Büchermenschen, Buchideen und Buchhandelwandel

Buchläden sind der schönste Ort auf Erden. Und Buchhändler können so enttäuschend sein. Ein echter Zwiespalt. Und deshalb beginne ich heute eine Reihe über den Buchhandel.

Eine seltsamere Ware als Bücher gibt es wohl schwerlich in der Welt. Von Leuten gedruckt, die sie nicht verstehen, von Leuten verkauft, die sie nicht verstehen; gebunden, rezensiert und gelesen von Leuten, die sie nicht verstehen; und nun gar geschrieben von Leuten, die sie nicht verstehen. (Georg Christoph Lichtenberg)

Natürlich bin ich Autorin und keine Buchhändlerin. Aber als Leserin mit fast 50-jähriger Erfahrung, Eigentümerin einiger tausend Bücher und Schriftstellerin bin ich Teil dieses Literaturbetriebes und eins stößt mir immer wieder sauer auf: das Gejammer des Buchhandels. Seit Jahren wird geklagt, dass es böse Riesen im Web gibt, die den kleinen Läden die Kunden wegnehmen, dass die kleinen Läden mehr Unterstützung brauchen, dass die schrecklichen e-Books immer beliebter werden. Zeitweise gehen regelrechte Propagandawellen übers Web hinweg (was irgendwie ironisch ist), markige Sprüche sollen einen in die richtige Richtung manipulieren und als e-Book-Leser ist man ja sowieso Angehöriger einer unbeliebten Minderheit, die das echte Buch tötet. Und dann ständig solche Aussagen wie dass nur ein richtiges Buch gut riecht und die einzig wahre Haptik hat … Oder die Leute, die grundsätzlich nur gedruckte Bücher lesen und sich deshalb der Technik verweigern … Irgendwie vergleichbar der Veganer-Missionswelle, die man erdulden muss.

Also ja, das regt mich auf, und zwar, weil das alles total unnötig ist, und weil der Buchhandel im Gegenzug zu wenig bringt.
Unnötig ist das Jammern und Klagen, weil die Bereitschaft zur Unterstützung des herkömmlichen Buchhandles überwältigend ist. Als Mitglied des Literaturbetriebs kann ich versichern, dass dieser unendlich groß ist und ständig wächst. Jeder zweite (so fühlt es sich an) ist heutzutage Autor und/oder Buchblogger und alle lesen – lesen viel! – und schreiben darüber oder produzieren selbst Bücher, die sie verkaufen möchten (und zwar am liebsten wo? In der Buchhandlung in ihrem eigenen Wohnbereich!). Ich wage einfach mal zu behaupten, dass eine überwältigende Mehrheit dieser Gruppe ein Herz für kleine Buchhandlungen hat und diese untersützen möchte oder es schon längst tut. Die Umfrage, die ich neulich unter Buchbloggern gemacht habe, zeigte ganz eindeutig in diese Richtung. Dazu kommen noch all die LeserInnen, die nicht selbst schreiben oder bloggen und trotzdem Bücher kaufen und das auch gern in der Stammbuchhandlung.

Der Mangel im Buchhandel liegt darin, dass er seine Kunden davon abhält, ihn zu unterstützen. Konkrete Beispiele: Als Autorin hätte ich mir eine Kooperation mit einer Buchhandlung vor Ort gewünscht. Die stelle ich mir so vor: Dort werden meine Bücher ausgelegt und ich kann ab und zu mal eine Lesung machen. Dafür empfehle ich meinen LeserInnen diese Buchhandlung, mache die Lesungstermine publik, wodurch der Name der Buchhandlung bekannter wird, und wenn die technischen Voraussetzungen stimmen, könnte ich meine Bücher und Buchempfehlungen auf meinen diversen Webseiten und Blogs direkt zu der Buchhandlung verlinken.
Ich bin keine Ausnahme, was diese Wünsche angeht. Wenn man jetzt an die Zahl der AutorInnen denkt (wie Sand am Meer!), die alle irgendwo wohnen und Kontakte zum örtlichen Buchhandel suchen, kann man schon das ungeheure Potential erahnen, dass nur allein in einer kleinen Bereitwilligkeit der Buchhandlungen läge, sich auf die AutorInnen vor Ort einzulassen. Ich sage mal, was man stattdessen erfährt: auf Mails bekommt man keine Antwort, grundsätzlich  nicht; bei Anrufen und persönlichen Besuchen, bei denen man sein Buch vorstellen möchte, stößt man auf Desinteresser oder Arroganz; auf Vorschläge zur einer fruchtbaren Kooperation folgt nichts als Schweigen. Ich versichere euch: die Enttäuschung wiegt schwer, und das geht fast allen AutorInnen so. Das Web ist voll von solchen Erfahrungsberichten.
Die AutorInnen sind auch nicht die Einzigen, die das erleben. Auch BuchbloggerInnen, die größtenteils darauf brennen, dem Buchhändler um die Ecke etwas Gutes zu tun, erleben diese Verschlossenheit gegenüber neuen Ideen (um diese neuen Ideen soll es übrigens in meiner Reihe gehen). Nachzulesen beispielsweise im Blog Kielfeder im Artikel Blogger & Buchhandel – Liebe mit Hindernissen.

Glücklicherweise gibt es auch Ausnahmen – ausgerechnet die Buchhandelskette Thalia war bereit, in Mannheim meinen Mannheim-Krimi auszulegen. Und die Alpha-Buchhandlung in Mannheim hat auch schon einige meiner Bücher im Sortiment geführt, sogar Selfpublishingwerke. Aber inzwischen bin ich umgezogen und hier im neuen Bezirk hat sich leider nichts ergeben, außer dass ich wie gewohnt ignoriert wurde.

ABER die Reihe über den Buchhandel soll keineswegs nun selbst in Jammern und Klagen ausarten – ich habe das nur für den Anfang so detailliert ausgeführt, weil das die Gründe sind, weshalb mich das Thema immer wieder beschäftigt und warum ich finde, dass sich die Buchhändler lieber Gedanken über ihr Potential und neue Wege machen sollten, statt ihre Zeit mit Heulen und Zähneknirschen zu verschwenden. Und es gibt sie, die aufgeschlossenen, experimentierfreudigen, ideenverwirklichenden Buchhändler und Buchmenschen, die mich und viele, viele andere begeistern. Um sie soll es in den Interviews gehen, die in der nächsten Zeit auf diesem Blog erscheinen. Ich freue mich sehr auf diesen Austausch und auf die Ideen und Erfahrungen, von denen diese Büchermenschen berichten werden. 🙂

P.S.: Ich liebe Buchhandlungen!

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