Alba, J. & Chorin, J. – Hosianna!

albaDer (fiktive) Papst Petrus II folgt kurz vor Weihnachten dem Hilfegesuch seiner beiden Schwestern, in deren Haus ein junger Priester verschwunden ist.

Inhalt:
(ausnahmsweise der Klappentext) Es weihnachtet in Rom. Der Geruch nach Zuckerwatte und Apfelsinen liegt in der Luft, Touristen und Einheimische freuen sich in seltener Einigkeit auf die besinnlichen Tage. Auch Papst Petrus II. würde sich jetzt gern der Planung des Festtagsmenüs widmen. Doch als Herrscher über die Weihnachtshauptstadt der Christenheit stehen ihm dieser Tage lauter Pflichttermine mit trockenen Keksen und noch trockeneren Kardinälen bevor. Für Abwechslung sorgen da die beiden Schwestern des Papstes. Samt Kater ziehen sie im Vatikan ein – sehr zum Leidwesen der strengen Haushälterin Schwester Immaculata, die nicht unbedingt ein Herz für Katzen hat. Die Damen sind sich sicher: im heimischen Palazzo geht es nicht mit rechten Dingen zu! Schließlich ist ihr Mitbewohner – ein junger, spanischer Priester – unter mysteriösen Umständen verschwunden. Irdisches Verbrechen oder übersinnlicher Spuk? Klar, dass da die päpstliche Spürnase gefragt ist!

Eindrücke:
Ich habe sehr lange überlegt, ob ich überhaupt etwas zu diesem Buch schreiben soll. Ich hab auch lange gebraucht, um es zu beenden, wobei ich nach dem ersten Drittel teilweise die Passagen nur noch überflogen habe. Ich werde den Roman aber doch rezensieren, zum einen, weil er gut geschrieben ist und zum anderen, weil ich bei amazon nur sehr gute Rezensionen dazu gefunden habe, die ich nicht teilen kann.

Obwohl ich sage, dass der Roman gut geschrieben ist, gefällt er mir nicht. Das muss ich natürlich näher erläutern. Mit gut geschrieben meine ich, dass Erzählweise, Stil, Formulierungen etc. kaum besser sein könnten. Die Autoren beherrschen dieses Handwerk ganz offensichtlich (und die Lektoren ebenfalls). Aber das allein macht natürlich keine Geschichte aus und meine Probleme beziehen sich auf den Inhalt. Die Handlung beginnt 16 Tage vor Weihnachten und endet am 6. Januar des nächsten Jahres. Es wird abwechselnd erzählt aus vier verschiedenen Perspektiven – der des Papstes, seiner Haushälterin, seines Privatsekretärs und seiner Pressesprecherin. Leider konnte ich mit keiner dieser Figuren etwas anfangen.

Der Papst scheint wenig Interesse an seinem Amt und seinen Aufgaben zu haben und kommt überhaupt nicht integer rüber. Er schwindelt, wenn es ihm gerade in den Kram passt, sein Glaube, falls er einen hat, scheint überhaupt keine Rolle zu spielen. Wer einen zweiten Pater Braun erwartet, wird enttäuscht sein. Die Haushälterin ist das bigotteste, verbitterste, neiderfüllteste, selbstgerechteste Wesen, das man sich überhaupt vorstellen kann. Warum sie im Vatikan arbeitet, ist mir ein Rätsel. Der Privatsekretär – selbst ein Priester – ist nur mit seiner entbrannten und unerfüllten Leidenschaft für die Pressesprecherin beschäftigt. Die Pressesprecherin wiederum – selbstverständlich die schönste Frau, die man in Rom finden kann – hat Gefühle für den Privatsekretär, die sie damit zu bekämpfen versucht, dass sie einem Betrüger auf den Leim geht.

Der Kriminalfall zieht sich sehr und weite Teile des Buches beschäftigen sich mit Rom und seinen Gegebenheiten, Palazzi, den Borgias, wie alles ausverkauft wird an Amerikaner und Russen, wie man Espresso richtig zubereitet und genießt etc. Ich denke, wer sich dafür interessiert, wird Gefallen an dem Roman finden, aber ich bin nun mal kein ausgesprochener Rom-Fan. Ich habe mich ziemlich gelangweilt, was ich sehr schade fand, denn von der Buchaufmachung und dem Klappentext her hatte ich angenommen, dass der Roman genau mein Fall wäre.

Fazit: Kann eigentlich nur gefallen, wenn man sich gern mit Rom beschäftigt und keinen Wert auf geistliche Integrität legt. Und damit meine ich nicht, dass Geistliche nicht menschlich sein dürfen, sondern, dass sie ihr Menschlichsein auch unter geistlichen Gesichtspunkten betrachten können sollten.

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