Mittelalter

Elben in der Pfalz – eine Theorie zu den Ilwedritschen

In Pfalz und Odenwald gibt es ein reiches Erbe an Sagen und Historie. Ursprünglich waren diese beiden Mittelgebirge eins und so teilen sie sich bis heute Geschichten, Mythen, bedeutungsvolle Gedenkstätten. Und auch Fabelwesen – die Ilwedritsche (andere Schreibweisen: Elwedritschte, Ilwetritschte, Elwetrischte). Das Zentrum der I.-Forschung liegt bekanntermaßen in Neustadt an der Weinstraße, Sichtungen und Bezüge finden vor allem in der Pfalz (Vorderpfalz) statt, aber sie erstrecken sich auch noch weit über die andere Rheinseite – laut Wikipedia im Großen und Ganzen über das Gebiet der historischen Kurpfalz.

Was ist ein Ilwedritsch? Ein kleines, scheues Wesen, das einem Vogel ähnelt, manchmal auch mit Hörnern. Die Darstellungen sind sehr variantenreich. Angeblich ist er entstanden aus einer Kreuzung zwischen einem Kobold/Elf und einem Huhn. Man hat ihm sogar den lateinischen namen bestia palatinensis gegeben (alles nachzulesen in erwähntem Wikipedia-Artikel). Um einen zu fangen, muss man nachts mit Sack und Knüppel in den Wald gehen und sich alle erdenkliche Mühe geben, denn leicht zu kriegen sind sie nicht. Es ist schwer festzustellen, wann die Legende um die Ilwdritsche entstand; sie muss schon sehr alt sein und war bereits im Mittelalter bekannt. Klar dürfte auf jeden Fall dies sein: Der Wortteil Ilwe/Elwe entspricht eindeutig Elbe/Elf. Die Bedeutung und Herkunft des zweiten Wortteils sind allerdings ungeklärt. Bis jetzt.

Beschäftigen wir uns zunächst mit den Elfen/Elben. Einige meiner Recherchen zu Elmstein und seiner Burgruine haben ergeben, dass Elmstein im Mittelalter gegründet wurde. Die Burg Elmstein trug ursprünglich den Namen Elbenstein und wurde vermutlich im 12. Jahrhundert erbaut. Hier gibt es also einen ganz klaren Bezug zu den Elben! Wir leben in einem Elbenzentrum! Was sind nun aber Elben/Elfen?

Elben sind keine Erfindung von J.R.R. Tolkien! Er hat sie aber einem breiten Publikum bekannt gemacht und heute gibt es eine richtiggehende Elbenkultur. Wobei Tolkien aus den Elfen allerdings große, unsterbliche, schöne Wesen gemacht hat; davor verstand man unter Elfen eher kleine oder sehr kleine Wesen. Die Elfenforschung geht davon aus, dass diese Wesen im Lauf der Jahrhunderte immer kleiner wurden. Wer sich näher damit beschäftigen möchte, dem empfehle ich die Bücher Feen und Elfen. Verzauberte Welten. (Time-Life Bücher) oder Das große Buch der Feen und Elfen von Andreas Gößling. Fürs Erste genügt es mir, darauf hinzuweisen, dass Elfen vor allem nachts im Wald gesichtet wurden/werden (man beachte die Parallele zum Ilwedritschefang).

Der Ursprung der Elfen liegt in der germanischen Mythologie (genannt Alben) – s. auch Wikipedia. Das Wort Albe könnte sowohl auf die Farbe Weiß zurückgehen (die Elfen werden oft als leuchtende Wesen geschildert) oder auf geschicktes Handwerk (Elfen sollen wie Zwerge auch gute Handwerker sein). Das Wort Alb wird immer noch in Albtraum/Alptraum verwendet (man stellte sich vor, dass ein Alb dem Menschen auf der Brust hockte und ihm schlechte Träume bescherte); bekannt ist der Zwerg Alberich aus der Nibelungensage (im Zusammenhang mit Gebirgen bedeutet Alb übrigens Gebirgsweide, z.B. Schwäbische Alb). Man könnte übrigens durchaus behaupten, dass Elfen und Zwerge im Grunde dasselbe sind oder doch sehr, sehr ähnlich. Das ursprüngliche nordische Wort für Zwerg scheint eine Sammelbezeichnung für Wesen zu sein, die in Höhlen oder unter der Erde leben, und Elfen und Zwerge haben so viele Gemeinsamkeiten, dass sie kaum auseinanderzuhalten sind (wenn man von unserer Vorstellung ihrer Äußerlichkeiten absieht).

