Facebook – das ewige Rätsel

Vor einiger Zeit habe ich schon einmal etwas dazu geschrieben, wie sich AutorInnen in den Social Media präsentieren können. Facebook war dabei auch ein Thema. Ich gebe zu, dass Facebook für mich ein ständiger Grund für Grübeleien ist, was hauptsächlich daran liegt, dass ich a) nicht so ganz draus schlau werde und b) ich einen Verstand habe, der ständig mit der Optimierung von Arbeitsabläufen beschäftigt ist, was bei Facebook aber auf geheimnisvolle Weise nicht möglich zu sein scheint. a) bedeutet übrigens nicht, dass ich nicht weiß, wie man Facebook bedient, sondern, dass es dort mysteriöse Abläufe im Hintergrund gibt, gesteuert von den Programmierern und der Geschäftsführung, die nicht für des normalen Users Einsicht gedacht sind. Was ich hier schreibe, sind also die Ergebnisse meiner Beobachtungen und Überlegungen. Andere Leute mögen zu anderen Folgerungen kommen.

Ich bin tatsächlich immer noch der Meinung, dass man als AutorIn eine Seite bei Facebook haben sollte. Wie viel man von sich preis gibt, bleibt einem ja selbst überlassen, und unbestritten ist, dass man über Facebook viele Möglichkeiten hat zur Beschaffung von Informationen, zum Beobachten der Konkurrenz und Aufbauen von Netzwerken. Hier muss man übrigens unterscheiden zwischen dem Facebook-Profil, das überwiegend privaten Zwecken dienen soll (jedenfalls so die Statuten), und der Fanseite, die fürs Professionelle dient.
Egal, wie oft ich mir schon überlegt habe, dass bei FB alles für die Katz‘ ist – ich komme immer wieder zu dem Schluss, dass es trotzdem blöd wäre, alles hinzuschmeißen. Es ist eben doch nicht alles für die Katz‘, aber FB macht es einem zunehmend schwer, irgendetwas zu erreichen. Dazu gleich mehr.
Als AutorIn sollte man deshalb nicht auf eine Facebook-Nutzung verzichten, weil heutzutage es so absolut üblich ist, dort nach Informationen zu suchen. Wenn ich etwas über einen Promi wissen will, schaue ich, ob er bei FB ist. Oder eine Firma, ein Verlag, ein Buch etc. Ist jemand nicht auf Facebook, gibt mir das zu denken. Ganz unglücklich finde ich es, wenn Promis (meist ältere) vor den Kameras kundtun, dass sie nicht bei Facebook sind und das alles nicht verstehen. Natürlich hat nicht jeder Lust, sich damit zu beschäftigen, aber es gehört heutzutage zum Geschäft.
Und ich will noch nicht einmal sagen, dass Facebook das Nonplusultra ist. Ganz im Gegenteil. Es vergeht kein Tag, an dem ich mir nicht überlege, dort zu kündigen.

Wenn man als AutorIn bei Facebook ist, hat man schnell das Gefühl, dass die Welt nur noch aus AutorInnen besteht. Es ist einfach absolut unglaublich, wie viele Menschen sich als AutorIn bezeichnen und es womöglich auch sind (kann ich ja nicht nachprüfen). Das Ganze entwickelt eine Eigendynamik. Befreunde ich mich mit anderen AutorInnen, bin ich schnell in einem Kreislauf gefangen und es kommen immer mehr andere AutorInnen dazu. Manche sind an echtem Austausch interessiert, aber die meisten wollen nur, dass man ihre Bücher kauft und liest und am besten noch auf ihren Profilen davon schwärmt. Dazu kommt, dass Facebook einem Freundesvorschläge unterbreitet und auch die sind irgendwann nur noch aus der schreibenden Zunft. Ich kam an einen Punkt, wo meine Freundeskreis nur noch aus AutorInnen (= Konkurrenz!) bestand – eine echt deprimierende Erfahrung, noch dazu, wo ich doch dort war, um LeserInnen zu finden! Ich zog einen Schlussstrich, entfreundete ca. 1000 AutorInnen und beschloss, mein Profil nur noch privat zu nutzen und das Berufliche vorwiegend über meine Fanseite zu machen.

