Inspektor Jury und Martha Grimes

Eine Krimireihe, die schon lange auf meiner Liste für die Lese-Tipps steht, ist die Inspektor-Jury-Serie von Martha Grimes. 22 Bände gibt es und da gerade im ZDF eine erste Verfilmung lief, drängt sich der Zeitpunkt förmlich auf, jetzt etwas darüber zu schreiben.

Martha Grimes ist Amerikanerin und schreibt über englische Leute in England. Das klappt erstaunlich gut; man fühlt sich sofort ins Königreich auf der Insel versetzt, wenn man Richard Jury nach Long Piddleton folgt und weiterhin an all die anderen Orte der Morde. Die Serie ist eigentlich alt, das erste Buch erschien schon 1981. Damals wuchsen mir der Inspektor und seine immer wiederkehrenden, leicht exzentrischen britischen Freunde schnell ans Herz und ich habe einen Band nach dem anderen verschlungen. Daher auf jeden Fall meine Leseempfehlung! Umso mehr nach dem Film, der bedauerlicherweise vieles sehr deutsch umgestaltet und so einiges von dem typisch britischen Flair ruiniert hat.

Ich gebe aber auch zu, dass ich nicht alle 22 Folgen gelesen habe. Irgendwo gegen Ende der Reihe, bei Band 19, habe ich genervt aufgegeben. Martha Grimes hat es nicht geschafft, ihrem Inspektor eine Weiterentwicklung oder eine Modernisierung angedeihen zu lassen. So fährt er beispielsweise niemals selbst Auto und braucht immer einen Chauffeur (meistens seinen getreuen Wiggins), hat kein Handy, jammert auch nach 20 Jahren noch, weil er sich das Rauchen abgewöhnt hat und eine Zigarette will, und trifft als Polizist fragwürdige Entscheidungen. Da wäre die Verdächtige, mit der mal eben ins Bett springt, und die Kinder, die auf der Straße leben, wie alle Kinder bei Grimes unglaublich weise und altklug daherkommen, und die dank Inspektor Jury weiterhin auf der Straße bleiben, als wäre das eben völlig in Ordnung. Nun, ich will es nicht zu negativ klingen lassen, und falls die Autorin in den letzten paar Bänden noch ein paar dieser Punkte geändert hat, weiß ich es natürlich nicht. Die ersten zehn bis fünfzehn Bücher kann man unbedenklich mit großem Genuss verschlingen und sich an den Briten und ihren Eigenarten erfreuen. Der Tonfall der Krimis ist übrigens keinesfalls flapsig, sondern meist ernsthaft; nur, wenn es den Inspektor nach Long Piddleton verschlägt oder auf den Spuren seines Freundes Melrose Plant schleicht sich gelegentlich ein feiner Humor ein.

Der erste Band ist „Inspektor Jury schläft außer Haus“. Wer mehr über Martha Grimes und ihre Bücher wissen möchte, wird bei wikipedia oder auf ihrer eigenen Webseite fündig.

jury

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