Liebe

Dornröschen vs. Die Schöne und das Biest

Die Schöne und das Biest ist eigentlich dasselbe wie Dornröschen, nur mit umgekehrter Rollenbesetzung. Die Parallelen sind wirklich auffällig, allerdings gibt es auch ein paar Unterschiede.

Dornröschen Die Schöne und das Biest
Location Verwunschenes Schloss Verwunschenes Schloss
Hauptfigur Verzauberte Prinzessin Verzauberter Prinz/Herr
Muss gerettet werden von Mann, vorzugsweise Prinz Frau, verarmte High Society
Kann nur gerettet werden durch Liebe Liebe

 

Opfer durch Schuld anderer Eigene Schuld
Schicksal Böser Fluch Böser Fluch
Dauer des Fluches Ewig lang Ewig lang
Wer ist betroffen Der ganze Hof Der ganze Hof
Was macht man in der Wartezeit? Schlafen Leiden und bereuen
Wo muss das Opfer gerettet werden? Bei sich zuhause Bei sich zuhause
Ist Selbsterlösung möglich? Nein Nein
Wie finden die Retter hin? Legende und Suche Unfreiwillig durch Zwang
Motivation des Retters Schönheit Selbstlosigkeit

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Gemeinsamkeiten

In beiden Geschichten werden die adeligen Opfer von einem bösen Fluch getroffen, der sie selbst und den ganzen Hofstaat betrifft. Beide sind mehr oder weniger zur Untätigkeit verdammt, können sich nicht selbst helfen, müssen zuhause auf Erlösung warten und können einzig durch Liebe gerettet werden. Beide leben zuvor glücklich und, während der Fluch auf unbestimmte Zeit (für die Opfer gefühlt ewig lang) andauert, in einem riesigen Schloss mit großem Anwesen, geschützt durch einen Haufen Rosen mit Dornen oder einen Zauber, der das Haus verbirgt. Es ist damit ziemlich ausgeschlossen, dass nicht berechtigte Personen überhaupt dorthin finden oder Zutritt erlangen können. Es braucht also eine/n Auserwählten zur Erlösung.

Unterschiede

Die signifikanten Unterschiede liegen im Geschlecht der Opfer, in der Schuld der Opfer und in der Motivation der Retter.

Geschlecht – klar, bei Dornröschen trifft der Fluch eine Frau, bei DSUDB einen Mann.

Motivation der Retter – während sich bei Dornröschen der Prinz von seiner oberflächlichen Sehnsucht nach Schönheit leiten lässt, handelt die Schöne doch eher uneigennützig, um den Vater zu retten. Dafür macht sich der Prinz freiwillig und sehr motiviert auf die Suche nach Dornröschen, die Schöne ist dagegen nur zwangsweise bei dem Biest. Tja, was ist wohl besser? Ich glaube, der Prinz hat das geringere Risiko; die Schöne hätte ein übles Leben, wenn sie sich nicht zufällig in das Biest verlieben würde … Aber natürlich wird der Prinz am Ende dadurch über jeden Zweifel erhoben, dass er Dornröschen nur durch wahrhaftige Liebe erlösen kann – seine zuvor minderwertigere Motivation wird spätestens in diesem Augenblick überwunden.

Schuld der Opfer und die Erlösung – meiner Meinung nach der interessanteste Punkt in den beiden Märchen. Dornröschen gerät ohne eigene Schuld in ihre missliche Lage, wie so viele Frauen in Märchen; sie bleiben einfach zuhause, harren brav aus in ihrem Schicksal und warten auf den Prinzen, der sie erlöst. Was natürlich auch geschieht. Ein Wunschtraum sehr vieler Frauen. Das Biest andererseits gerät in seinem Menschsein durch eigene Schuld (Arroganz, Verbohrtheit) in eine üble Lage und ist fortan dazu verflucht, als Bestie weiterzuexistieren. Auch er sitzt zuhause – vielleicht, weil er keine andere Wahl hat? – und hofft auf Erlösung durch die Liebe einer Frau.

Das Ungetüm Mann zu zähmen und zu retten, das ist ein Wunschtraum sowohl von Frauen als auch von Männern. Manche Männer nehmen sich selbst als verloren oder schlecht wahr und glauben, durch die Liebe einer Frau Besserung zu erfahren bzw. sich um ihretwillen bessern zu können. Manche Frauen wiederum suchen nach abweisenden oder ungehobelten Männern, weil sie in ihnen einen goldenen Kern vermuten, den nur sie allein zu finden in der Lage wären. Und vielleicht glauben sie auch, ihre Liebe wäre so stark, dass sie allen Widrigkeiten trotzen könnte.

Dornröschen vs. Die Schöne und das Biest

Beide Märchen entsprechen Wunschträumen, aber doch auf verschiedene Weise, obwohl sich die Märchen so ähnlich sind. Dornröschen spricht Frauen/Mädchen an, DSUDB dagegen Frauen und Männer. Obwohl – vielleicht ist es doch nicht ganz so eindeutig. Während viele Frauen darauf warten, von ihrem Prinzen gefunden und zu ihrer wahren Bestimmung geführt zu werden, möchten doch die Männer gern diese Prinzen sein.

Ach, das Leben ist verwirrend … 😉 Das größte Rätsel ist eigentlich, weshalb diese stereotypen Märchen in unserer Zeit immer noch so beliebt sind. Frauen müssen nicht mehr zuhause sitzen und auf Befreiung warten, und Männer können ihre Kräfte für ihre eigene Verbesserung verwenden. Offenbar können wir uns nur schwer von den Märchen lösen. Und was nach der jeweiligen Erlösung kommt, steht sowieso auf einem anderen Blatt, denn eigentlich ist das meiste eine große Illusion …

 

WW2 zieht nach

WW ist meine interne Abkürzung für die Western-Women-Reihe. Klingt ja immer ein bissch nach Weltkrieg … Na ja, ist es aber nicht. Hier kommt nun also auch das zweite neue Cover, dieses Mal für Ein Sommer in Montana.  Ein Roman, der mir sehr gut gefällt. Emma, die hin- und hergerissen ist zwischen zwei Männern, der Frage nach der Zukunft ihrer Farm, den Sorgen um ein aufgenommenes Mädchen und dem atemraubenden Showdown am Schluss. Hach ja … 😀 Schade, dass man jede Geschichte immer nur einmal schreiben kann.

WW2-klein