Die Krimistube in Peine – Kriminalromane unter sich

KRIMIstube – dieser Name fällt einem Krimiliebhaber sofort auf und man denkt direkt an eine Krimibuchhandlung. Ist die KRIMIstube aber nicht. Die KRIMIstube hat ein ganz eigenes Konzept, irgendwo zwischen Buchladen und Bücherei, mit Krimi-Veranstaltungen, betrieben aus Liebhaberei und mit einem guten Zweck von einer Privatperson – Sabine Schymosch. Ewig schade, dass Peine so weit weg ist! Sonst wäre ich natürlich schon längst dort gewesen … Aber Sabine hat sich erfreulicherweise von mir ausführlich über die KRIMIstube ausfragen lassen. Sie hat ein Herz für Krimis und sich rund um das Thema Buch viel Spannendes überlegt.

Sabine Schymosch über die KRIMIstube in Peine

Liebe Sabine, herzlichen Dank, dass du dich zu diesem Interview bereiterklärt hast. Ich freue mich darauf, etwas mehr über die KRIMIstube zu erfahren. Das ist ja ein ganz spannendes Konzept, das du damit umgesetzt hast – du verleihst kostenlos Krimis aus deinem Privatbesitz an jeden, der sie lesen möchte. Welche Idee und Absicht stecken genau hinter der KRIMIstube?

Seit ich im  passiven Teil der  Arbeitszeit bin, habe ich für mich Beschäftigungen gesucht und gefunden: Schöffin beim Landgericht, Mitarbeiterin beim WEISSEN RING und eben die KRIMIstube. Ich habe bei uns in der Südstadt meine Mitarbeit beim „Runden Tisch“ angeboten und genau aus dieser Mitarbeit hat sich die KRIMIstube entwickelt. Die Südstadt von Peine ist eigentlich ein Arbeiterviertel, weil viele Männer bei unserem Walzwerk gearbeitet haben. Durchaus eine Viertel mit Geschichte. Nun hat sich durch den“ Runden Tisch“ im Jahr 2013 eine Stadtteilkonferenz ergeben, mit dem Ergebnis, dass viel Bewohner hier Geschäfte, Cafés oder Treffpunkte vermissen. Da meine Mutter ein leerstehendes Geschäft in einem Mehrfamilienhaus besitzt, kam mir die Idee, diesen Laden für o.g. Zwecke zu nutzen. Dieser Laden war ursprünglich der Verkaufsladen meiner Eltern, die eine Bäckerei betrieben, und wichtig: Meine Wohnung und die KRIMIstube sind lediglich durch einen Hof verbunden. Ich brauche nur 40 Schritte zu gehen.krimistube1

Die Idee mit der KRIMIstube ist mir beim Fernsehen gekommen: Wilsberg, Antiquariat, Bücher, kleiner Laden. So begann ich mit 265 eigenen Krimis, die Anzahl ist nun auf über 1500 Bücher gewachsen, die hauptsächlich aus Spenden resultieren.

Seit wann betreibst du die KRIMIstube und wie war die Entwicklung in dieser Zeit? Wie wird dein Angebot angenommen?

Im November 2013 habe ich erstmals die Türen geöffnet. Bekanntgabe der Öffnungszeiten auch über Presse, später dann Facebook und Homepage. Mein Motto lautet: stöbern, schnacken, schmökern. Ich habe meine festen Stammkunden, die sich Bücher ausleihen, manchmal kommen neue Leute dazu. Nach meinem Geschmack könnten es mehr Ausleiher sein. Einige kommen nur zum Reden für eine halbe Stunde in die KRIMIstube. Das Angebot habe ich ausgeweitet mit Lesungen und Krimispielabenden. Die Lesungen in der KRIMIstube bzw. auch an anderen Orten werden sehr gut angenommen. Mittlerweile melden sich bei mir Autoren, um eine Lesung halten zu dürfen. Eine feste Ermittlergruppe trifft sich 4 – 5 Mal im Jahr, um den Mörder zu finden. Es gibt auch einen Krimilesekreis, der sich monatlich in der KRIMIstube trifft. Zurzeit allerdings wegen der Straßensanierung ausgesetzt.

Hast du einen beruflichen Hintergrund, der dich in diese Richtung gehen ließ?

Nein, überhaupt nicht. Ich habe in der Führungsebene bei der Sparkasse gearbeitet.

Auf deiner Webseite kann man eine Liste mit allen vorhandenen Krimititeln einsehen – 1549 Bücher; dazu gibt es noch 135 Hörbücher. Stößt du damit schon an die räumlichen Grenzen deines Ladens?

Ja, so langsam wird es eng. Ich muss unbedingt umstrukturieren und Platz schaffen.

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Wie sieht es sonst mit der Literatur aus in Peine? Gibt es eine Bücherei? Buchläden? Wie ist dein Verhältnis zu diesen? Eigentlich könnte ja man sagen, du bist direkt in Konkurrenz zu den Buchverleihern und -verkäufern  – oder wo siehst du dich in diesem Gefüge?

