Sommerfeeling mit Sommerkrimi

Sommerzeit ist Krimizeit. Wenn es draußen so richtig heiß ist, lässt Sonne_smileman es sich gern gefallen, wenn einem die Lektüre einen eiskalten Schauer und länger anhaltende Gänsehaut beschert. Allerdings sieht es bei uns momentan nicht gerade nach Sommer aus. Ich hätte einen Tipp für alle, die jetzt nicht länger frieren wollen und sich gern warme Gedanken machen: Der Mörder ist manchmal der Gärtner.

In Schönberg herrscht eine Hitzewelle! Und das im Juni! Ganz recht, Penelope schwitzt, nicht nur wegen des Wetters, sondern auch wegen ihrer Nachbarin Frau Gerberich, die unter Mordverdacht gerät, und wegen ihrer eigenen Hochzeitsvorbereitungen, für die sie gerade mal drei Wochen Zeit hat. Wie soll sie das alles unter einen Hut bekommen? Während ihr die Sonne auf den Kopf knallt, muss sie sich zu Fuß oder mit dem Rad fortbewegen, weil ihr altes Auto endgültig den Geist aufgibt. Dass die Verwandtschaft früher als geplant zur Hochzeit anreist, macht die Sache auch nicht einfacher. Penelope träumt von romantischen Flitterwochen in der heißen Toskana und ihrem neuen Leben an Peters Seite, doch zwei Morde lassen ihr keine Ruhe. Ehe sie es verhindern kann, steckt sie bis über beide Ohren in dem Fall.

Cover von "Der Mörder ist manchmal der Gärtner"Der Mörder ist manchmal der Gärtner
BoD 2011, TB, 208 S., ISBN 9783842359314, Euro 12,90
bei amazon.de – Das Buch ist über jede Buchhandlung zu beziehen und erscheint in Kürze auch als eBook!

Leseprobe:

Die Ruhe war angenehm, sehr angenehm. Schon fast zu angenehm, denn Müdigkeit drohte, mich zu überwältigen. Ich hatte Mühe, mit meinen schmerzenden Füßen die Pedale meines alten Autos zu bedienen, während mein gepeinigter Rücken sich sehr deutlich nach einem Bett sehnte und meine Augen zuzufallen drohten. Trotzdem war ich beinahe unanständig froh, dass keine der beiden älteren Damen etwas sagte, sondern jede schweigend auf ihrem Platz saß. Frau Gerberich befand sich neben mir auf dem Beifahrersitz und starrte verkniffen geradeaus durch die Windschutzscheibe. Frau Mußner nickerte auf der Rückbank, wobei ihr Mund leicht offenstand. Und ich fuhr die Autobahn entlang und versuchte, wach zu bleiben.

Meine Nachbarin hatte mich dazu überredet, mit ihr und ihrer Freundin Gertrude Mußner einen Ausflug in den Zoo zu machen. Da sich dieser in einer anderen Stadt befand, zu der man etwa eine Stunde mit dem Auto brauchte, tat ich ihnen den Gefallen und fuhr die beiden. Frau Gerberich war ein entschiedener Morgenstund-hat-Gold-im-Mund- und Der-frühe-Vogel-fängt-den-Wurm-Typ, weshalb wir bereits um sieben Uhr Frau Mußner aufgelesen hatten und losgedüst waren. Wir waren praktisch die Ersten im Zoo gewesen und hatten dort gut und gerne acht Stunden verbracht. Zum Schluss war ich nur noch am Stolpern und wünschte mir nichts sehnlicher, als mich mit Ohrstöpseln auf einer der Bänke niederzulassen. Außerdem hatte ich einen wahnsinnigen Durst, denn es war ein unerfreulich heißer Junitag und die Sonne knallte gnadenlos auf uns herunter.

Den Gehörschutz hätte ich brauchen können, da Frau Gerberich und Frau Mußner die gesamte Zeit über ununterbrochen erzählten. Frau Gerberich, die ich immerhin schon einige Jahre kannte, war mir nie übertrieben redselig vorgekommen, aber ihre Freundin lockte alles aus ihr heraus, was an entsprechenden Anlagen in ihr schlummerte. Frau Mußner selbst konnte ohne Punkt und Komma reden. Sie schien nicht einmal atmen zu müssen und ich hatte mich wiederholt erstaunt gefragt, ob sie etwa die Kreisatmung beherrschte, so ähnlich wie ein Didgeridoospieler. Im Großen und Ganzen war die Unterhaltung friedlich verlaufen, erst am Ende hatten sich ein paar Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden eingeschlichen, was vermutlich an unserer Erschöpfung und dem drohenden Hitzschlag lag.

