Jane Haddam – Weihnachtlich glänzet der Wald

weihnachtlichWeil ich in den letzten Wochen nur englische Weihnachtskrimis vorgestellt habe, habe ich einen alten Schinken aus dem Regal gezogen und noch einmal gelesen. Das geht ganz gut, weil ich fast grundsätzlich vergesse, wer der Mörder war, und die Geschichte immer wieder neu erlebe. In diesem Fall war das ein Weihnachtskrimi aus dem Hause Econ von 1990. Das Achtzigerjahre-Flair haucht denn auch überall aus den Seiten heraus, was ich angenehm nostalgisch fand. 🙂

Der Krimi gehört (mal wieder) zu einer Reihe (die ich nicht kenne und die man auch nicht kennen muss) und trägt als Untertitel Ein Gregor-Demarkian-Krimi. Gregor kehrt nach dem Tod seiner Frau in seine frühere Stadt in sein altes Viertel zurück und damit auch in eine armenische Gemeinschaft mitten in den USA. Eins der Merkmale dieser armenischen Gemeinde ist, dass so ziemlich alle Anteil an allem nehmen; darüberhinaus erklärt und beschreibt die Autorin so einiges, was wohl typisch für armenischstämmige Amerikaner ist (oder vielleicht eher war). Ich fand das interessant – es gehört zum Krimi, zur Reihe und eben speziell zu Gregor, der übrigens ein ehemaliger FBI-Ermittler ist, der nach dem Tod seiner Frau in Rente ging. Ganz allmählich taucht er aus seiner tiefen Trauer auf und merkt, dass ihm zunehmend langweilig wird.

Vielleicht lässt er sich deshalb auf einen Auftrag ein – oder eher eine Bitte -, einem sehr reichen Mann einen Besuch abzustatten, ohne zu wissen, worum es geht. Gregor trifft den Mann nicht mehr lebend an, denn der wird noch am selben Tag umgebracht. Wo Gregor schon mal da ist, lässt er sich auch in die Sache verwickeln. Mord um Mord geschieht, und jeder betrifft wieder ein Familienmitglied (es ist eine große Familie mit sieben erwachsenen Kindern). Es scheint für niemanden eine gute Idee gewesen zu sein, sich zum Weihnachtsfest zu versammeln. Die Mordserie und die Ermittlungen dauern bis nach den Feiertagen an und mit knapper Not kann der letzte Mord von Gregor verhindert werden. Erst gegen Ende ahnte ich, was das Motiv sein könnte; die Autorin weiß es geschickt zu verbergen, selbst ihre Ermittler tappen lange im Dunkeln.

Der Weihnachtsfaktor
Weihnachten kommt und geht und bringt außer ein paar unaufmerksamen Geschenken nur ein paar Leichen. Zu jedem Mord scheint das Wetter schlechter zu werden und das Einzige, das wirklich weihnachtlich scheint, ist der omnipräsente Schmuck aus Zinn. Er ist in allen Formen überall im Haus verteilt, die Menschen schmücken sich damit und ich hatte eigentlich die ganze Zeit Probleme, ihn mir vorzustellen. Deko aus Zinn kommt in meinem Dunstkreis nie vor. Allerdings spielt er bei den Morden eine Rolle, wie sich am Schluss herausstellt. Wer das Buch lesen möchte, kann also sein Augenmerk auf die Zinngegenstände richten und versuchen, aus ihnen etwas herauszulesen. 😉

Was aus ihr herausfiel, war eine winzige Plastikflasche, in der einmal Aspirin gewesen war – und was herausfiel, war zu Pulver zerriebenes Demerol, das auf das Tischtuch rieselte wie feinkörniger Schnee auf ein pastellfarbenes Gartenregal.

 

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