Hangman

Letzten Sonntag war wieder einmal Tag der offenen Gärten, dieses Mal am Donnersbergkreis. Wir machten uns auf, um vier Privatgärten zu besichtigen und mussten uns zunächst auf eine wahre Odyssee rund um die Weinstraße begeben, weil die an diversen Stellen gesperrt war. Nicht so wirklich gutes Timing. Wenigstens waren die Gärten schön anzusehen und auch gut besucht, denn die Sonne schien und ein warmes Lüftchen wehte. Ich finde es immer wieder erstaunlich, dass jeder Garten anders ist, beinahe jeder reizvoll und auf welche guten Ideen die Besitzer kommen, um ihre grünen Landflecken zu gestalten.

Mein persönliches Highlight war der parkartige, riesige Garten des Weinguts Janson-Bernhard in Zellertal. Zuerst betritt man einen Gutshof mit einem wunderschönen Innenhof. Linker Hand geht man an einem Gebäude vorbei, das vollkommen mit Kiwi bewachsen ist (es heißt denn auch Kiwi-Haus). Man verlässt den Innenhof auf der Rückseite und tritt durch eine fast winzige Öffnung in einer Mauer in den Garten und ist erst einmal überwältigt.

Sophora3

Was fiel mir dort ins Auge? Ein uralter, enormer Schnurbaum (Sophora japonica), ein äußerst beeindruckendes Exemplar. Schnurbäume sind selten zu finden; ich glaube, dieser alte Baum ist bisher erst der zweite überhaupt, den ich je in einem Garten sah. Der einzige andere ist der, den wir in unserem alten Garten pflanzten, vor etwa zehn Jahren als junges, kleines Bäumchen und in diesem Fall ein klein bleibender Hängeschnurbaum (Sophora japonica ‚Pendula‘).

Sophora4

Wir haben also eine Geschichte mit dem (Hänge)schnurbaum und die geht so: Als frische Gartenbesitzerin beschaffte ich mir etliche Gartenbücher, u.a. Ziergehölze für den Garten von Robert Markley. Wir waren auf der Suche nach einem kleinen, markanten Baum für ein Rundbeet, nachdem der vorige (eine Schirmtanne) einen Winter nicht überstanden hatte. In dem Buch heißt es zum Hängeschnurbaum:

Ein wenig unheimlich wirkt dieser Zweigakrobat mit strengem Hängewuchs schon. Besonders in der Abenddämmerung sorgt die gruselige Gestalt mit ihrem gebeugten Haupt für erhöhten Nervenkitzel. Für Krimifreunde mit kleinen Gärten.

Was bleibt einer Krimiautorin bei solchen Worten übrig? Glücklicherweise fanden wir einen in einer Baumschule und transportierten ihn in unserem Auto nach Hause, hinten aus dem Kofferraum hängend. Er hat sich prächtig entwickelt und bildet mit der Zeit eine schöne Laube durch seine überhängenden Äste.

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Nachdem wir nun wieder auf der Suche nach einem markanten Hausbaum sind und dieses Wunderexemplar in Zellertal bestaunten, steht für uns fest, es muss wieder ein Hängeschnurbaum her. Der Krimigarten schreit förmlich danach. Nur ist dieses Mal die Beschaffung nicht ganz so einfach. Besagte Baumschule ist weit weg, wir haben ein anderes Auto mit weniger Platz im Kofferraum und in der näheren Umgebung bin ich bisher nicht fündig geworden. Meine Spürnase bleibt beschäftigt.

Wurze2013

Auf der Webseite des Weinguts gibt es einen Link zu einem Radiomitschnitt (unter ‚Aktuelles‘). Eine Journalistin hat den Garten besucht und darüber berichtet, die Besitzerin interviewt, die in dem Gespräch auch etwas über den Schnurbaum sagt. Nun habe ich viel über diesen einen Baum geschrieben, aber es gibt noch viele andere Exoten in diesem Privatpark und noch vieles mehr. Einen Besuch kann ich nur wärmstens empfehlen.

Brunnen2013JPG

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