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Ein Buch allein macht auch nicht glücklich

Teil 2 des Interviews mit Susanne Martin von Schiller Buch in Stuttgart. Im Laden und auf der Webseite, in den sozialen Medien – Susanne Martin und ihr Team haben viele großartige Ideen rund ums Buch und ein umfangreiches Serviceangebot. Sie hat mir bereitwillig davon erzählt.

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Susanne Martin über das Mehr beim Buchverkauf

Susanne, wenn ich mir deine Webseite mit all ihren Angeboten so ansehe, und natürlich dieses Interview, spüre ich eine große Leidenschaft für Bücher und deinen Buchladen bei dir. Das imponiert mir. Du hast im letzten Jahr sogar eine Auszeichnung erhalten, den Deutschen Buchhandlungspreis. Herzlichen Glückwunsch dazu! Dieser Preis ist noch sehr neu und wurde von der Regierung geschaffen. Glaubst du, er tut dem Buchhandel gut? Oder war vielleicht sogar längst überfällig?

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Dieser Preis tut dem Buchhandel auf jeden Fall sehr gut. Und zwar nicht nur wegen des Preisgeldes, das damit verbunden ist, sondern auch wegen der Anerkennung, die unsere Arbeit hier erfährt. Das ist mindestens genau so wichtig, kann ich aus meinem eigenen Erleben heraus sagen. Wenn dazu die Presse noch einsteigt (was sie nicht immer tut), können die Arbeit und das Engagement von inhabergeführten Buchhandlungen noch mehr ins Verbrauchergedächtnis gehoben und das Bewusstsein geschärft werden, wie wichtig der stationäre (Buch)Handel für Ortszentren ist.

Abgesehen von dem  E-Book-Angebot gibt es auf der Webseite der Schiller Buchhandlung noch ein paar andere ungewöhnliche Dinge zu finden. Da wäre z.B. ein Twitter-Feed (Einblendung von aktuellen Twitter-Meldungen). Wer kümmert sich bei euch um das Tweeten?

Das mache ich selber. I.d.R. twittere ich Buchtipps und verlinke auf die entsprechende Buchempfehlung auf unserer Webseite, aber ich retweete (= weiterleiten/wiederholen) auch interessante Artikel und lustige kleine Begebenheiten aus der Buchhandlung. Ich war eine der ersten twitternden Buchhändlerinnen, deshalb haben wir auch relativ viele Follower für eine Buchhandlung unserer Größenordnung.

Du hast sogar eigene Podcasts! Ist die Mehrzahl hier richtig? Welche sind das im Einzelnen? Und wie lange gibt es die schon?

Es ist nur ein Podcast „Neues aus der Welt der Bücher“ (http://schiller-buch.podspot.de/). Leider ruht der seit einiger Zeit, es bleibt einfach nicht mehr genug Zeit dafür. Ich habe von 2008 bis ungefähr 2012 regelmäßig Folgen hochgeladen, meist Gespräche mit Autorinnen und Autoren, die bei uns zu Lesungen waren, aber manchmal auch Buchempfehlungen und ähnliches. Leider fordert mich die Buchhandlung in den letzten Jahren zeitlich immer mehr, dazu kamen andere social-media-Aktivitäten, die auch Zeit kosten, deshalb ist das eingeschlafen.

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Buchgenuss nach Ladenschluss (http://www.schiller-buch.de/buchgenuss-nach-ladenschluss/ ) ist eine weitere Möglichkeit, den Buchladen zu nutzen. Wird das oft angefragt? Wie sind deine bisherigen Erfahrungen damit?

Das ist ganz unterschiedlich. Die meisten Buchgenüsse haben wir im Herbst und Winter, manchmal 2 oder 3 im Monat, dann ist wieder länger Pause. Unsere Erfahrungen sind grundsätzlich positiv: Sehr oft wird ein echter Zusatzumsatz erzielt, wenn Leute das buchen, die entweder gar nicht aus unserem Stadtteil sind oder wenn Kundinnen von uns Gäste mitbringen, die nicht aus Vaihingen oder gar Stuttgart sind. Natürlich gibt es manchmal auch Abende, an denen kaum etwas verkauft wird, aber das ist ja bei Büchertischen auch so. Die Leute finden es jedenfalls toll, am meisten beeindruckt sie das Vertrauen, das wir ihnen schenken.

Wandern mit der Schiller Buchhandlung  (http://wandern-mit-schiller-buch.tumblr.com/) ist noch so ein außergewöhnliches Angebot. Wie oft gibt es Wanderungen unter diesem Motto und wie kommen die Bücher dabei ins Spiel? Wo finden diese Wanderungen statt?