Es gibt 3 Buchläden (Thalia, Weltbild und ein inhabergeführtes Unternehmen), eine gut sortierte Stadtbücherei und einen An-und Verkaufsladen mit Büchern eines Vereins. Ich sehe mich nicht in Konkurrenz zum Buchhandel; ich verkaufe keine Bücher.

Du verkaufst zwar nicht, aber man könnte sagen, dass die Leute, die bei dir leihen, nicht in die Bücherei gehen und auch nicht kaufen. Deshalb die Frage nach der Konkurrenz. Oder hast du einen regen Austausch mit Buchhandel und Bücherei?

Doch, die gehen auch in Büchereien und kaufen im Buchhandel, bis auf eine Person. Ich habe keinen Austausch mit dem Buchhandel bzw. Büchereien.

Um beim Buchhandel zu bleiben – von allen Seiten hört man, dass es zunehmend schwierig wird, bei aller Online-Konkurrenz und aussterbenden Innenstädten kleine Läden weiterzuführen. Was meinst du, gibt es etwas, das die Buchhändler von dir lernen oder übernehmen könnten?

Ich denke, nur Bücher zu verkaufen wird nicht reichen. Mittlerweile bietet der Buchhandel auch Geschenkartikel an. Aber man muss die Leser erst einmal in den Laden bekommen, da braucht es schon ein wenig mehr Angebot. Ein Angebot, wie ich es zusätzlich biete, also Leserkreis, Krimispiele (mit oder ohne Essen) könnte ein Weg sein. Warum nicht ein Krimispiel anbieten  zu der Zeit , wo überall von Firmen oder Gruppen Weihnachtsfeiern stattfinden? Das Spiel „Stadt, Land, Mord“ oder so ähnlich macht Spaß, ist lustig und kann ohne Vorkenntnisse von jedem gespielt werden.

Im Zuge des Vertriebes unseres Peine-Krimis haben wir einen „Autorenplausch“ in einer Buchhandlung veranstaltet. Kunden konnten uns Fragen stellen und wir haben gleich vor Ort signiert. Das kam gut an. (Wir haben allerdings auch gute Verkäufer in unserer Gruppe.) 20 Bücher in 2 Stunden!! Unser Krimi-Dinner in einer Gastwirtschaft mit mörderischem 5-Gang Menue inkl. menuebegleitender Lesung kam gut an. Mehr Nachfrage als vorhandene Plätze. Ich denke, heutzutage wollen die Leute eine andere Art von Unterhaltung + Genuss.Beides konnten wir bieten. Und Bücher haben wir auch verkauft. Das kann m.E. auch eine Buchhandlung veranstalten. Die müssen neue Wege gehen.

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Bei KRIMIstube denke ich automatisch an eine Krimi-Buchhandlung. Wenn ich mir das gesamtdeutsche Angebot anschaue, gibt es nicht gerade viele Krimi-Buchhandlungen, was ich sehr schade finde. Vor dem Hintergrund deiner Erfahrungen mit KrimileserInnen – was hältst du vom Konzept der Krimi-Buchhandlung? Scheint dir das ein lohnender Weg oder doch zu spezialisiert?

Auf Anhieb fallen mir sofort 2 Krimibuchhandlungen ein: Miss Marple in Berlin und Tatort Taraxacum in Leer, wobei hier eine Restauration dabei ist. Aber ob diese Buchhandlungen genug Ertrag erwirtschaften … Keine Ahnung.

Zur praktischen Seite: Wie oft kommt es vor, dass Medien bei dir ausgeliehen und nicht zurückgegeben werden? Hast du eine Methode, um das zu verhindern?

Es ist einmal vorgekommen. Aber ich wusste schon bei der Abgabe, dass ich die Bücher nie wieder sehen werde. Demnächst verschicke ich Postkarten.

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Wie stellst du dir die Zukunft deiner KRIMIstube vor? Welche Ideen würdest du gern noch umsetzen – bald oder auch erst in ein paar Jahren?

Mein Traum: ein Krimicafé … Aber auch unser Peine-Krimi-Buchprojekt ist eine Erfahrung gewesen. Das Schreiben der Krimis mit 11 Autoren, die entsprechenden Lesungen dazu und der Vertrieb der Bücher war und ist eine Herausforderung. (Link nur über Facebook: Peine-stahlhart und totsicher)

Macht es dir eigentlich etwas aus, deine Bücher in so viele fremde Hände zu geben? Wir Buchbesitzer sind da ja oft ein bisschen empfindlich … 😉

Nein, kein Problem damit.

Hast du den Ehrgeiz, irgendwann Deutschlands umfangreichste Krimisammlung zu bieten?

Nein, ich werde Ralf Kramp nicht mehr überholen können.

Herzlichen Dank für dieses Interview! Auf der Webseite der KRIMIstube ist nachzulesen, wo man sie findet und wann geöffnet ist.

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