Am Anfang befreundete ich mich auch mit Verlagen und Lektoren. Ganz ehrlich – bringt überhaupt nichts. Die sind selbst nur daran interessiert, ihren Kram zu verkaufen. Vielleicht kann man hier und da aber etwas über eine Aktion aufschnappen, z.B. einen Schreibwettbewerb, eine Verlosung etc. Natürlich kann man sich dadurch über Verlage informieren, aber eigentlich kann man das auch, ohne mit ihnen auf FB befreundet zu sein. Kein Verlag wird ein Buch veröffentlichen, nur weil er mit dem Autor auf FB befreundet ist.

Die Fanseite – eine verzwickte Angelegenheit. Im Grunde eine gute Idee. Ich lege eine Seite an, auf der die anderen Fan werden können und somit über alles, was ich poste informiert werden. Ich schreibe dort über meine Arbeit, Recherchen, neue Bücher, Lesungen und andere Termine, poste Fotos und ab und zu auch mal etwas Privates. Es entsteht Kundenbindung oder sowas, meine Fans (ich rede eigentlich nicht gern von Fans, das ist ein Facebook-Ausdruck) sind immer up-to-date und können direkt in die Bücherläden rennen, wenn ein neues Werk von mir erscheint. Ach ja, das wäre schön …
Facebook hat anderes im Sinn. Sie sagen natürlich, dass über Facebook die Menschen vernetzt werden sollen, aber eigentlich geht es darum, Geld zu verdienen. Die Einnahmen aus den (peinlichen und qualitativ absolut minderwertigen Werbeanzeigen) genügen wohl nicht. FB möchte, dass man als Fanseiteninhaber dafür bezahlt, dass das, was man so schreibt, von mehr Leuten gelesen wird.
Wenn ich nun also eine Fanseite habe, die 300 Fans aufweist, und alles, was ich schreibe, wird diesen 300 Fans angezeigt – welche Motivation könnte ich haben, für dieses Geschreibsel Geld an FB abzuführen? Irgendwo gegen Null, wenn ich nicht eine große Firma mit einem ausgeprägten Werbeetat bin. Deshalb schafft FB eine künstliche Verknappung. Was ich poste (und das gilt für alle Seiten) wird nur noch einem kleinen Prozentsatz der Fans angezeigt. Es wird also hübsch zensiert – nicht inhaltlich, sondern mengenmäßig. Facebook tönt ja gern, dass es kostenlos bleiben wird, aber im Gegenzug schluckt es die Informationen, die die Fans erreichen sollen. Um das zu verdeutlichen, wird mir als Fanseiteninhaber bei jedem Posting (= Mitteilung) mit kleinen Statistiken dargestellt, wie wenige Menschen das jetzt gerade gelesen haben. Gern mal 3 oder 11 Personen (anonym) oder benannt als ominöse „Reichweite“ mit einer nebulösen Prozentzahl.
Übrigens erlaubt sich Facebook auch bei den Profilen schon lange, zu bewerten, was für die anderen sehenswert ist und was nicht.

Es ist so eine Art Mode geworden, die Fans der Seiten darauf hinzuweisen, dass sie die Mitteilungen der Seite nur regelmäßig sehen, wenn sie irgendwelche Einstellungen vornehmen und ganz oft „Gefällt mir“ klicken und Kommentare hinterlassen. Die Seitenbetreiber möchten das natürlich gern glauben. Aber meine Erfahrung ist, dass ich mich anstrengen kann, wie ich will – ich bekomme trotzdem nie alles angezeigt. Ich bin Fan von 134 Seiten und ich klicke oft „Gefällt mir“. Trotzdem erscheinen in meinem Feed die Neuigkeiten von höchstens 20 Seiten. Ab und zu suche ich die Seiten auf, die untergegangen sind, klicke wild meine Zustimmung, um die Seite damit wieder in meinen Newsfeed zu bugsieren – vergeblich. Es läuft nur noch darauf hinaus – ohne Moos nix los.

