Lektorats-Allüren

Nie war es leichter, ein Buch zu veröffentlichen. Und nie wurden so viele schlechte Bücher veröffentlicht. Das sind zwei Sätze, die augenblicklich auf viel Zustimmung stoßen und so richtig tiefenwahr zu sein scheinen.
Das Lektorat schützt davor, grottenschlechten Unsinn zu publizieren, aber auch nur im besten Fall. Ich habe einige Bücher herausgebracht, die nicht wirklich gut lektoriert waren, und zum großen Teil lag das daran, dass ich anfangs noch recht ahnungslos an die Sache herangegangen bin.

Erste Lektoratserfahrungen
Als ich 2006 mein erstes Buch veröffentlichte, entsprach meine Vorstellung noch der alten Schule – Autor schreibt, Verlag lektoriert, druckt, verkauft. Man merkt meinem ersten Buch an, dass es ein noch unerfahrenes Werk ist. Ich verließ mich darauf, dass der Verlag weiß, was er tut, und entsprechend in meinem Manuskript verbessert und mich auf Fehler hinweist. Das Lektorat bemängelte gar nicht viel; mich freute es. Erst viel später wurde mir klar, dass es viel mehr Arbeit benötigt hätte, um das Buch zu etwas Besserem zu machen.

Im Lauf der Jahre und Veröffentlichungen durchlief ich Lektorate aller Art, von nicht vorhanden bis supergründlich. Supergründlich ist eine harte Schule, aber sehr sinnvoll und ich hätte sie mir für den Anfang meiner Karriere gewünscht. Das hätte mich früh richtig gut vorwärts gebracht. So musste ich erst langsam Erfahrungen sammeln und mein Fazit ziehen. Das ergibt leider auch einige Veröffentlichungen, die nicht so gut sind, wie sie sein könnten.

Ich will gar nicht sagen, dass ich doofe LektorInnen hatte, ganz und gar nicht. Ich hatte sehr liebe, nette, hilfsbereite LektorInnen, die mich unterstützten und für mich und meine Fragen da waren. Vielleicht hätte ich früher darauf kommen sollen, dass am Ende doch hauptsächlich ich für mein Werk verantwortlich bin und nicht der Verlag.

Das Fazit
Inzwischen habe ich das gelernt. Nun kann es durchaus passieren, dass ein Verlag ein Manuskript von mir abnickt und durchwinkt und sich dann in der Bearbeitungsphase wundert, dass er von mir viel mehr Änderungen zurückbekommt, als er gefordert hat. Druckfreigaben erteile ich nur noch, wenn ich alles überprüft und für gut befunden habe. Eine Druckfreigabe im guten Glauben zu erteilen, dass der Verlag schon noch die letzten Fehler beheben wird, geht unter Umständen total daneben und man hat ein Buch auf dem Markt, mit dem man gar nicht glücklich ist.

Brauche ich ein Lektorat?
Ja, unbedingt. Wenn man erfahren ist und es nicht anders geht, kann man vielleicht auch mal ohne auskommen, aber das sollte die Ausnahme sein. Vor allem AutorInnen, die am Anfang ihrer Veröffentlichungskarriere stehen, sollten ein Lektorat in Anspruch nehmen und keine Angst haben vor der Arbeit und der Kritik. Ein guter Lektor wird den Autoren nicht niedermachen, sondern konstruktiv mit ihm arbeiten. Ein gutes Lektorat ist so etwas wie ein wichtiger Schritt in der Ausbildung des Autoren, der ihm für zukünftiges Schreiben wertvolles Wissen bringt. Natürlich muss man auch hier abwägen und überlegen, was man mit seinem Buch erreichen möchte. Ist es nur für die Familie und Freunde gedacht, ist ein Lektorat nicht so wichtig, aber möchte man mit seinem Werk auch Rezensionen bekommen und Käufer finden, sollte man nicht auf die bestmögliche Qualität verzichten.

Wie finde ich einen guten Lektor?
Das ist heikel, denn sobald man sich selbst einen Lektoren sucht, kostet es Geld. Viele Leute bieten Lektoratsdienste an, aber man weiß vorher nicht, wie gut sie ihren Job können. Auf Empfehlungen hören, kann sich lohnen, oder auch die Referenzen überprüfen, ehe man sich entscheidet. Ist es ein Lektor mit Erfahrung, wie ist mein Eindruck nach einem persönlichen Gespräch, passt er zu mir und meinem Werk? Allein nach dem finanziellen Aspekt zu entscheiden, kann nachteilig sein, denn das günstigste Angebot ist in aller Regel nicht das qualitativ beste. Das sind Ausgaben, die man miteinkalkulieren muss, wenn man überlegt, ob man mit seinem Buch einen Gewinn machen kann.

Das Verlagslektorat
Am besten läuft es, wenn man für sein Manuskript einen Verlag findet, der das Lektorat übernimmt. Der Autor muss kein Geld dafür ausgeben, aber wie oben beschrieben, ist das nicht automatisch eine Garantie für gute Arbeit. Man sollte auf jeden Fall (selbs)kritisch bleiben und notfalls ein gründlicheres Lektorat verlangen, wenn man merkt, dass der Verlag nicht das leistet, was er sollte.
Ein großes Problem ist heutzutage, dass sehr viele Verlage Manuskripte, die ein umfassendes Lektorat erfordern, gar nicht erst annehmen. Das heißt also, dass die Autoren schon möglichst ausgefeilte und makellose Manuskripte einschicken müssen, um einen Buchvertrag zu bekommen. Hier muss wieder jeder für sich abwägen, ob er das Risiko eingeht oder doch zuerst einen Lektor bezahlt, ehe er sein Manuskript an Verlage schickt.

2 thoughts on “Lektorats-Allüren

  1. Danke für diesen sehr nützlichen Beitrag. Ich stehe am Anfang und habe bisher noch nichts veröffentlicht, aber das kommt vielleicht noch. Im Moment schreibe ich noch für die Leser meines Bloggs und meine Facebook Seite. Verlag habe ich für meinen ersten Roman noch nicht gefunden, werde ihn nochmal durcharbeiten und gegebenenfalls als Ebook veröffentlichen. Aber jetzt weiß ich Lektorat ist sehr wichtig. Herzliche Grüße Bettina

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