Autor

Interview mit einem Schriftsteller

Ich bleibe noch einmal bei dem Thema Autoren und was sie von sich geben. Auf der Seite The Reading Room gibt es eine Zusammenstellung von sieben Interviews mit berühmten AutorInnen wie J.K.Rowling (ehe der Rummel um Harry Potter begann), Scott F. Fitzgerald oder Harper Lee. Interessant machen den Artikel vor allem auch die Kommentare zu den einzelnen Interviews, die mehr zu den Umständen verraten, unter denen die jeweiligen Schriftsteller sich äußerten – vor oder nach einem durchschlagenden Erfolg, mitten in einer tiefen, dunklen Phase, oder auch als einziges Interview in ihrem ganzen Leben. Manche sind zum Nachlesen, andere zum Anschauen – alle sind in Englisch.

When we learn about an author, we understand more about his or her work. That’s why readers can’t get enough of literary interviews! (The Reading Room)

5 Fragen und Antworten – was Leser von Autoren in den sozialen Medien wissen möchten

Es wird spannend! Und erhellend. Nach meinem letzten Blog-Artikel zum Thema Autoren in den sozialen Medien, der bei mir einige Fragen aufgeworfen hat, habe ich mich an diejenigen gewandt, die die Antworten geben können. Ich habe acht Buch-affinen Menschen, die ich persönlich oder über das Internet kenne und von denen ich weiß, dass sie in den sozialen Medien rührig sind, fünf Fragen gestellt. Meine Interviewpartner kommen aus dem Buchhandel, betreiben Bücherblogs oder andere Literaturseiten und sind alle Vielleser und lieben Bücher (und Autoren? 😉 ).

Die Fragen

  1. Nach welchen Kriterien wählst du aus, mit welchen Autoren du in Kontakt trittst? (Der erste Schritt: in sozialen Medien suchen, befreunden, Fan werden, folgen etc.)
  2. Was möchtest du prinzipiell von Autoren wissen (unabhängig von den sozialen Medien – früher erfuhr man z.B. nur das, was auf dem Buchrücken oder im Innenteil stand, oder man sah mal ein Foto)
  3. Was möchtest du von Autoren in den sozialen Medien erfahren? Gibt es da einen Unterschied, um welche Plattform es sich handelt?
  4. Was langweilt, nervt, ärgert dich, was Autoren gern posten?
  5. Gibt es Autoren, die für dich ein positives Beispiel für gelungene social-media-Kommunikation sind?

Die Antworten haben mich überrascht. Klar, es gibt gegensätzliche Meinungen, aber überwiegend ist die Einstellung zu dem, was Autoren so von sich geben, ganz schön positiv. In manchen Punkten sind sich alle einig, in anderen ist die Bandbreite groß. Ich habe die Antworten jeweils zusammengefasst.

Die Antworten

1. Bei der ersten Kontaktaufnahme spielt das jeweilige Buch eine große Rolle. Wenn das Werk positiv aufgefallen ist – oder auch nur eine Leseprobe davon, eine  Buchbesprechung etc. bzw. der Autor bei einer Lesung – kann es sein, dass sich der Leser über den Autoren weiter informieren möchte und ihn im Web sucht. Ob es hier zu einer aktiven „Beziehung“ kommt (also eine Freundschaft oder ein „Gefällt mir“ auf einer Seite) hängt anschließend sehr davon ab, wie sympathisch der Autor dem Leser ist oder wie produktiv der Kontakt eingeschätzt wird. Gerade die Buchblogger bekommen oft sehr viele Freundschafts-Anfragen von Autoren und sind in der Regel auch offen dafür, diese anzunehmen. Hier kann es aber auch zum gegenteiligen Effekt kommen – überschüttet von zu vielen Anfragen von Autoren nimmt mancher kaum noch welche an (was dann aber auch am Inhalt der einzelnen Postings liegt, mit denen man so im Lauf der Jahre Erfahrungen gesammelt hat).

2. Ganz oben auf der Liste stehen (einmalige) Infos zu Neuerscheinungen und zum Entstehungsprozess der Bücher, Hintergründen zum Werk, Infos zur Recherche oder zur Rezeption des Buches. Für relativ viele ist es interessant, Privates über den Autoren zu erfahren, um ihn besser kennenzulernen, seine Persönlichkeit, seine Interessen, seinen eigenen Lesestoff oder wie er selbst zu seinem Werk und seinen Charakteren steht; für manche spielt das dagegen keine Rolle.
Nicht so interessant ist die immer wiederkehrende Frage, wie jemand zum Schreiben gekommen ist.

