Anja Ollmert linst hinter Türen und fühlt Brecht auf den Zahn

Meine Schriftsteller-Kollegin Anja Ollmert hat sich aufgemacht, hinter diverse Fassaden zu schauen. Nun ist ihre Kurzgeschichtensammlung Hinter Türen erschienen, die sie in meinem Blog vorstellt. Doch zuvor musste sie sich einigen haarigen Fragen stellen, denn ich wollte von ihr Antworten, die sie bestimmt noch niemandem gegeben hat. 😉Anja_Ollmert

Anja, was treibt dich um, wenn du schreibst? Hast du irgendwelche persönliche Grundwahrheiten, die du deinen LeserInnen mit deinen Texten vermitteln möchtest?

Manchmal glaube ich, mein Kopf ist voller angefangener Geschichten und die muss ich aufschreiben, um Platz zu schaffen für das, was danach kommt. Ich mag es, mich weiterzuentwickeln,  neue Ideen zu formen, die mir einen persönlichen Zugewinn bringen.
Wer die Geschichten in „Hinter Türen“ (und in der geplanten Fortsetzung „Hinter Fenstern“) liest, der erkennt vielleicht meine Tendenz, einen Blick auf die Menschen zu werfen, die im Leben nicht so gut wegkommen. Ich versuche in meinem Alltag, andere so sein zu lassen, wie sie sind. Dabei bedeutet das nicht, dass ich jeden mögen muss, der mir begegnet, aber es ist eben doch die grundsätzliche Akzeptanz des menschlichen Individuums, die mir wichtig ist. Das hat vielleicht mit meiner Tätigkeit als geistliche Leiterin zu tun, ohne dass ich mit dem moralischen Zeigefinger winken will. Und es erlaubt mir gelegentlich, mich und meine Schrullen mit einem Augenzwinkern in meine Texte einfließen zu lassen.

Wie stehst du dazu, Figuren in deinen Texten deinen eigenen Namen (also Anja) zu geben? Machst du das überhaupt und wenn ja, wie ist das für dich? Was für Charaktere müssten das sein?

Ich gebe meinen Figuren in der Regel nur Namen, die für mich im wahren Leben keine Rolle spielen. Mein eigener Vorname gefällt mir nicht gut genug, als dass ich ihn verwenden würde. Anja wird deshalb vermutlich keine meiner Protagonistinnen heißen. Das bedeutet aber nicht, wie bereits erwähnt, dass sich keinerlei eigene Charakterzüge in den Texten widerspiegeln. Ich verrate nur nicht, welche das sind. (Nur so viel: Bisher habe ich keine eigenen Leichen im Keller.)
Würde ich von dieser Regel abweichen und eine literarische Anja kreieren, wäre es eine Frau, die mit beiden Beinen fest im Leben steht und doch mystische und spirituelle Einflüsse nicht verleugnet. Keine Spökenkiekerin, aber eben eine die weiß, dass man nicht alles zwischen Himmel und Erde erklären kann oder muss.

Was definiert für dich den Erfolg eines deiner Bücher?

Mein Konto?! Quatsch, Geld macht nicht glücklich, es beruhigt nur…
Ich würde ein Buch für erfolgreich halten, wenn es den Lesern eigene Emotionen entlockt. Die Interaktion mit Lesern, die Lust haben, über meine Texte zu diskutieren, wäre ein Kriterium.

Tee, Kaffee oder Kakao beim Schreiben? 😉

Ganz klar Kaffee!

Du organisierst ein Kaffeekränzchen für Schriftsteller, bei dem Raum und Zeit keine Rolle spielen. Wen würdest du einladen und worüber würdest du unbedingt mit ihnen sprechen wollen?

