Anne Perry – A Christmas Homecoming/Die Weihnachtsleiche

PerryEine Theatertruppe ist zu Gast in einem englischen Herrenhaus, um Bram Stokers Dracula aufzuführen, als ein mysteriöser Fremder auftaucht. Ein Mord geschieht, während sich der Schnee meterhoch ums Haus türmt.

 

Inhalt:
Weihnachten mit einer Aufführung von Dracula zu begehen – das setzt sich Alice Netherbridge in den Kopf. Der Roman ist brandneu und sorgt in der Gesellschaft für Aufsehen. Alice beschließt, alle Rollen selbst zu verfassen. Zur glanzvollen Darbietung lädt ihr Vater Charles den bekannten Regisseur und Schauspieler Joshua Fielding mit dessen Truppe ein. An einem eisigen Wintertag erreichen Joshua, seine Frau Caroline und die anderen Darsteller Whitby, wo sie für einige Zeit wohnen sollen. Es dauert nicht lange, bis sich zwischen den Schauspielern und den Familienangehörigen erste Animositäten einstellen; heftiger Schneefall, der vermuten lässt, dass man für Tage im Haus festsitzen wird, verdüstert die Atmosphäre noch.

Bald wird offensichtlich, dass Alice‘ Vorlage den Ansprüchen der Theaterleute nicht genügt. Unzufriedenheit und Ratlosigkeit legt sich auf die Stimmung aller. Da taucht unerwartet ein mysteriöser, dunkler Fremder auf, der mitten im heftigsten Schneetreiben an die Tür klopft und um Einlass bittet. Unnatürlich blass ist er, mit markanten Wangenknochen, schwarzem Haar und dichten Augenbrauen. Mr. Ballin wird eingeladen, als Gast auf Whitby zu bleiben, und obwohl niemand etwas über ihn weiß und er selbst kaum etwas preis gibt, zeigt sich, dass er Einsichten in Bram Stokers Roman hat wie niemand sonst. Mit seiner Hilfe arbeiten Joshua und Alice gemeinsam an dem Skript, um es für die Theaterbühne tauglich zu machen.

Die Proben schreiten voran, bis eines späten Abends Caroline bei einem Rundgang über eine Leiche stolpert. Es ist der geheimnisvolle Mr. Ballin, ermordet. Die Polizei zu rufen, ist aufgrund des Schnees unmöglich; niemand im Haus möchte sich mit dem Gewaltverbrechen beschäftigen, und so bleibt Caroline nur eins übrig, um der ausbrechenden Hysterie ein Ende zu bereiten – sich selbst auf die Spurensuche zu machen.

 

Eindrücke:
A Christmas Homecoming
ist einer von mehreren in sich abgeschlossenen Weihnachtskrimis aus Anne Perrys Feder. Wie alle ihre Romane ist auch dieser exzellent geschrieben und recherchiert. Sie versteht es, auf unaufdringliche Art kleine, interessante Details der viktorianischen Ära in ihre Geschichten einfließen zu lassen, die das Gesamtbild so richtig lebendig und authentisch machen. Ich kenne einige Bücher aus den Krimireihen um Thomas Pitt und William Monk, wobei mir Monk immer der liebere war. Fans der Thomas-Pitt-Reihe werden sich sicher darüber freuen, dass die Erzählerin dieses Weihnachtskrimis, Caroline Fielding, Charlottes Mutter ist und damit die Schwiegermutter von Inspector Thomas Pitt, wie sie an einer Stelle erwähnt. Diese Tatsache ist wohl Motiv genug, sich auf die Suche nach dem Mörder zu begeben. Caroline ist hier in zweiter Ehe mit dem Schauspieler Joshua verheiratet.

Obwohl ich die Romane von Anne Perry in mancher Hinsicht bewundere, hatte ich meine Schwierigkeiten mit diesem. Die Idee, Dracula in die Geschichte einfließen zu lassen, ist an sich clever und vielversprechend. Passend zur geplanten Aufführung taucht Mr. Ballin auf, der schon durch seine äußere Erscheinung viel mit dem berühmten Vampir gemeinsam hat. So verwundert es nicht, dass nach seinem gewaltsamen Tod so mancher im Haus Whitby glaubt, dass er selbst ein Untoter sei, mit dessen neuerlichem Auftauchen man zu rechnen habe. Beim Lesen wird einem sehr deutlich, dass die Autorin sich intensiv mit Dracula beschäftigt hat, genauso wie mit den Erfordernissen und Umständen einer Theateraufführung zu viktorianischen Zeiten. Ja, man könnte diesen Roman schon fast als Sekundärliteratur zu Bram Stokers Werk empfehlen.

Das ist aber auch genau das, was mich gestört hat. Dracula und Theater – diese zwei Themen sind vorherrschend und für jemanden, der kein großes Interesse daran hegt, zu dominant. Um es kurz zu sagen – ich habe nicht alles nachvollziehen können und mich gelangweilt. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich Dracula noch nie gelesen, was ich inzwischen nachgeholt habe. Meine Empfehlung wäre daher, sich zuerst über den Inhalt und die Charaktere von Stokers Roman zu informieren, ehe man diesen Weihnachtskrimi liest. Das ist natürlich nicht unbedingt nötig, erleichtert die Lektüre jedoch.

 

Fazit:
Eingeschränkte Leseempfehlung. Für Anne-Perry- und Dracula-Fans sicher schöner Lesestoff, für alle anderen lohnt sich zuerst ein Blick in eine Leseprobe.

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