Das ist nur ein virtuelles Angebot! Einer unsere Schwerpunkte im Laden sind Reise- und Wanderführer. Mein Interesse bei allen unseren virtuellen Angeboten ist es, unsere Kompetenz aus dem Laden ins Netz zu transportieren. Deshalb gibt es auf unserer Webseite sehr viele persönliche Buchempfehlungen. Und da einige aus unserem Team auch gerne wandern, dachte ich mir, warum nicht einen kleinen Wanderblog aufsetzen, auf dem wir Wanderungen beschreiben und (natürlich!) die passenden Führer und Karten dazu empfehlen? Dieser Blog wird eher unregelmäßig gefüllt, wir twittern das und teilen es auf Facebook und weisen in unseren Newslettern darauf hin, wenn es neue Beiträge gibt.

Eine Kundenwanderung haben wir erst einmal gemacht, sie wurde geführt von einem Autor, der viele regionale Wanderführer geschrieben hat. Die Organisation einer solchen Wanderung ist schon recht aufwendig. Zudem sollte das ja auch immer irgendeinen Bezug zum Buch haben – schließlich ist das unser Kerngeschäft und es gibt ja genug Vereine, die Wandern als Hauptthema haben. Wir haben schon noch die eine oder andere Idee, aber wir müssen schauen, ob wir die Ressourcen haben, sie umzusetzen.

Neben all diesen Unternehmungen hast du auch noch spezielle Angebote für Schulen und Kindergärten, Firmen und Bibliotheken. Wie sehen die aus?schiller4

Das reicht von einem E-Procurementangebot  (elektronischer Einkauf über speziell eingerichtete Kanäle) für Firmen und Bibliotheken, monatlicher Sammelrechnung, individueller Anlieferung bis hin zu Lesekoffern für die Grundschulen, Führungen in der Buchhandlung oder Buchvorstellungsabenden in Kindergärten.

Kamen all diese Ideen von dir? Warten da vielleicht noch mehr Einfälle und Projekte auf ihre Umsetzung?

Viele ja, aber auch mein Team ist da sehr kreativ und aktiv. Zudem stehen wir im Austausch mit KollegInnen aus anderen Buchhandlungen. Ideen hätte ich schon noch, aber ich habe es oben schon angesprochen: Man muss auch die Ressourcen haben und akzeptieren, dass manches nice to have, aber nicht dringend notwendig ist …

So viele zusätzliche Angebote sind zeit- und arbeitsaufwendig. Wie habt ihr das in eurem Buchladenteam organisiert?

Stimmt absolut, wir versuchen, manches zu verteilen, aber vieles hängt auch an mir. Jede Mitarbeiterin schreibt pro Monat mindestens 1 Rezension für unsere Webseite, die Pflege der Webseite mache ich. Wer eine schöne Wanderung gemacht hat, schickt mir einen Text und Bilder, ich stelle das dann ein. Die Kollegin aus dem Kinderbuch übernimmt die Lesekofferübergaben, betreut den Leseclub in einer Grundschule zusammen mit den Müttern und hat sich auch sonst schon schöne Mitmachaktionen für Kinder ausgedacht. Sie unterstützt mich außerdem bei der Pflege des Facebookauftritts und hat auch schon 2 Podcastfolgen gestaltet.  Bei Veranstaltungen in der Buchhandlung bin ich da und je nach Besucherzahl noch jemand aus dem Team, die Buchgenussabende mache ich; wenn ich nicht da bin, kann dieses Angebot nicht wahrgenommen werden. An Buchvorstellungsabenden sollten natürlich alle da sein, das macht sie besonders attraktiv.

Nun bin ich sehr gespannt: Abgesehen davon, dass all die Umsetzung dieser Ideen ganz bestimmt viel Spaß machen und deinem eigenen Interesse entspringen – was tragen sie dazu bei, dass dein Buchladen läuft, vielleicht sogar besser läuft als zuvor?

Ich denke, das ist ein Gesamtkonzept. Es reicht schon lange nicht mehr aus, den Laden aufzumachen und auf KundInnen zu warten. Wir wollten von Anfang an mehr sein als eine Buchverkaufsstelle und unseren KundInnen über den Buchkauf hinaus Anreize bieten, zu uns zu kommen. Wir verstehen also die Buchhandlung als einen Raum, in dem Bücher gekauft werden können, in dem aber über Bücher gesprochen werden kann und in dem man darüber hinaus immer wieder interessante Anregungen bekommt. Außerdem leisten wir mit unseren Veranstaltungen und Aktionen, oft auch in Kooperation mit andern Institutionen und Unternehmen vor Ort, einen Beitrag zur kulturellen Vielfalt in unserem Stadtteil.schiller3

Vielleicht auch noch mal anders gefragt: Betreibst du all diese speziellen Angebote aus einer Notwendigkeit heraus? Oder würde dein Buchladen auch ohne all das laufen?