  • Berthold Brecht. Unser Gesprächsthema wäre die Stärke und Entschlossenheit von Mutter Courage.
  • Johann Wolfgang v. Goethe, weil mich interessiert, ob er dem Teufel jemals selbst begegnet ist.
  • Marc Levy, Ken Follet, Diana Gabaldon und Rebecca Gablé, ganz einfach weil ich ihre Bücher mag.
  • Meine Autorenfreundin C.M. Singer, damit wir uns von Angesicht zu Angesicht kennenlernen können.
  • Jonas Jonasson, um zu erfahren, wer ihm als Vorbild für den Hundertjährigen gedient hat.

In so illustrer Runde gäbe es sicher einen spannenden Gedankenaustausch zum Beispiel über den Wandel der Sprache. Und viel mehr passen auch leider nicht an meinen Esstisch…

Hinter Türen

Anja, erzähl uns bitte etwas zu deinem neuesten Werk.

Ich bin passionierter Beobachter

Im April 2013 ist es erschienen: das Buch, das die Leser einlädt, gemeinsam mit mir einen Blick auf das pralle Leben zu werfen. Ich bin ein stiller, passionierter Beobachter meines Umfelds. Wer jedoch nach der Lektüre von „Hinter Türen“ glaubt, mein Freundes-und Bekanntenkreis bestehe aus völlig verschrobenen und sogar kriminellen Individuen, der irrt.

Es sind winzige Kleinigkeiten aus dem Alltag, die in meine Texte Einzug halten dürfen. Das mag sich in Beschreibungen der Protagonisten ebenso wiederfinden, wie in ihrem fiktiven Lebensumfeld. Immer aber werden dabei persönliche Eindrücke und Erinnerungen verfremdet, ausformuliert und stilisiert sein. Und doch bleibt dieses kleine Fitzelchen des wahrhaft Erlebten. Der Satz eines vorübereilenden Fremden, eine Nachricht in Funk oder Fernsehen, beiläufig wahrgenommen, das Aufeinanderprallen unterschiedlicher Szenen und Menschen bei einem Nachmittag im Straßencafé – der Gelegenheiten sind viele.

Wir sind es heute gewohnt, durch die zahlreichen Doku-Soaps, Gerichtssendungen, TV-Schuldnerberater oder selbsternannte Innenarchitekten und Wohnraumdesigner Einblicke in das Leben anderer zu bekommen. Aber interessiert uns das wirklich, wenn jeder im Fernsehen alles von sich preisgibt? Wie glaubhaft sind Eltern, die ihre Kinder in die Fremde schicken, damit sie dort gehorchen lernen oder Ehepaare, die sich bei einer erdachten Therapiesitzung mit der Psychologin streiten, dass die Fetzen fliegen?

Mich hingegen interessieren die Menschen hinter der Skurrilität ihres Lebens. Wir dürfen uns erlauben, näher hinzusehen und ihre Eigenheiten zu entdecken, wenn wir dabei nicht verletzend werden. Autoren und Leser dürfen sie morden, leben, lieben und leiden lassen und dabei ihren eigenen Vorstellungen folgen.

Das ist die Essenz meiner Kurzgeschichten-Anthologie, in der wir völlig gefahrlos für beide Seiten Kriminellem, Mörderischem, Unterhaltsamem, Fantastischem und Skurrilem begegnen dürfen. Dazu sind meine Leser eingeladen, wenn sie die Buchdeckel von „Hinter Türen“ öffnen, denn diese Buchdeckel stehen stellvertretend für die Türen des Lebens. Übrigens ist das Nachfolgewerk „Hinter Fenstern“ bereits in Arbeit und wird vermutlich noch zum Ende des Jahres erscheinen.

Mehr zu Anja Ollmert und ihren Texten gibt es auf ihrer Webseite – www.anjaollmert.jimdo.com

Anja Ollmert – Kurzgeschichten-Anthologie „Hinter Türen“, erschienen bei Amazon

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ISBN: 978-1484043219 (Taschenbuch)
ISBN: 978-3-7309-1315-4 (E-Book)

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