zu interessanten Themen rund ums Buch. Ich freue mich, dass ich dich jetzt interviewen darf. Zu Beginn bitte ich dich um eine kurze Vorstellung.

Ich wurde 1967 in Gütersloh geboren und lebe mit meinem Mann, unseren beiden Töchtern und Mops Bob immer noch dort. Gelernt habe ich Rechtsanwalts- und Notargehilfin; inzwischen bin ich aber seit vielen Jahren in unserem Unternehmen für das Rechnungswesen claudiaundbob1tjpyzuständig. Ich lese, seitdem ich lesen gelernt habe.  Erst querbeet alles und in den letzten Jahren verstärkt Krimis, Thriller und Fantasy, auf Empfehlung oder aus Neugierde aber auch gerne mal etwas aus anderen Genres. Zum Glück kann ich schnell lesen und das kommt mir zugute. Ich reise sehr gerne, liebe die Insel „Kos“ und wir haben im letzten Jahr die USA für uns entdeckt. Kochen ist nach dem Lesen mein zweites großes Hobby und ich besuche regelmäßig Kochkurse.

Du betreibst einen Buchblog. Für alle, die nicht wissen, worum es geht: Was macht eine Buchbloggerin? Und wie bist du dazu gekommen?

Der Begriff „Blog“ oder auch „Weblog“, Wortkreuzung aus engl. World Wide Web und Log für Logbuch, ist so etwas wie ein Tagebuch auf einer Website und man kann darin z.B. seine Gedanken, Ideen, Tipps und Ratschläge zu einem bestimmten Thema für jedermann öffentlich einsehbar aufschreiben. Eine Buchbloggerin beschäftigt sich also auf ihrem Blog mit Büchern die sie liest. Dann schreibt sie ihre Meinung zu dem Buch auf und erleichtert so anderen Lesern die Kaufentscheidung. Ein eigener Blog war schon seit Jahren mein Traum und im Oktober 2011 fasste ich den Mut, „Krimi & Co.“ zu erstellen. Der Name stand übrigens schon seit Jahren fest, den hatte ich immer im Kopf.

Es gibt unheimlich viele Bücherblogs. Was ist das Besondere an deinem?

Das Besondere an „Krimi & Co.“ ist zum einen, dass ich mich mit Krimis/Thrillern und Fantasy ausschließlich deutschsprachiger Autoren befasse und zum anderen, dass ich meine Rezensionen möglichst kurz und knapp halte. Vielleicht sollte ich auch noch erwähnen, dass ich eBooks und Bücher rezensiere und es mir einerlei ist, ob der Autor bekannt oder noch unbekannt ist. Ich gebe jedem eine Chance. Des weiteren stelle ich Autoren mit dem „Krimi & Co. Fragebogen“ vor und starte ab und an Umfragen rund ums Buch.

Seit einiger Zeit haben auch die Verlage gemerkt, dass sie sich Bücherblogs zunutze machen können. Wie ist deine Einschätzung zum Verhältnis zwischen Verlagen und Buchbloggern? Was geht da vor sich? Welche Zusammenhänge bestehen?

Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass das Verhältnis Verlage/Bücherblogger gut ist. Am Anfang habe ich bei zwei oder drei Großverlagen angefragt, ob ich dieses oder jenes Rezensionsexemplar erhalten kann. Das hat sehr gut geklappt und ich wurde bald bei einigen Verlagen gelistet, d.h. ich kann mir inzwischen Bücher aussuchen oder bekomme einfach für mich passende Bücher zugeschickt. Gerade in der letzten Zeit traten viele Kleinverlage an mich heran und es macht mir ganz besonders großen Spaß, für sie Bücher zu rezensieren. Gerade dort entdeckt man echte Perlen und mit Vergnügen mache ich auf meinem Blog mit meiner Rezension etwas Werbung für sie. Vorausgesetzt natürlich, es ist auch gut. Es wird aber in der Bücherbloggerszene auch erzählt, dass einige Verlage sehr verschnupft auf negative Rezensionen reagieren und die Blogger dann aus ihrem Verteiler nehmen, d.h. dieser bekommt dann keine kostenlosen Rezensionsbücher mehr zugesandt. Mir ist dies, trotz einiger negativer Rezensionen, noch nie passiert. Ich schicke den Verlagen immer einen Beleglink, d.h. den Link der veröffentlichten Rezension und habe noch nie negatives Feedback erhalten.

Nicht nur die Verlage haben die Buchblogs für sich entdeckt, sondern auch die Autoren. Wie ist die Beziehung hier?

Bis auf einige wenige Ausnahmen durchweg positiv. Die wenigen Ausnahmen waren mit meiner Meinung zu ihrem Buch nicht einverstanden und reagierten dann etwas pikiert.

Wie treten die Verlage und Autoren üblicherweise an dich heran? Und wie kann man dich als Buchbloggerin am besten für sich gewinnen, wenn man zu einer der beiden Gruppen gehört?