Natürlich sehe ich eine absolute Notwendigkeit für diese Angebote. Ohne sie gäbe es die Buchhandlung wahrscheinlich nicht mehr.

Was denkst du, wo momentan die größte Herausforderung – oder auch Chance – für den Buchhandel liegt?

Das Verbraucherverhalten hat sich in den letzten Jahren dramatisch verändert. Das betrifft nicht nur den Buchhandel, sondern den Handel insgesamt.  In dieser sich verändernden Welt seine Buchhandlung zu positionieren ist eine Riesenherausforderung. Das Internet hat die Zielkäufe sehr einfach gemacht, Läden müssen also mehr bieten.  Da geht es nicht nur um ein schlüssiges Konzept (online eingeschlossen) und einen ansprechend gestalteten Laden. Eine ebenso große Rolle spielen Standortfaktoren wie die Lage und das lokale Handelsumfeld, auf das man oft nur begrenzten Einfluss hat (Stichworte hier sind Ladenleerstände und rückläufige Frequenzen in den Innenstädten). Das Engagement darf sich zwangsläufig nicht nur auf die Buchhandlung beschränken, sondern Vernetzung und Engagement am und für den Standort sind zwingend notwendig. Das ist eine große Herausforderung, kann aber auch eine große Chance sein, erfolgreich zu arbeiten.

Herzlichen Dank für dieses spannende Interview und deine Zeit, liebe Susanne!

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5 Fragen und Antworten – was Leser von Autoren in den sozialen Medien wissen möchten

Es wird spannend! Und erhellend. Nach meinem letzten Blog-Artikel zum Thema Autoren in den sozialen Medien, der bei mir einige Fragen aufgeworfen hat, habe ich mich an diejenigen gewandt, die die Antworten geben können. Ich habe acht Buch-affinen Menschen, die ich persönlich oder über das Internet kenne und von denen ich weiß, dass sie in den sozialen Medien rührig sind, fünf Fragen gestellt. Meine Interviewpartner kommen aus dem Buchhandel, betreiben Bücherblogs oder andere Literaturseiten und sind alle Vielleser und lieben Bücher (und Autoren? 😉 ).

Die Fragen

  1. Nach welchen Kriterien wählst du aus, mit welchen Autoren du in Kontakt trittst? (Der erste Schritt: in sozialen Medien suchen, befreunden, Fan werden, folgen etc.)
  2. Was möchtest du prinzipiell von Autoren wissen (unabhängig von den sozialen Medien – früher erfuhr man z.B. nur das, was auf dem Buchrücken oder im Innenteil stand, oder man sah mal ein Foto)
  3. Was möchtest du von Autoren in den sozialen Medien erfahren? Gibt es da einen Unterschied, um welche Plattform es sich handelt?
  4. Was langweilt, nervt, ärgert dich, was Autoren gern posten?
  5. Gibt es Autoren, die für dich ein positives Beispiel für gelungene social-media-Kommunikation sind?

Die Antworten haben mich überrascht. Klar, es gibt gegensätzliche Meinungen, aber überwiegend ist die Einstellung zu dem, was Autoren so von sich geben, ganz schön positiv. In manchen Punkten sind sich alle einig, in anderen ist die Bandbreite groß. Ich habe die Antworten jeweils zusammengefasst.

Die Antworten

1. Bei der ersten Kontaktaufnahme spielt das jeweilige Buch eine große Rolle. Wenn das Werk positiv aufgefallen ist – oder auch nur eine Leseprobe davon, eine  Buchbesprechung etc. bzw. der Autor bei einer Lesung – kann es sein, dass sich der Leser über den Autoren weiter informieren möchte und ihn im Web sucht. Ob es hier zu einer aktiven „Beziehung“ kommt (also eine Freundschaft oder ein „Gefällt mir“ auf einer Seite) hängt anschließend sehr davon ab, wie sympathisch der Autor dem Leser ist oder wie produktiv der Kontakt eingeschätzt wird. Gerade die Buchblogger bekommen oft sehr viele Freundschafts-Anfragen von Autoren und sind in der Regel auch offen dafür, diese anzunehmen. Hier kann es aber auch zum gegenteiligen Effekt kommen – überschüttet von zu vielen Anfragen von Autoren nimmt mancher kaum noch welche an (was dann aber auch am Inhalt der einzelnen Postings liegt, mit denen man so im Lauf der Jahre Erfahrungen gesammelt hat).

