Verlag

Zur Sache, Schätzchen! Wie man einen guten Verlag findet.

Neulich fand ich während einer Unterhaltung mal wieder: „Zu diesem Thema könnte ich ein Buch schreiben.“ Hab eine Weile darüber nachgedacht und es wird jetzt kein Buch, sondern ein Blogbeitrag. Wie man einen guten Verlag findet. Diese Frage beschäftigt Millionen (?) von AutorInnen, stimmt’s? (Hat irgendwer eine aktuelle Zahl, wie viele AutorInnen es weltweit gibt?) Es gibt ein paar gute Tipps – das Genre muss zum Verlag passen, er sollte seriös sein, möglichst schon eine Weile im Geschäft, seine Arbeit gründlich erledigen, Werbung betreiben usw. Ich erzähle heute aber von ein paar Erfahrungen, die ich im Lauf der letzten Jahre unfreiwillig gemacht habe, damit vielleicht jemand davon profitieren kann.

1. Oberste Grundregel – Niemals (never ever!) zu einem Druckkostenzuschussverlag gehen!

DKZVs (die Kurzbezeichnung) erkennt man daran, dass sie praktisch jedes Manuskript nehmen, allen sagen, wie toll sie seien, und dann daraus Profit schlagen, dass jemand seinen Traum vom eigenen Buch verwirklichen will. Das fängt bei allgemeinen Gebühren für die Veröffentlichung an, geht über kostenpflichtiges Lektorat, Korrektorat bis hin zu Beteiligung an den Werbekosten. Genaue Infos zu deren Vorgehen gibt es auf der Seite Pseudoverlag? Nein danke! Wer einem Verlag irgendetwas bezahlt, sollte sich keinen Illusionen hinzugeben, dass dort etwas für den Verkauf des Buches getan wird, denn der Verlag finanziert sich über das, was er von den AutorInnen einnimmt.
Das Ganze sollte eigentlich so laufen: Der Autor zahlt NICHTS, sondern erhält ein Honorar für seine Arbeit.

Bei meiner ersten Verlagssuche geriet ich auch an so einen DKZV, aber der Vertrag kam mir komisch vor und ich ließ die Finger davon. Ich wollte nicht dafür bezahlen, dass jemand meine Bücher veröffentlicht. Allerdings – obwohl ich das von Anfang an zu meinem Grundsatz machte, habe ich einiges draufbezahlt, wenn auch unfreiwillig.

2. Vorsicht bei neuen Verlagen!

Natürlich ist es für alle neuen Verlage mit guten Absichten unschön, dass ich das sage, aber in den letzten Jahren sind neue Verlage wie Pilze aus dem Boden geschossen. Leider, leider viele, die keine Ahnung haben, was finanziell auf sie zukommt, oder auch mit dem erklärten Willen, sich am Veröffentlichungsboom unserer Zeit zu beteiligen, da ja doch viele AutorInnen bereit scheinen, zu bezahlen, um ihr Werk auf den Markt zu bringen.
Ich bot vor Jahren eins meiner Manuskripte auf einer Plattform an, die Bücher und Verlage zusammenbringen wollte. Darüber fand ich einen kleinen, neuen Verlag. Alles ging seinen normalen Gang – Vertrag, Lektorat, Covergestaltung, Veröffentlichung. Und dann, direkt nach dem Veröffentlichungstermin – Totenstille. Der Verlag, bestehend aus zwei Leuten, machte die Schotten dicht. Es gab Gerüchte von Burn-Out, Geschäftsaufgabe, Insolvenz. Die Verlagseigner waren nicht mehr zu erreichen, ignorierten einfach alles. Es wurden keine Bücher mehr rausgerückt, es gab nie eine Honorarabrechnung, geschweige denn Geld, nicht mal auf das Schreiben meiner Anwältin reagierte jemand. Was lernen wir daraus? Bei unangenehmen Entwicklungen einfach toter Mann spielen, dann klappt das. 😉

