Indie Tonne – sind wir nicht alle irgendwie Indie?

Total in – Indie! Das ist ja inzwischen hipp wie nur irgendwas. Wer nicht Indie ist, ist irgendwie gar nichts. Angefangen von Indie-Musik zu Indie-Games, Indie-Zeitschriften, Indie-Verlagen und – natürlich – Indie-Autoren. Und dazwischen noch ganz viele andere Indies.

Indie ist die Kurzform von Independent, also unabhängig, und bezeichnet solche, die ihr eigenes Ding machen, jenseits von den „Großen“ der Branche. Eigentlich ist es so, dass man aus der Not eine Tugend macht – die Großen wollen einen nicht, also macht man es eben selbst.

Im Fall der Autoren läuft es so, dass sie keinen Verlag für ihre Werke finden. Aber inzwischen gibt es ja so viele Möglichkeiten zum Self-Publishing (Selbstverlag). Man wird also Indie. Am Anfang war das noch eine nebulöse Angelegenheit mit dem Hauch der Verzweiflung, aber inzwischen trägt man diese Plakette ja doch stolz vor sich her – ich bin Indie-Autor! Ich bin unabhängig von den geldgierigen Molochen und hab die Freiheit, alles selbst zu gestalten.

Die Indie-Kultur spaltet die Gemüter, hauptsächlich der Endverbraucher, hier: Leser. Die Indie-Autoren produzieren nämlich in aller Freiheit auch eine Menge Schrott und das stellt die Leser vor das Problem, dass sie immer öfter immer schlechteres Zeug lesen. Nicht, dass bei den Verlagen alles qualitativ hochwertig wäre, aber man kann sich doch meistens darauf verlassen, dass wenigstens die Rechtschreibung einigermaßen stimmt. In einer Indie-Welt, in der jeder für alles selbst verantwortlich ist, kann man eben auch die Aufsätze von Zehnjährigen als Buch herausbringen.

Auch ich mache Indie – teilweise. Einige meiner Bücher sind via Selfpublishing erschienen und es gibt tatsächlich Vorteile, die sich bei der Veröffentlichung in einem Verlag nicht bieten. Indie ist weder schlecht noch die neue Heilsbotschaft. Man muss es verstehen lernen und dann zielgerichtet anwenden, die Möglichkeiten nutzen und die Unmöglichkeiten kennen.

Allerdings ist aus Sicht des Indie-Autors das Konzept Indie-Verlag absurd. Die Verlagsfront ist eins, wenn sie mein Manuskript ablehnt, ob das nun ein großer oder kleiner Verlag ist, den niemand kennt. Und dann gibt es Indie-Verlage, die inzwischen so bekannt sind wie die großen. Sind das dann überhaupt noch Indie-Verlage? Je mehr Erfolg und je mehr Marktmacht und -möglichkeiten, desto weniger Indie! Womit ich bei der Frage wäre, ob Indie ein Synonym für Erfolglosigkeit ist …

Natürlich unterstützen wir Indie-Buchläden, lieben wehmütig die Indie-Lebensmittelgeschäfte (früher Tante-Emma-Laden), die es nicht mehr gibt, und wünschen uns den Indie-Bäcker mit seinem Indie-Brot herbei. Gehen wir noch zu einem Indie-Frisör oder schon zu einer Kette? Wann hat es sich ausge-Indiet? Mir wird das alles zu inflationär …

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