Geheiligt sei die Kreativität!

Ich befinde mich in einer Krise. Eigentlich ist es eine gute Krise und ich vermute, jeder, der kreativ tätig ist, befindet sich ebenfalls in einer ständigen Krisenstimmung, mal mehr, mal weniger. Die Krise gehört zum Job, zur Berufung und ist Teil der Arbeitsausrüstung. Es geht um Kreativität und um Originalität, aber ich werde versuchen, das in zwei Artikel aufzuspalten, damit es nicht zu viel wird. Es wird öfter von WIRED die Rede sein, einem Magazin, das ich mir kürzlich aus zwei Gründen kaufte; einer davon war das Thema Kreativität, mit dem ich mich gerade viel beschäftige. Auch, wenn ich allgemein eigentlich eher enttäuscht von WIRED bin, konnte ich den Beiträgen zum Titelthema der letzten Ausgabe ein paar interessante Dinge entnehmen.

Meine Krise befasst sich damit, wo ich hinsteuern soll. Manches von dem, was ich bisher veröffentlicht habe, findet kaum Beachtung. Ich habe das einige Jahre beobachtet, mir Gedanken gemacht (viele! ständig!) und bin nun endlich an einem Scheidepunkt meines Weges (klingt schicksalsschwanger, nicht wahr?). Ignoriere ich den Erfolg/Misserfolg und schreibe einfach weiter, was ich möchte – also vorrangig für mich; Ideen habe ich ja viele – …? Oder schlage ich einen neuen Kurs ein und wenn ja, welchen?

In WIRED (erste Erwähnung!) fand ich ein kleines Interview zur Kreativität (es ging auch darum, dass mit dem Internet und all seinen Möglichkeiten praktisch jeder irgendwie kreativ ist). Dort sagte der Interviewte etwa Folgendes: Viele machen den Fehler, das zu produzieren, was ihnen selbst gefällt. Man muss sich entscheiden: Entweder ist es einem wichtig, sich selbst auszudrücken, also KUNST zu schaffen. Oder man bedient ein Publikum – sucht sich eine Zielgruppe, erschafft etwas für deren Themen und macht es dann dort bekannt. Genau das ist natürlich die Krise, in der sich Kreative befinden – mache ich das, was sich verkauft, oder das, was mir wichtig ist? Beides geht nicht oder wie? Oder nur, wenn man ganz viel Glück hat?

Diese Frage ist wirklich nicht leicht zu beantworten, vielleicht sogar unmöglich. Natürlich will ich mit meinen Büchern Geld verdienen. Aber ich liebe auch meine Ideen! Für den Moment habe ich viele dieser Ideen allerdings auf Eis gelegt, bis ich weiß, ob ich sie noch einmal hervorhole, irgendwann. Andererseits, was nützen einem Ideen, wenn sie sonst keinen interessieren? Jedoch – will ich mich wirklich so abhängig von der Meinung der Öffentlichkeit machen? Wie gesagt, es ist ein ewiges Dilemma, nicht zu lösen. Mir bleibt nur eine Pendelbewegung – mal in die eine Richtung gehen und ausprobieren, wie es sich dort anfühlt; dann in die andere Richtung und die testen. Nebenbei erwäge ich, mit meinem restlichen Leben noch etwas ganz anderes anzufangen. Nach zehn Jahren Schriftstellerei könnte das reizvoll sein; ich hab schließlich viele Talente und Interessen. Aber auch in dieser Ecke komme ich gerade nicht weiter, weil ich mir nicht einig werden kann, was um alles in der Welt ich tun sollte. Wenn man daran gewöhnt ist, selbständig zu arbeiten und kreativ zu sein, was könnte man denn noch finden, das besser wäre? Aber zurück zur Kreativität …

In WIRED (zweite Erwähnung) gab es vier Tipps, um kreativer zu sein:

1. Bleib (länger) wach.
2. Schreib Telefonnummern ab. Die Langeweile lässt dich auf ganz neue Ideen kommen. 😉
3. Sorge für einen unordentlichen oder chaotischen Arbeitsplatz!
4. Geh herum. Beweg deine Beine, drinnen oder draußen.

Ob’s hilft, muss wohl jeder selbst entscheiden. Ich bin eine (natürliche) Nachteule und lange aufbleiben fällt mir leicht, aber wenn ich müde bin, ist absolut nichts drin mit Kreativsein. Punkt 2 habe ich noch nicht ausprobiert. Punkt 3 stimmt in Maßen – zu viel Chaos auf meinem Arbeitstisch lenkt mich nur ab, weil ich ständig denke, dass ich aufräumen müsste. Punkt 4 ist wahrscheinlich in jeder Lebenslage hilfreich.