Das stellt mich natürlich noch mehr vor die Frage, warum ich überhaupt meine Facebook-Seite betreiben soll. Der Grund sind die 333 Fans, die ich derzeit habe, und die kleinen Highlights, die ich alle paar Monate mal erlebe. Es war ja auch Arbeit, so viele Fans zu finden – warum sie fallen lassen? Vielleicht geht ja irgendwann mal was. Im Grunde macht es mir Spaß, meine Seite bei FB zu pflegen – aber mit mehr Ressonanz wäre es eindeutig schöner.

Übrigens braucht man nicht zu denken, dass man bei Facebook nur ein Profil oder eine Fanseite anlegt, schon fluppt das und der Erfolg kommt von allein. Das fluppt nur, wenn man schon berühmt und erfolgreich ist. Dann macht man da eine Fanseite auf, sagt mal kurz in der Boulevardpresse Bescheid und schon hat man 10.000 Fans. Für alle anderen ist es einfach nur zähe, mühselige Arbeit, Fans zusammenzukratzen. Und wenn von 100 Fans dann tatsächlich mal einer ein Buch kauft, ist es schon gut gelaufen. Man darf nicht vergessen, dass man als AutorIn bei FB nur einer unter Tausenden ist. Es ist sehr, sehr schwer, sich von diesen anderen abzuheben. Man kann tolle Aktionen starten, um Leute anzulocken, – wie ein Auto verlosen z.B. oder eine Traumreise – aber wer hat das Geld …? Man kann Strategien entwickeln, wie man auf Facebook die richtigen Personen kontaktiert (sgn. Opinion Leaders, die gut verknüpft sind) und beeindruckt, wie man sich aus der Masse herausheben kann (durch ein tolles Alleinstellungsmerkmal) usw. Man kann jede Menge Arbeit und Zeit in dieses Konstrukt namens Facebook stecken, aber irgendwann muss man sich einfach fragen, wie die Kosten-Nutzen-Rechnung denn aussieht.
Auch ein Grund, warum ich so viel über Facebook nachdenke. Noch habe ich nicht herausgefunden, wie ich den ganz großen Coup landen könnte, aber ich bin sooo dicht davor! 😉

Mein Fazit: Facebook ist ein Moloch, der meine Zeit, Arbeit und Informationen verschlingt. Facebook macht auch Spaß, enttäuscht aber oft und bringt nicht halb so viel, wie ich mir erhoffte. Ich suche Alternativen (bisher nicht so gefunden) und nach der ultimativen Lösung des Problems (auch noch nicht gefunden). Es bleibt weiterhin in der Schwebe, überraschende Wendungen sind möglich.

P.S.: Alles geschrieben unter der Prämisse, dass FB kein Geld von mir erhalten hat oder jemals erhalten wird.

 

3 thoughts on “Facebook – das ewige Rätsel

  1. Auf Facebook habe ich auch einige Reaktionen auf den Artikel erhalten und weiß, es geht vielen so. Ich bin gespannt, welche Konsequenzen das langfristig für Facebook und die User haben wird. Ich sehe keine große Zukunft für FB, ich denke nach wie vor, dass sie sich mit diesen Maßnahmen ins Aus kicken werden.

  2. Vielen Dankf für diese interessanten und ausführlichen Infos. Ein Teil der erwähnten Missstände (Nicht-Anzeigen meiner wirklichen Liebenlingsartikel etc.) nervt mich ebenfalls schon lange, aber ich habe mich nie detailliert in die Materie eingelesen bzw. mich damit befasst. Dazu fehlt mir schlicht die Lust und die Zeit. LG

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