Der Autor jenseits von Wolke sieben

Ein Gastbeitrag meiner Kollegin Annette Schmitz – ein langgehegter Traum geht in Erfüllung: die erste Veröffentlichung. Und was kommt dann?

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Annette Schmitz

Verlagsvertrag unterschrieben, Ziel erreicht – und man lebt glücklich und zufrieden bis … und so weiter.

An dieser Stelle hören die meisten Berichte auf. War ja auch ein schwerer Weg bis dahin. Doch was passiert nach dem „Happy End“?

Warten. Die wichtigste Eigenschaft eines Autors ist eindeutig Geduld. Die Programmplanung eines Verlags kann das Erscheinen eines Buches sehr lange hinziehen. Zeit bekommt eine ganz neue Relation, man streicht im Kopf zuerst die Monate, schließlich die Tage ab.

Beste Gelegenheit, unwissenden Mitmenschen mitzuteilen, dass man ein Buch geschrieben hat, das in einem richtigen Verlag veröffentlicht wird. Einige werden dich beglückwünschen, manche meinen es sogar ehrlich, viele fallen tot vom Stuhl, andere sehen dich merkwürdig an. Übrigens werden die Reaktionen ähnlich ausfallen, wenn sie das Buch gelesen haben. Häufigste Sätze, die man zu hören bekommt: Wo nimmst du bloß die Ideen her? – Und: Ich könnte das nicht.

Während des Wartens auf DEN Moment der Veröffentlichung schreibt man wahrscheinlich am nächsten Projekt und entdeckt, dass man vielleicht doch nicht richtig schreiben kann und alles nur ein einmaliger Glücksfall war. Diese verdammten Zweifel hören nie auf. Ich fand das Warten auf die Zusage des zweiten Manuskripts sogar viel aufreibender als beim ersten.

Dann kommt vom Verlag das Cover, die Genre-Einteilung, der Klappentext. Man staunt, wie der Hase wirklich läuft und was Leser scheinbar lesen und sehen wollen. Dein Einfluss schwindet immer mehr, aber da man dankbar für die Chance ist, nickt man irgendwann alles ab. Der eine früher, der andere später. Begriffe wie Lektorat, Korrektorat und Druckfahne werden, wenn man sie erst einmal verstanden hat, so wichtig wie Kaffee, Benzinpreise und Regenwahrscheinlichkeit. Am besten, man kennt jemanden, der sich besser auskennt als man selbst. Einen anderen Autoren also. Wenn man Glück hat, findet man einen, der selbstlos seine Erfahrungen teilt.

Und endlich hält man sein Buch in Händen und platzt vor Stolz.

Doch schon geht´s weiter. Jeder Autor kennt den Amazon-Verkaufsrang. So etwas wie der tägliche Börsenbericht bei N24, wobei Amazon bestimmt bedeutend mehr Zuschauer hat. Man kann über Amazon denken was man will, aber das Unternehmen verkauft unsere Bücher und gibt uns aktuelle Rückmeldung, wie „gut“ wir sind. Bis ich dahinterkam, war eigentlich die aufregendste Zeit schon vorbei, als nämlich mein Buch noch stündlich im Rang stieg. Wenn das weniger wird – und das wird es in den meisten Fällen, schaut man auch seltener bei Amazon rein.

Womit man zur Frage kommt, warum das Buch sich nicht mehr so gut verkauft. Werbung. Ein weites, für die meisten ebenfalls unbekanntes Feld, und sehr lästig, wenn man es nicht so hat mit Selbstdarstellung. Manche Autoren sind echt gut darin und man bekommt den Eindruck, bei der vielen Arbeit und positiven Resonanz können deren Bücher einfach nur Bestseller werden.

Soziale Netzwerke, diese eingeschworene Gemeinschaft, scheinen unerlässlich – und Blogger, ein mir bis dahin völlig unbekannter Begriff, die Geheimwaffe jedes Autors.

Es kommt negative Kritik, mit der man erst mal umgehen lernen muss – und positive, die einen genauso aus der Fassung bringen kann. Manchmal ruht auch still der See.

So unterschiedlich Autoren sind, so unterschiedlich werden ihre Erfahrungen sein. Ich habe zwei Romane bei einem Kleinverlag veröffentlicht, zwei weitere werden im nächsten Jahr folgen. Ich befinde mich also gerade im nervenaufreibenden Warte-Modus. Natürlich schreibe ich an einem neuen Manuskript. Und mit dem wird die gleiche Runde wieder von vorn losgehen. Nur etwas weniger blauäugig.

Annette Schmitz, Autorin von „Gefährlich verliebt – Bin mal kurz die Welt retten“, Bookshouse, 2014

http://www.annette-schmitz.net

Annette und ich haben außer dem Schreiben und dem Verlag noch mehr gemein – wir lieben beide Jane Austen und den Film Pride & Prejudice (natürlich die BBC-Version mit Colin Firth! -There is no other!). Dass sie schon Mathematik unterrichtet hat, macht sie mir etwas suspekt. 😉 Das Fach Biologie wiederum verbindet uns. Aber warum sie wohl keine Bananen mag …?
In diesem Jahr ist ihr zweiter Roman Liebevolle Rache erschienen. Mehr über Annette findet man auf ihrer Webseite und auf ihrer Autorenseite beim bookshouse Verlag, wo es Leseproben in verschiedenen Formaten zum Download gibt

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Liebevolle Rache – Eine Gleichung mit zwei Unbekannten, Bookshouse, 2015

Hier geht’s zur Buchseite bei booskhouse

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