Sowohl Verlage als auch Autoren kontaktieren mich bei Facebook oder per Email. Und wie man mich für ein Buch gewinnen kann? Indem man mich einfach freundlich fragt, ob ich das Buch gerne rezensieren möchte. Ich habe erst drei- oder viermal ein Buch abgelehnt, aber dann auch nur, wenn es darin von Fehlern nur so wimmelte oder wenn zum Beispiel ein  eBook schlecht formatiert und somit fast unlesbar war.

Gibt es auf irgendeiner Seite (Leser, Rezensenten, Verlage, Autoren) gravierende Fehleinschätzungen, was du als Buchbloggerin leisten kannst?

Ja, die gibt es. Ich bin weder Lektorin noch Korrektorin und nicht dazu da, Fehler zu verbessern oder einzeln aufzuzeigen. Sicherlich mache ich das auch mal, wenn mir da etwas auffällt und schreibe dann die Autoren an.

Gibt es andererseits Potential, das du gern zur Verfügung stellen würdest, das aber zu wenig oder gar nicht abgerufen wird?

Gute Frage. Ja, gibt es. Relativ wenige Leser schreiben Rezensionen. Mag sein, weil sie sich nicht trauen oder keine Plattform dafür haben. Ich biete jedem Leser an, auf meinem Blog eine sogenannte Gastrezension zu veröffentlichen. Dort kann er mit seinen eigenen Worten seine Meinung über ein Buch kundtun. Das Bewertungssystem und das Genre überlasse ich ihm ganz allein. Und dann wäre da noch die „Werbung“ für die Autoren. Ich veröffentliche gerne Lesungstermine oder Veranstaltungen rund ums Buch.

Wie schätzt du den Einfluss deiner Rezensionen oder auch von Rezensionen allgemein auf den Verkauf von Büchern ein?

Inwieweit meine Rezensionen Einfluss nehmen kann ich nicht sagen, ich bekomme aber positives Feedback und freue mich sehr darüber. Ich selbst gucke sehr gerne bei meinen favorisierten Bücherblogs vorbei. Man bekommt ja schnell heraus, ob man mit dem Blogger auf einer Wellenlänge liegt.

Wie viele Stunden in der Woche arbeitest du an deinem und für deinen Blog?

Ab diesem Jahr werde ich das etwas einschränken und nur noch Mittwochs und Sonntags eine Rezension veröffentlichen. Ich würde mal schätzen, dass mich der Blog mindestens eine Stunde am Tag kostet und wenn ich Rezensionen schreibe, gerne auch mal zwei. Kommen dann noch Verlosungen, Buchvorstellungen oder Autorenfragebögen dazu, fallen weitere Stunden an.

Hast du schon einmal bereut, deinen Blog zu betreiben? Und wenn ja, warum, und was lässt dich weitermachen?

Nein, bisher noch nicht eine Minute. Mir macht das Lesen und Rezensieren sehr viel Spaß, auch wenn ich bei negativen Kommentaren zu meinen Rezensionen auch mal schlucken muss. Aber wer etwas veröffentlicht, muss auch mit negativer Kritik umgehen können. Gerade im Selfpublisher-Bereich entdecke ich doch echte Perlen und dafür lohnt es sich dann, davor auch zehn schlechte Bücher gelesen zu haben.

Hat sich durch das Bloggen und viele Rezensieren dein Verhältnis zu Büchern gewandelt? Wenn ja, wie?

Ja, hat es. Ich bin sehr viel kritischer geworden und überlege schon beim Lesen, wie ich das Positive und das Negative des Buches hervorheben werde.

Hast du Tipps an andere, die auch gern einen Buchblog starten würden?

Nur einen: Traut euch einfach!

Was war deine Top-Neuentdeckung des Jahres 2012?

Das ist eine sehr schwere Frage, es gab einige Autoren für mich. Außergewöhnlich und richtig schön geschrieben fand ich Oliver Fehns „Die Klavierbrücke“ und „Nebelgrund“ von Johanna Wiesner. Und absolut spannend ist „Die Mädchenwiese“ von Martin Krist und „77. Tage“ von Lucie Flebbe.

Wer ist für dich der/die am meisten überschätzte Autor/in?

Damit sind jetzt sicher viele Leser ganz und gar nicht einverstanden und ich muss vorausschicken, dass „meist überschätzt“ ja nicht „schlecht“ bedeutet. Ich würde da auf jeden Fall Sebastian Fitzek und Jussi Adler-Olsen nennen. Ersterer liefert meiner Meinung nach zu oft nach Schema F konstruierte Fälle ab, die sehr brutal und blutig sind und Jussi Adler-Olsen verliert sich gerne in absoluten Nichtigkeiten, die einfach nicht interessieren und sehr auf Kosten der Spannung gehen.

Ich danke dir ganz herzlich für das Interview!

Gern geschehen. 🙂

Und hier geht es direkt zu Krimi & Co.

P.S.: Bereits vor einiger Zeit schrieb ich einen Blog-Artikel zum Thema „Geheimnisse des Buchverkaufs“, der sich auf eine von Claudias Umfragen bezog. Alles noch einmal nachzulesen hier.