Krimi-Dinner mit grüner Dame

Schon von Berufs wegen reizte es mich, ein eigenes Krimi-Dinner durchzuführen. Außerdem – das gebe ich gern zu – wollte ich sehen, was die Konkurrenz Schönes verkauft und so habe ich nach langer Vorfreude ein Spiel käuflich erstanden: Der gruenedameFluch der grünen Dame. Eins von mehreren Spielen für zuhause von Mörderische Dinnerparty. Am Samstag war es soweit: 6 Damen trafen sich zu einem munteren Mörderabend und hier sind ihre Erlebnisse.

Die Vorbereitungen zu so einem Abend sind umfangreich. Man muss die Gäste aussuchen, einladen, einigermaßen sicherstellen, dass auch alle können, weil man sonst das Spiel abblasen muss, das Menü vorbereiten, einkaufen, kochen, sich selbst vorbereiten. Das Spiel selbst kommt in einer relativ großen Schachtel daher, aber wenn man diese öffnet, ist der meiste Raum ungenutzt, nur in der Mitte liegt in einer Vertiefung alles, was man zum Spiel braucht. Das ist schon mal seltsam, denn im Grunde bräuchte man lediglich einen Karton, der ca. 1/3 der verwendeten Größe hat. Man staunt also erst mal, aber es ist alles da, was man braucht – Einladungen, eine Spielanleitung, Tischkärtchen, Rollenhefte, Hinweise und eine CD. Das Ganze schön gedruckt, allerdings nur schwarzweiß bzw. in Grautönen. Zur Spielanleitung (die sich der Gastgeber vor allem anderen zu Gemüte führen sollte) gehört ein Menüvorschlag. Ich bin diesem nicht gefolgt, sondern habe mein eigenes Menü kreiert, das vor allem folgenden Punkten entsprechen musste: gut vorzubereiten, während des Abends sollte es nicht den ständigen Aufenthalt in der Küche erfordern, es sollte schmecken, satt machen und drei Gänge haben. Herausgekommen ist folgendes:

Gemüsebrühe mit Tofuklöschen
In Honig gebackene Hühnerkeulen mit Gemüsespießen und Baguette
Schokoladentarte

Die Brühe und die Klöschen hatte ich schon Wochen zuvor gemacht und eingefroren, das Hauptgericht kam komplett aus dem Backofen und konnte  einprogrammiert werden, die Tarte habe ich am Tag davor gemacht. Wunderbar und schmackhaft.

DSC02597Mit die größte Gaudi bei dem Krimi-Dinner entstand durch die Verkleidungen. Jedem Gast wird eine Rolle zugewiesen (Vorschläge zur Kostümierung sind in der Einladung enthalten) und entsprechend kann er sich ausstaffieren. Besonders günstig fiel unser Dinner in die Faschingszeit, die Kaufhäuser und Läden sind gerade voll mit nützlichen Utensilien wie Federboas, Klunker, Bärtchen, Perücken und was man alles brauchen kann. Natürlich mussten wir Fotos machen, von jeder einzeln und von allen zusammen. Dann ging es los.

Die Spielanleitung lotste uns durch den Ablauf. Abwechselnd mit Einspielungen von der CD (Inspektor Watson führte die Ermittlungen) kamen wir dran mit vorgegebenen Dialogen und dem Verlesen von Hinweisen, die dafür sorgten, dass wir alle der Reihe nach mit reichlich Motiven für die verwerfliche Tat (Mord!) eingedeckt wurden. Nach dem Pflichtprogramm folgte jeweils eine Diskussion zum Fall, wer was warum getan haben könnte und wer durch wen vielleicht ein Alibi hat oder womöglich auch keins.  Dazwischen wurden die Gänge serviert. Am Ende musste jeder einen Tipp abgeben, wer der Täter war, dann kam zum letzten Mal Inspektor Watson zu Wort, um den Fall aufzuklären. In unserem Fall war es so, dass niemand den Fall richtig lösen konnte. Was natürlich den Spaß nicht geschmälert hat. Übrigens erfährt der Mörder erst ganz am Schluss (durch sein Rollenheft), dass er es ist. Bis dahin spielt er als Verdächtiger so ahnungslos wie alle mit. Insgesamt waren wir etwa 4 Stunden beschäftigt.

Wir hatten viel Spaß, ohne Frage, und ich würde auf jeden Fall wieder ein solches Spiel mitmachen. Ein paar Dinge fand ich aber etwas schwierig. Da ist zum einen die Angabe, dass das Spiel für 6 bis 8 Spieler wäre. Zwei der Rollen sind optional, können also weggelassen werden, aber ich empfand es beim Spielen als störend, dass diese Personen nicht da waren. Sie haben Text und Hinweise, die dann eben von anderen vorgelesen werden mussten. Man hat andauernd gemerkt, dass jemand fehlt, und das war schade, auch wenn sie für den eigentlichen Spielablauf oder die Lösung nicht unbedingt nötig waren.

Die Rollen sind sehr amüsant und im Spielheft wird vorgeschlagen, dass man sie die ganze Zeit beibehalten soll, möglichst schon entsprechend die Gäste mit ihren Spielnamen begrüßen usw. Das durchzuhalten dürfte eine wirkliche Herausforderung sein. Bei uns ist es nicht geglückt, wir haben immer wieder als wir selbst miteinander erzählt, auch über andere Themen. Der Abend hat sich automatisch gegliedert in Essen mit normalen Gesprächen und Spielphasen mit Rollengesprächen dazwischen.

Beim Spiel bestand die größte Schwierigkeit darin, nach der CD-Einspielung in Runde 1 hineinzufinden. Im Spieleheft stand dazu nichts, wir konnten nur raten, dass hier ein Dialog von uns Spielenden stattzufinden hat, allerdings gab es noch nicht sehr viel zu diskutieren, sodass der Anfang etwas schleppend ausfiel. Später wurde es dann wesentlich lebhafter, als uns klar wurde, dass wir alle unsere Leichen im Keller haben und auf die eine oder andere Weise dem Opfer den Tod an den Hals wünschten. Die Auflösung am Ende durch den Inspektor von der CD war recht verwirrend. Es gab im Lauf des Spiels so viele Hinweise, dass  man, um alle ordentlich auszuwerten, wesentlich länger gebraucht hätte. Die Erklärungen zum Tathergang waren dann auch zum Teil überraschend, teilweise hatte man schon das eine oder andere geahnt. Ein Teil der Lösung wurde damit erklärt, dass Verwirrung geschafft werden sollte, was ich persönlich als eher unbefriedigend werte, aber ich bin vielleicht auch besonders kritisch, was das angeht (so als Krimiautorin). 😉

Ich kann jetzt natürlich nicht verraten, was am Ende als Lösung herauskam, doch hier ist mein Fazit: Das Ganze ist liebevoll gemacht und sorgt für gute Unterhaltung. Der Fall selbst schwächelt hier und da, zu viele Hinweise, die verwirren, und eine nicht ganz ausgereifte Auflösung am Schluss. Trotzdem folgt man dem Spiel während der gesamten Zeit mit Spannung und wilden Theorien und am Ende hatte man einen tollen Abend, auch wenn man vielleicht nicht den Täter entlarvt hat. Zur Abrundung ein paar Fotos von unserem Krimiabend.

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