Auf der Heimfahrt umgab Frau Gerberich eine Aura von Gereiztheit – das bemerkte ich sogar, ohne sie anzusehen. Frau Mußner hatte hinten ein Fenster geöffnet, nicht viel, nur einen Spalt breit, aber es genügte, um im ganzen Auto einen leichten Luftzug zu verursachen. Mich störte das nicht weiter, denn es war brütend heiß im Wagen und das Gebläse lief ohnehin mit voller Kraft, doch Frau Gerberich ertrug es nur mit größtem Widerwillen. Ich wartete darauf, dass sie zum Angriff übergehen würde. Zwanzig Kilometer vor der Ausfahrt, die uns Richtung Schönberg bringen würde, war es soweit.

„Gertrude, würdest du bitte endlich das Fenster schließen!“ Frau Gerberich sah weiter nach vorne und erwartete, dass ihre Freundin tat, wie geheißen, doch Frau Mußner döste einfach weiter und rührte sich nicht. „Gertrude! Ich habe bereits einen ziehenden Schmerz im Genick und kann bestimmt morgen den Kopf nicht mehr bewegen, nur weil du da hinten Durchzug verursachen musst. Mach bitte zu!“

Keine Reaktion. Frau Gerberich wandte sich schließlich um und schoss einen bösen Blick auf ihre Freundin ab.

„Du brauchst gar nicht so zu tun, als würdest du schlafen, hörst du? Ich weiß ganz genau, dass du wach bist. Du willst mich nur provozieren!“

Ich sah in den Rückspiegel. Frau Mußners Kopf eierte entspannt durch die Gegend. Meine Nachbarin verrenkte sich noch weiter auf dem Sitz und griff nach hinten, um ihrer Freundin unsanft aufs Knie zu schlagen. Jetzt hätte sich die alte Dame wirklich rühren können! Ein mulmiges Gefühl machte sich in mir breit, während ich versuchte, in Frau Mußners Gesicht wenigstens ein kleines Zucken zu entdecken. Nichts.

„Frau Gerberich, schläft Ihre Freundin immer so fest?“

Meine Nachbarin war jetzt selbst ratlos. „Nein. Ich weiß nicht recht. Ist sie vielleicht ohnmächtig geworden? Von der Hitze womöglich?“

„Am besten halten wir an.“

Ein Parkplatz wurde am Fahrbahnrand ausgewiesen und ich setzte den Blinker, um rauszufahren. Als das Auto stand, stiegen wir beide aus und ich öffnete die hintere Tür, neben der Frau Mußners Platz war. Die alte Dame war angeschnallt und blieb sitzen, obwohl sie zusammengesunken und ganz schlaff wirkte. Frau Gerberich nahm ihre leblose Hand und knetete sie, dann schlug sie ihrer Freundin ein paar Mal auf die Wangen. Frau Mußner wachte nicht auf. Ich versuchte, eine in mir aufsteigende, fürchterliche Ahnung zu unterdrücken, und tastete an ihrem Hals nach einem Puls. Als ich keinen fand, hielt ich ihr einen Handrücken vor Nase und Mund. Auch nichts.

„Was ist mit ihr?“, fragte Frau Gerberich ängstlich und hielt sich an meinem Arm fest, als ob sie sich wappnen wollte für das, was jetzt kam.

„Ich glaube, sie ist tot.“ Die Worte klangen wie aufgesagt, als ich sie aussprach. War das wirklich wahr? Wie konnte das sein? Gerade noch hatten wir den Tag miteinander verbracht, quietschfidel und gesund! Ich war keine Ärztin, ich konnte mich irren. Bestimmt irrte ich mich!

Wir versuchten noch mehrmals, die arme Frau Mußner zu Bewusstsein zu bringen, aber es war zwecklos. Wir mussten bestürzt einsehen, dass meine erste Diagnose offensichtlich richtig war. Was sollten wir jetzt nur tun? Wir standen auf einem Autobahnparkplatz unweit unseres Städtchens, hatten eine Leiche auf dem Rücksitz und fühlten uns sehr verwirrt und mitgenommen. Ich überlegte, ob wir jemanden benachrichtigen konnten. Da mir auf die Schnelle und in der Aufregung keine Lösung einfiel und Frau Gerberich völlig aus der Fassung war, sagte ich schließlich hilflos: „Ich denke, wir fahren am besten erst mal nach Hause. Und dann holen wir einen Arzt.“

Meine Nachbarin nickte und warf noch einen befremdeten Blick auf ihre Freundin, ehe sie die Tür zuknallte. Mir war selbst unheimlich zumute, als ich ins Auto stieg. Es war sehr eigenartig, zu wissen, dass hinter mir eine Tote saß. Ich klappte den Rückspiegel weg, damit ich sie nicht sehen musste, und gab Gas. Eine gute Viertelstunde später waren wir zuhause und verließen beinahe fluchtartig und sehr erleichtert den Wagen.

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