3. Facebook steht bei meinen Interviewpartnern ganz oben auf der Liste der genutzten social media, was vermutlich auch daran liegt, dass ich Leute gefragt habe, mit denen ich über FB in Kontakt stehe. 🙂 Einige nutzen ansonsten keine anderen Portale – FB wird als übersichtlich und ausreichend empfunden. Daneben ist Lovelybooks eine gefragte Community, vor allem, weil es hier Leserunden gibt, in denen man Buch und Autor sehr gut kennenlernen kann. Meist erwünscht sind die Punkte aus 2., manchmal ist das Interesse an privaten Infos nicht so groß.

4. Werbung, Werbung, Werbung. Eigenwerbung. Streuung von Werbung in zu vielen Gruppen. Infos zu Schreibfortschritten. Anpreisung von kommenden oder gelaufenen Lesungen. Zu viel Privates. Posten von Rätseln, Gewinnspielen und Lovelybooks-Aktionen. Jammern und Beschweren über negative Rezensionen. Leute, die sich Autor nennen, aber schrecklichen Schrott schreiben. Freundschaften suchen, nur um Käufer zu finden. (Das ist eine Auflistung der erwähnten Dinge, ungefähr nach Gewichtung, also das Unerfreulichste an erster Stelle; nicht alle haben alles genannt).
Mit der Leser-Autor-Beziehung ist es ein bisschen wie bei einem Flirt – zu viele Offenbarungen zerstören den Zauber, zu viel Nähe muss nicht sein, etwas Geheimnisvolles darf gern bewahrt werden.

5. Hier kam eine ganze Liste zusammen. Ich setze die alphabetisch sortierte Aufzählung an den Schluss des Artikels.

6. Zusatzfrage: Was möchtest du sonst noch zu dem Thema zu sagen?
Mehrfach bemängelt wurde die Existenz von regelrechten Autorengroupies, vor allem bei männlichen Autoren, die quasi den Boden unter seinen Füßen küssen und jedes Werk in den Himmel loben, auch mit übertrieben positiven Rezensionen. Möchte man das als Autor? Als Leser offenbar nicht. Die Frage ist natürlich, ob diese Groupies den Autoren einen guten Dienst erweisen. Oder auch, was man als Autor überhaupt dagegen tun könnte.
Es kam ebenfalls zur Sprache, wie gläsern oder authentisch ein Autor sein muss. Muss man alles über ihn erfahren und wie wichtig ist es, dass sein Erscheinungsbild zu seinem Genre passt? Was macht ihn authentisch? Was wirkt unecht? Sicherlich ein Punkt, über den man sich noch mal gesondert Gedanken machen kann …
Dass sich Autoren auch in Büchergruppen beteiligen, wurde von einer Person als positiv genannt. Wenn hier mal etwas Humorvolles rüberkommt, macht das sympathisch.

Ich freue mich über Kommentare und weitere Beiträge dazu! Lass mich wissen, was du dazu denkst.

Liste der in den sozialen Medien positiv aufgefallen Autoren

Ramona Ambs
Petra A. Bauer
Margot S. Baumann
Lilli Beck
Carla Berling
Rüdiger Bertram
Emily Bold
Michael Disseux
Horst Eckert
Edgar Franzmann
Kerstin Gier
Alban Nikolai Herbst
Andreas Izquierdo
Reinhard Jahn
Katrin Koppold
Inge Löhnig
Gina Mayer
Britta Orlowski
Ivy Paul
Frank Maria Reifenberg
Britta Sabbag
Martina Sahler
Petra Schier
Melisa Schwermer
Barbara van den Speulhof
Arthur Gordon Wolf