Was ich allerdings zwei weiteren Artikeln in WIRED (und Nr. 3) entnehmen konnte: Ob Künstler oder Kreativer (falls es überhaupt einen relevanten Unterschied gibt) – für echte Inspiration braucht man Ruhe. Die Inspiration kommt von innen, nicht von außen. Zu viel Lärm, zu viele Eindrücke lenken nur ab. Ideen und Anregungen kommen natürlich auch von außen, im Vorbeigehen nimmt man die mit, aber verwerten und etwas daraus machen, das geschieht im Stillen. Zurückziehen, Ablenkungen abschalten, die einsame Hütte am See oder im Wald aufsuchen, sich um nichts mehr kümmern – das sind typische Künstlerbedürfnisse im Schaffensprozess. Völlig normal also.

Um noch zu sagen, um welche Biegung mein Schreibweg gerade führt: Krimis haben gerade eine Ruhephase – abgesehen von dem, was ich hier auf dem Blog mache (z.B. Krimi-Dinner) und bei den Krimi-Grazien. Ich widme mich derzeit den Liebenromanen und möchte mich außerdem an einem weiteren Genre versuchen. Witzigerweise hatte ich ganz früher die Vorstellung, dass ich Liebesromanautorin werden würde. Aber dann kamen mir die Krimis dazwischen und ich habe das zehn Jahre lang verfolgt. Jetzt, wie gesagt, brauche ich eine Besinnungspause, aber niemand weiß, was kommen wird, nicht einmal ich.
Alles ist möglich – wie immer, darauf läuft es einfach immer hinaus. 😉

 

 

4 Kommentare

  1. Liebe Simone,
    ich komme reichlich spät dazu, deinen Blogpost mit der Aufmerksamkeit zu lesen, den er verdient. Mittlerweile hoffe ich doch, dass du deinen Weg gefunden hast. Deine Zeilen kann ich sehr gut verstehen und den Frust, der dahintersteckt, sogar gut nachfühlen 😉 Ich bin ein praktisch veranlagter Mensch und verstehe, dass das Motto „ohne Moos, nix los“ schon so seine Berechtigung hat. Einfach nur zu schreiben, ohne auch nur andeutungsweise einen Erfolg damit zu verbuchen, frustriert auf langer Sicht ungemein… Vielleicht wäre es möglich, einen Mittelweg zu finden. Einiges zu „kreieren“, was sich verkauft, um dann das zu schreiben, was man mag? Ich schätze, ein Patentrezept gibt es dafür nicht, nicht wahr?
    Viele Grüße
    Maria

    1. Liebe Maria, entschuldige bitte die Verzögerung. WordPress hatte deine Kommentare als Spam aussortiert und ich hab es eben erst gemerkt. :-(Auf jeden Fall vielen Dank für deine Anmerkungen!
      Ich hoffe, was ich schrieb, kommt nicht nur als „Frust“ rüber, denn so war es gar nicht gemeint. Sicher ist das ein Thema, das mich schon lange beschäftigt und auch schon Gedanken an die Sinnlosigkeit des Ganzen hervorgerufen hat. Aber allgemein möchte ich es als Ambivalenz sehen, in der jeder Autor (und andere Kunstschaffende bzw. kreativ Tätige) steckt. Die ewige Frage nach Kunst oder Kommerz ist der Reibungspunkt, an dem wir uns abarbeiten und auf den wir immer wieder aufs Neue eine Antwort finden müssen. Wenn man nicht das große Glück hat, einfach das zu machen, was einem gefällt, und damit einen Hit zu landen, bleibt einem das Thema für lange Zeit erhalten und ist Teil des persönlichen Schaffens. Das ist wahrscheinlich auch gar nicht verkehrt, denn man ist gezwungen, sich Gedanken über sich selbst und das, was man wirklich will, zu machen. Es lebe die Selbstreflektion! 😉

  2. Liebe Simone, Publikum bedienen oder Kunst erschaffen … also Kommerz oder Zufriedenheit? Das Dilemma ist, ohne Zufriedenheit kein Erfolg, ohne Erfolg keine Motivation, ohne Motivation keine Zufriedenheit. Vielleicht muss ein Autor irgendwann eine Priorität für sich finden. Ich stelle eher den Kommerz zurück als die Freude am Schreiben.
    Guter und ehrlicher Bericht, hilfreich für wahrscheinlich die meisten Autoren … irgendwann. Lieben Gruß Annette

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