Literatur

Alles außer Alliterationen

Alliterationen sind schlechter Stil. Wer hat sich denn diesen Quatsch ausgedacht? Irgendein pseudointellektueller Wichtigtuer, der etwas erfinden wollte, das schlau klingt? Und warum, bitte schön, wird das immerzu nachgeplappert? Die Alliteration* ist so wichtig in unserer Sprache, dass kein vernünftiger Mensch jemals auf die Idee kommen könnte, auf sie verzichten zu wollen. Genauso gut könnte man behaupten, Reime seien schlechter Stil.

Liebe AutorInnen, ihr dürft nicht alles glauben, was ihr lest! Das, was euch ausmacht, ist euer einzigartiger, ganz persönlicher Stil, und wenn ihr Alliterationen liebt, verwendet sie! Reichlich und überall!

Warum sind Alliterationen gut und unverzichtbar? Alliterationen sind (genauso wie Reime) Zaubersprüche. Sie sind mehr als nur ihre Buchstaben, sie wirken. Alles, was mithilfe solcher Stilmittel ausgedrückt wird, prägt sich besser ein, bleibt haften, entfaltet sich im Kopf und Gefühl des Lesers/Hörers und nicht zuletzt sind sie ein fantastisches Instrument, um ungesagt Inhalte zu transportieren.

Beispiele gefällig? Milch macht müde Männer munter. Hokus pokus fidibus. World of Warcraft. Dick und Doof. … in Licht und Luft zerrinnen mir Lieb und Leid. (Hölderlin) Komm Kühle, komm küsse den Kummer, süß säuselnd von sinnender Stirn … (Brentano)
Liebe, Lust und Leidenschaft. Tempo Taschentuch. Land und Leute. Veni vidi vici. Lucky Luke. Marilyn Monroe. Donald Trump. Pat und Patachon. Wind unter den Weiden. Ginger Rogers.

*Alliteration = mehrere Wörter beginnen mit denselben Buchstaben (s. Titel) bzw. gleiche betonte (Stamm-)Silben