Die Moden des Schreibens

Erzählerspektiven

Wer hätte es gedacht – sogar das Schreiben unterliegt Modeströmungen. Vollkommen out – soweit ich weiß, war die letzte Hochsaison dafür in den 50er-Jahren – ist die Perspektive des allwissenden, beurteilenden (auktorialen) Erzählers. Der moderne Schriftsteller bedient sich einer personalen Erzählweise, d.h. er schildert das Geschehen aus dem Blickwinkel einer Figur, vorzugsweise der Hauptfigur. Damit kann man nette Sachen anstellen, z.B. Leser an der Nase herumführen, indem man ihnen vorgaukelt, ein Mensch erzählt, und am Schluss entpuppt sich der Protagonist als Katze. Oder eine Nebenfigur berichtet so gut wie nichts über sich, nur über die anderen Figuren, und am Ende stellt sich heraus, dass eben jener Erzähler der Mörder ist! Momentan ist es beliebt, aus der Sicht von Verstorbenen zu erzählen. Die Fortgeschrittenen (oder ambitionierten) Schriftsteller erzählen ihre Romane aus den Perspektiven mehrerer Figuren heraus, immer abwechselnd, und das kann schwierig werden, wie ich seit Lehrer sterben schöner selbst weiß – fünf Hauptfiguren und alle müssen zu Wort kommen.
Die personale Erzählperspektive birgt einige Tücken, die man spätestens kennenlernt, wenn die Lektorin zum wiederholten Mal neben den Text schreibt „falsche Perspektive“, „kann er nicht wissen“ usw.
Außerdem gibt es noch die Ich-Perspektive, in der der Erzähler in der Ich-Form schreibt (z.B. meine Penelope-Plank-Krimis). Die Ich-Perspektive ist eine absolute Geschmackssache. Bei Diskussionen dazu liest man sehr oft, dass LeserInnen es nicht mögen, wenn ein Buch in dieser Form geschrieben ist. Andere mögen es oder es ist ihnen egal. Ich lese solche Bücher sehr gern und ich schreibe auch immer wieder aus der Ich-Perspektive, allerdings finde ich, dass das sehr von der Geschichte abhängt, ob das passt oder nicht. Für mich macht es z.B. Sinn, wenn meine Figur sehr ausgeprägt ihre Gedanken und Meinungen kundtun soll; das geht mit einem Ich-Erzähler einfach besser.
Zur Vollständigkeit will ich auch noch die neutrale Erzählperspektive erwähnen, die aber (für mich) keine große Rolle spielt. Ich könnte mich an kein konkretes Buch in dieser Erzählweise erinnern. Neutral bedeutet, dass der Erzähler wie der allwissende über allem steht und alles sieht, aber lediglich neutral berichtet. Ich bin mir nicht sicher, ob der neutrale Erzähler nicht ähnlich wie der auktoriale auf dem absteigenden Ast sitzt.
Mehr zum Thema findet man bei Bücher-Wiki.

Ganz unten am Artikel noch zwei Fußnoten von mir zu diesem Thema. 🙂

Zeichensetzung

Nach allem, was ich so mitbekomme, soll man jetzt weniger Kommas machen. Spätestens seit der Rechtschreibreform sind ohnehin viele verwirrt, was die Kommaregeln angeht. Früher war das so schön einfach, da hat man ein Komma machen können, wenn es einen Sinn ergeben hat. Jetzt muss man Kommas weglassen, weil sie stören könnten, aber doch welche setzen, um dem Leser Verwirrung beim Lesen zu ersparen. Die Verlage haben da völlig unterschiedliche Hausregeln. Manche machen es so wie früher, andere möglichst sparsam. Da kann mal als Autor durchaus Probleme bekommen. Eins meiner letzten Manuskripte habe ich brav nach der neuen Rechtschreibung verfasst und an den Verlag geschickt. Ich bekam es vom Lektorat zurück mit etwa einer Million zusätzlicher Kommas – kommentarlos. Ich fing an, die überflüssigen Kommas zu löschen. Erst war ich mir gar nicht sicher, ob ich sie da hingesetzt hatte, aber nach und nach wurde mir klar, dass die nicht von mir stammten. Wieder hingeschickt und angemotzt worden, weil ich das ebenfalls kommentarlos zurückgeändert hatte. Alle Kommas wurden wieder reingesetzt und mir ist schleierhaft, wieso ein Verlag, der seine Bücher nach der neuen Rechtschreibung gestaltet, an den alten Kommaregeln klebt.

Ganz vermeiden soll man das: ?! oder !? Sorry, aber darauf kann ich einfach nicht verzichten. Es gibt Sätze oder Aussagen, die nur mit !? den richtigen Effet bekommen. All die Jahre gab es !? und ?! und nun auf einmal soll es verpöhnt sein!? Also, ich weiß nicht …

Noch so eine Sache, die AutorInnen von heute tunlichst vermeiden sollten – den Doppelpunkt vor einer wörtlichen Rede. Beispiel: Erwin sagte: „Lass uns tanzen gehen.“ Das ist schon fast ein Tabu! Besser so: „Lass uns tanzen gehen“, schlug Erwin vor. Oder: Erwin überlegte lange, bevor er einen Vorstoß wagte. „Lass uns tanzen gehen.“ Oder: Grauen erfüllte Erwin. „Lass uns tanzen gehen.“ Seine Stimme zitterte hörbar.