Da hier einst germanisch besiedeltes Gebiet war, ist es nur natürlich, dass sich germanische Sagen genau wie Denkmäler bis heute erhalten haben. Gerade in Pfalz und Odenwald gibt es sehr viele Gedenkstätten, heilige Steine, Steinkreise und dergleichen, die man auch heute noch anschauen kann. So waren auch unsere Wälder einst besiedelt von Elfen, Zwergen und dergleichen. Eine mich faszinierende Vorstellung ist die vom Wechselbalg – ein menschlicher Säugling wird von Feen oder Zwergen entführt und gegen eins der ihren ausgetauscht, weil das Menschenkind so schön und unberührt ist. Das ausgetauschte ist dagegen immer angegriffen, kränklich, eingeschränkt, unansehnlich oder sogar tot.

Um zu den Ilwedritschen zurückzukommen – sicherlich geht ihr Ursprung ebenfalls bis in die Zeit vor dem Mittelalter zurück, vielleicht ebenfalls bis zu den Germanen. Bisher ungeklärt ist ja noch der zweite Wortteil -dritsche. Wir kennen das Wort triezen, das quälen, bestrafen bedeutet und zurückgeht auf den (im 16. Jh.) nautischen Begriff tritze, der eine Winde oder Rolle bezeichnet, denn auf Segelschiffen war es eine übliche Methode, Verurteilte an der Rahe (eine Querstange an einem Segelmast) hochzuziehen. Im Mittelhochdeutschen gibt es das Wort driezen bereits, in der Bedeutung drängen, treiben, drohen (s. Mittelhochdeutsches Taschenwörterbuch
von Matthias Lexer). Wer es ausführlicher nachlesen will, findet hier den Eintrag im Grimmschen Wörterbuch. Zumindest in unserem Sprachraum macht man gern aus s-artigen Lauten ein sch (z.B. machscht des für machst du das, loscht des für lass das, koschde für kosten usw.), und so ist es plausibel anzunehmen, dass -dritsche von driezen herrühren könnte.

Somit ergibt sich: Ilwedritsche = Elfen quälen. Damit wäre ich wieder beim Einfangen. Ich denke, der Ilwedritsche geht zurück auf das Bemühen, Elfen einzufangen, und diente als Köder. Man stattete einen Gegenstand – einen Stein, eine Wurzel, eine Rübe – mit Federn und Schnabel auffällig aus, in der Hoffnung, die neugierigen Elfen damit aus ihren Verstecken zu locken und sie dann fangen zu können und um dann – ja, was mit den Elfen zu tun? Wohl kaum etwas Gutes, wenn man die Wortbeziehung zu quälen bedenkt und das zwiegespaltene Verhältnis des Menschen zu Wesen wie Elfen und Kobolden, denen man eher Unheil andichtete als Wohlwollen den Menschen gegenüber.

Einladung ins Mittelalter

Vor langer, langer Zeit (zehn, zwölf Jahren) traten Fremde an mich heran mit der Bitte, eine Einladung für einen Mittelaltergeburtstag zu formulieren. Ich kann mich absolut nicht erinnern, wie die Leute auf mich kamen oder warum ich das tat, aber ich habe einen kleinen Text zusammengestellt. Dieser Tage musste ich auf einmal wieder daran denken und fand, er ist es wert, hier vorgestellt zu werden. Vielleicht kann ihn jemand gebrauchen. Die Worte in Klammern sind alternativ zu verwenden, bzw. „Strumpfhose“ dient der Erläuterung, was gemeint ist mit „langes beinkleid mit fuoz“.
Möge er euer Wohlgefallen finden!

hoeret, hoeret, ihr geste!

ihr seid gelâden zu dem hôhgezîte (fëste) des norbert. zu fëstivieren ist der (sîn) geburttac, der vierzigiste. es gibt vil der edelen spîse unt wîn der aller beste! der wirt unt sîn frouwe bitten um gewand vil rîche, als da sîn (seien): lange rock für die frouwen mit bluosen unt sandalen. für die herren langes beinkleid mit fuoz (nhd. Strumpfhose), dâ drauf lange hemde.

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9 Kurzkrimis zwischen skurril und todernst

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Der idyllisch grüne Odenwald mit seiner sanften Hügellandschaft und den zart dahingetupften Äckern ist nur auf den ersten Blick harmlos. Hier lauern Tod und Teufel und so mancher wird zum Mörder. Oder auch zum Odenwälder Bauernopfer …Warnhinweis: Wer den Odenwald betritt, sollte nicht zu tief graben!

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