2. Ganz oben auf der Liste stehen (einmalige) Infos zu Neuerscheinungen und zum Entstehungsprozess der Bücher, Hintergründen zum Werk, Infos zur Recherche oder zur Rezeption des Buches. Für relativ viele ist es interessant, Privates über den Autoren zu erfahren, um ihn besser kennenzulernen, seine Persönlichkeit, seine Interessen, seinen eigenen Lesestoff oder wie er selbst zu seinem Werk und seinen Charakteren steht; für manche spielt das dagegen keine Rolle.
Nicht so interessant ist die immer wiederkehrende Frage, wie jemand zum Schreiben gekommen ist.

3. Facebook steht bei meinen Interviewpartnern ganz oben auf der Liste der genutzten social media, was vermutlich auch daran liegt, dass ich Leute gefragt habe, mit denen ich über FB in Kontakt stehe. 🙂 Einige nutzen ansonsten keine anderen Portale – FB wird als übersichtlich und ausreichend empfunden. Daneben ist Lovelybooks eine gefragte Community, vor allem, weil es hier Leserunden gibt, in denen man Buch und Autor sehr gut kennenlernen kann. Meist erwünscht sind die Punkte aus 2., manchmal ist das Interesse an privaten Infos nicht so groß.

4. Werbung, Werbung, Werbung. Eigenwerbung. Streuung von Werbung in zu vielen Gruppen. Infos zu Schreibfortschritten. Anpreisung von kommenden oder gelaufenen Lesungen. Zu viel Privates. Posten von Rätseln, Gewinnspielen und Lovelybooks-Aktionen. Jammern und Beschweren über negative Rezensionen. Leute, die sich Autor nennen, aber schrecklichen Schrott schreiben. Freundschaften suchen, nur um Käufer zu finden. (Das ist eine Auflistung der erwähnten Dinge, ungefähr nach Gewichtung, also das Unerfreulichste an erster Stelle; nicht alle haben alles genannt).
Mit der Leser-Autor-Beziehung ist es ein bisschen wie bei einem Flirt – zu viele Offenbarungen zerstören den Zauber, zu viel Nähe muss nicht sein, etwas Geheimnisvolles darf gern bewahrt werden.

5. Hier kam eine ganze Liste zusammen. Ich setze die alphabetisch sortierte Aufzählung an den Schluss des Artikels.

6. Zusatzfrage: Was möchtest du sonst noch zu dem Thema zu sagen?
Mehrfach bemängelt wurde die Existenz von regelrechten Autorengroupies, vor allem bei männlichen Autoren, die quasi den Boden unter seinen Füßen küssen und jedes Werk in den Himmel loben, auch mit übertrieben positiven Rezensionen. Möchte man das als Autor? Als Leser offenbar nicht. Die Frage ist natürlich, ob diese Groupies den Autoren einen guten Dienst erweisen. Oder auch, was man als Autor überhaupt dagegen tun könnte.
Es kam ebenfalls zur Sprache, wie gläsern oder authentisch ein Autor sein muss. Muss man alles über ihn erfahren und wie wichtig ist es, dass sein Erscheinungsbild zu seinem Genre passt? Was macht ihn authentisch? Was wirkt unecht? Sicherlich ein Punkt, über den man sich noch mal gesondert Gedanken machen kann …
Dass sich Autoren auch in Büchergruppen beteiligen, wurde von einer Person als positiv genannt. Wenn hier mal etwas Humorvolles rüberkommt, macht das sympathisch.

Ich freue mich über Kommentare und weitere Beiträge dazu! Lass mich wissen, was du dazu denkst.

Liste der in den sozialen Medien positiv aufgefallen Autoren

Ramona Ambs
Petra A. Bauer
Margot S. Baumann
Lilli Beck
Carla Berling
Rüdiger Bertram
Emily Bold
Michael Disseux
Horst Eckert
Edgar Franzmann
Kerstin Gier
Alban Nikolai Herbst
Andreas Izquierdo
Reinhard Jahn
Katrin Koppold
Inge Löhnig
Gina Mayer
Britta Orlowski
Ivy Paul
Frank Maria Reifenberg
Britta Sabbag
Martina Sahler
Petra Schier
Melisa Schwermer
Barbara van den Speulhof
Arthur Gordon Wolf