Und die schickeren Anführungszeichen bei wörtlicher Rede sind natürlich >> und << (mit dem richtigen Programm sieht das besser aus als hier im Blog).

Wörter

Ganz besonders out sind angeblich Alliterationen. Wer will das bestimmen? Literaturwissenschaftler? Literaturkritiker? Das Institut für deutsche Sprache? Die vom Duden? Oder die, die nicht wissen, was eine Alliteration ist? Also, Alliteration = gleiche Anfangsbuchstaben. Müde Mücken. Wilde Weine. Konrad Klein. Simone Seel. Trübe Tassen taugen täglich. Nun will man nicht mehr, dass Charakter in Romanen z.B. solche Namen wie Bernd das Brot erhalten. Oder Boris Becker. Penelope Plank? Ich glaube, wenn Gott nicht wollte, dass wir Alliterationen verwenden, hätte er uns keine gegeben. 😉 Immerhin sind das unsere modernen Zaubersprüche – Milch macht müde Männer munter. Oder Reime: Morgenstund hat Gold im Mund (nicht, dass es stimmen würde -bei Sprüchlein dieser Art geht es oft nur um Manipulation). Zaubersprüche deshalb, weil wir sie uns merken können aufgrund ihrer klanglichen Besonderheit. Und ebenso ist eine Alliteration im Namen einer Figur ein exzellentes Stilmittel, um vielleicht ihr besonders pedantisches oder albernes Wesen hervorzuheben. Oder einfach deshalb, weil viele Eltern ihren Kindern tatsächlich Vornamen geben, die denselben Anfangsbuchstaben wie ihre Nachnamen aufweisen – aus dem Leben gegriffen sozusagen.
Es gibt da ja noch etliche andere sehr interessante Fachausdrücke für klangliche Stilmittel, einer davon ist Homoioteleuton. Das kann man kaum aussprechen und ich musste es selbst nachschlagen. Das hier mag ich: Keine Erkenntnis haben, die sich abschleppen mit den Klötzen ihrer Götzen und zu einem Gott flehen, der nicht helfen kann. (Jes. 45, 20) So ähnlich wie ein Reim, aber nicht direkt am Zeilenende oder in einem spezifischen Rhythmus, wie in einem Gedicht. Bei Wikipedia gibt es dazu diesen Beispielsatz von Heinz Erhardt: fade Made ohne Gnade.

Inhalt

Ach ja, also das ist natürlich klar, dass sich die thematischen Vorlieben der Leserschaft verändern. Sehr lange waren Regionalkrimis der Renner, auch noch, als der Buchhandel schon jahrelang prognostiziert hatte, dass der Hype bald aufhört, und ich glaube, sie sind immer noch nicht richtig out. Was immer noch sehr gut läuft, sind historische Romane oder auch Sehnsuchtsromane, also vorzugsweise Liebesgeschichten, die an exotischen Orten spielen (nicht gerade Mannheim oder Köln, eher die Malediven oder Südafrika). Vampirromane erlebten einen unglaublichen Boom. Die gab es ja schon lange, aber nach dem Erfolg der Twilight-Reihe von Stephenie Meyer schossen sie wie Pilze aus dem Boden. Tiere in Hauptrollen, vor allem bei Krimis waren eine Zeitlang angesagt – man denke nur an die ermittelnden Katzen von Rita Mae Brown oder Glenkill von Leonie Swann.
Welche Themen demnächst einen Boom erleben – das weiß keiner, auch nicht die Verlage oder Literaturagenten. Das ist ein einziges Raten – genau wie die nächsten Lottozahlen hätte jeder gern diese Erkenntnis, der mit Büchern Geld verdienen will. Die Harry-Potter-Mania kam aus dem Nichts, unerwartet für Autorin und Verlag. Daran war eigentlich nichts wirklich neu – Geschichten über Zauberer und Hexen nicht, Internatsreihen nicht (eine alte Tradition in good old England) und was die diversen Wesen in den Büchern angeht, hat die Autorin nicht gerade das Rad neu erfunden (was ich gar nicht kritisieren will, denn alle Autoren, die Fantasy schreiben, bedienen sich gern der wohlbekannten mythischen Wesen).
Bei jüngeren Lesern scheinen derzeit Mysteryromane in zu sein, in denen es um unerklärliche Vorkommnisse wie Seelenwanderung (von einem Körper in einen anderen), Reinkarnation (gern von übernatürlichen Wesen in menschlicher Gestalt) und ähnlichem geht.
Eins läuft gerade wie sonst nichts: Erotikromane nach dem Prinzip ‚möglichst schmutzig, möglichst pervers, möglichst im Selbstversuch‘. Aber mal ehrlich, das ist doch nicht neu. ‚Sex sells‘ – das wissen die Werbefachleute schon sehr, sehr lange. Und die Kunstschaffenden auch. Neu ist am ehesten noch, dass die letzten Renner dieser Art von Frauen geschrieben wurden, aber das musste zwangsläufig so kommen, da inzwischen so viele, viele Frauen schreiben. Die Literatur ist schon lange nicht mehr eine Männderdomäne, wenn das auch noch nicht bis in alle Preisverleihungsgremien vorgedrungen ist, die vornehmlich aus Männer bestehen, die Männer küren.

