Viktorianische Literatenehen – Parallele Leben von Phyllis Rose

Eine etwas sperrige Überschrift, zu der ich gleich komme. Zuerst: Die Verlosung zum Welttag des Buches ist beendet und die Gewinner sind ausgelost und benachrichtigt. Wer nachsehen möchte, findet die Namen in den Kommentaren zum Verlosungsartikel. Auch hier noch mal herzlichen Dank allen fürs Mitmachen!
So, und nun zu den Viktorianern!

Parallele Leben ist der Titel eines Buches, geschrieben von der Literaturwissenschaftlerin Phyllis Rose. Das Buch ist so alt, dass es noch einen DM-Preis hat. 😉 Ich habe es vor Jahren auf einem Büchereiflohmarkt gekauft und ins Regal gestellt. Jetzt habe ich es endlich gelesen und fand es ganz hervorragend. Es ist ein Sachbuch, erschienen 1987 bei rororo, und es liest sich recht angenehm. Die Autorin hat (natürlich) gründlich recherchiert und sich mit fünf Paaren und deren Beziehungen beschäftigt, den Anforderungen ihrer Epoche, den Überforderungen bei manchen und den Unterforderungen bei anderen, den Rollen von Mann und Frau und wie einige diese Rollen gesprengt haben.  Die Paare, um die es geht, sind Jane Welsh und Thomas Carlyle, Effie Gray und John Ruskin, Harriet Taylor und John Stuart Mill, Catherine Hogart und Charles Dickens, George Eliot und George Henry Lewes. Es macht nichts, wenn man noch nie etwas von den Einzelnen gelesen hat; die Autorin weist darauf hin, wenn die Werke der Autoren und Autorinnen im Einklang oder im Gegensatz zum jeweiligen Eheleben stehen. So z.B. bei Dickens, der in seinen frühen Romanen gern am Ende das glückliche Familienleben als Sinn und Zweck des Daseins darstellte, selbst jedoch sein Frau nach der Geburt des zehnten Kindes verließ. Midlife-Crisis, möchte man heute sagen, doch damals kannte man weder den Begriff noch den Zustand.

Zu den anderen Paaren in Kürze: Ein Mann hielt seine Frau für die Klügste auf der ganzen Welt und machte sich damit lächerlich; einer brachte seine Gattin nach etlichen Jahren erst dazu, ihn zu heiraten, und obwohl sie selbst eine begabte Schreiberin war, wurde es ihre Aufgabe, ihm den Rücken frei zu halten, damit er schreiben konnte; einer fand den Anblick seiner nackten Frau in der Hochzeitsnacht so entsetzlich, dass er nie Sex mit ihr hatte; ein Paar führte über Jahrzehnte eine platonische Beziehung, trotz ihrer Liebe, denn sie war verheiratet – es gab also eine Dreiecksbeziehung; und George Eliot schließlich lebte viele Jahre mit einem Mann wie in einer Ehe zusammen, obwohl er mit einer anderen Frau verheiratet war – eine Beziehung, die damals fast niemand verstehen oder akzeptieren konnte.

Bei so alten Büchern ist es zwar mit ein bisschen Suchen verbunden, wenn man sie auftreiben will, aber dieses Buch gibt es ohne Probleme im Online-Antiquariat zu finden. Ich empfehle es, weil es spannend zu lesen war und mir tiefe Einblicke in die Leben viktorianischer Schriftsteller/innen gab, die man so vermutlich sonst nirgends erhält.

Phyllis Rose: Parallele Leben – Fünf viktorianische Ehen. Rowohlt Taschenbuch Verlag 1987.

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