Leser

In den letzten Jahren wird viel, viel mehr für Jugendliche und junge Erwachsene geschrieben als früher. Spätestens seit Harry Potter und Twilight ist den Verlagen und Autoren klar, dass Jugendliche lesen können (und wollen). Soweit ich das überblicken kann, hagelt es immer mehr Romane für Jugendliche und junge Erwachsene. Es entstanden sogar eigens für diese Zielgruppe neue Subgenres: Dystopie (das Gegenteil von einer Utopie, also statt einer heilen eine echt miese, finstere Zukunftswelt wie bei Die Tribute von Panem; eigentlich sogar eher ein Sub-Subgenre) oder YA (Young Adult, manchmal auch New Adult). Der Vorteil dieser Genres ist, dass sie auch von älteren Erwachsenen gelesen werden. Viele LeserInnen sind begeistert von dem jungen, frischen Stil in diesen Büchern, von mehr Action und weniger Geplapper in langen Landschaftsbeschreibungen.

Tja, und nun wünsche ich uns allen ein fröhliches Trendsetting. 🙂

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1) Übrigens unterliegt auch die Rolle des Erzählers durchaus philosophischen Aspekten. In der Literaturwissenschaft streitet man sich gern darüber, ob man vom Erzähler auf den Autoren schließen kann. Die einen sagen: ja, der Autor verrät immer etwas von sich in seinen Texten, ob er nun will oder nicht. Die anderen sagen: nein, man darf auf gar keinen Fall von einem Erzähler auf den Autor schließen. Letzteres macht Sinn, denn ich kann als Autor eine Figur erzählen lassen, die männlich ist, stiehlt und keine Zähne mehr hat, im 17. Jahrhundert lebt und behauptet, die Erde sei eine Scheibe. Es wäre doch verrückt, wenn man deshalb sagen wollte, der Autor glaubt, die Erde sei eine Scheibe! Ich könnte eine Figur auch politische oder religiöse Botschaften ausposaunen lassen, die nicht meinen eigenen Ansichten entsprechen. Andererseits kann ich mir nicht vorstellen, dass ein Mensch, der etwas schreibt, verhindern kann, etwas von sich preiszugeben. Das sind dann natürlich subtilere Dinge als plakative Meinungen und Überzeugungen. Ein Bereich der Kriminalermittlung ist beispielsweise das Erstellen eines Profils anhand eines (evtl. anonymen) Schreibens. Aber man darf nicht vergessen, dass der Erzählstil bewusst verändert werden kann, und sich nicht dazu hinreißen lassen, sich ein Bild vom Autor zu machen, das am Ende völlig falsch ist.

2) Besonders interessant in Hinsicht auf den Erzähler ist der Roman Wiedersehen in Howards End von E.M. Forster. Der Erzähler berichtet die Geschehnisse von seiner übergeordneten Warte aus (möglicherweise ein neutraler? Ich müsste es noch mal lesen, um das sagen zu können. Ich vermute aber eher, es ist ein allwissender Erzähler, allerdings gibt es da einen Haken …), der gesamte Roman ist also ganz und gar nicht in der Ich-Perspektive verfasst. Und dann, unvermutet, an einer einzigen kleinen, leicht zu überlesenden Stelle, wirft der Erzähler ein Ich ein, und nicht nur das, er ist auch ein weibliches Ich. Spannend, oder? Der Roman stammt aus dem Jahr 1910, sein Autor heißt Edward Morgan Forster – ein Mann. Inzwischen weiß man, dass er homosexuelle Neigungen hatte. Fühlte er sich aber auch weiblich? Nun, da sind wir wieder bei dem vorherigen Punkt – nie vom Erzähler zu viel auf den Autoren schließen. 😉