3. Vorsicht bei kleinen Verlagen!

Nicht alle Verlage können gleich groß sein, ist ja klar. Aber auch da heißt es: Aufpassen! Gerade kleine Verlage haben weniger Budget als gedacht, da ist man sehr abhängig von der Fähigkeit des Verlegers, realistisch mit Zahlen umzugehen. Wenn man erwägt, zu einem kleinen Verlag zu gehen, sollte man ganz genaue Recherche betreiben – wie lange ist der Verlag schon im Geschäft? Wie sieht die Webpräsenz aus? Wie professionell werden die Bücher gestaltet? Was macht der Verlag im Bereich Marketing? Kennt irgendwer im Buchhandel diesen Verlag? Und dann – das hilft eigentlich immer weiter – AutorInnen des Verlages kontaktieren und ausfragen. Ich weiß, die Versuchung ist groß, beim ersten Verlag, der meldet, er wolle das Manuskript veröffentlichen, zuzusagen. Aber gerade (sehr) kleine (unerfahrene) Verlage neigen dazu, Bücher zu nehmen, die bei anderen (besseren) Verlagen keine Chance haben, und können so keine Qualität bieten. Dazu kommt, dass sich viele Leute an einen eigenen Verlag wagen, die eigentlich zu wenig Ahnung von dem Geschäft haben.
Eins meiner Bücher ist bei so einem Verlag gelandet. Es lief von Anfang an nicht so gut, ich war mit der Qualität sehr unzufrieden und schäme mich noch immer für das Buch. Da hilft dann nur, die Zähne zusammenzubeißen und sich auf anderes zu konzentrieren (zumal es unter einem Pseudonym erschienen ist). Das Buch verkauft sich nicht gut. Die Vereinbarung war, dass das Honorar erst ausgezahlt wird, wenn mindestens 50 Euro zusammengekommen sind (durchaus üblich bei kleinen Verlagen). In diesem Jahr lag das gesammelte Honorar endlich über 50 Euro – Abrechnungen hatte ich ja vorliegen. Nur, das Geld kam nicht. Mehrfaches Nachbohren endete mit der Auskunft, dass die Verlegerin nicht zahlen kann, weil pleite. Ich bat um einen sofortigen Aufhebungsvertrag, auf den ich noch immer warte.
So etwas ist frustrierend, nervenzehrend und man fängt an, sich und das ganze Autorendasein anzuzweifeln.

4. Vorsicht bei PoD-Verlagen!

PoD = Print on Demand. Heutzutage ein beliebtes Verfahren, das, wie ich zugebe, Möglichkeiten bietet, die man für sich nutzen kann und sollte. Aber auch hier ist absolute Vorsicht geboten. Diese Anbieter(/Verlage) beziehen einen Großteil ihrer Einnahmen aus dem, was sie an den AutorInnen verdienen (statt an dem, was sie mit dem eigenständigen Verkauf der Bücher erzielen). Zunächst ist ein einmaliger Preis pro Veröffentlichung fällig, der meist nicht mal besonders hoch anmutet. Dazu kommt aber (ich weiß nicht, ob bei allen Anbietern) eine monatliche Gebühr für das Bereitstellen der Buchdaten, und die summiert sich gewaltig. In der Regel kann man noch weitere Leistungen dazukaufen, ein Lektorat, Präsentation auf einer Buchmesse usw. Außerdem verdient der Anbieter an jedem Buch, das AutorInnen für den eigenen Weiterverkauf beziehen. Diese Eigenexemplare sind teuer, gern preislich gestaffelt, damit man einen Anreiz hat, gleich richtig viele abzunehmen (am besten 100 oder mehr), und dazu kommt noch das Porto, das natürlich immer höher wird, je mehr Bücher man sich schicken lässt.
Ich habe einige Bücher bei PoD-Anbietern veröffentlich, bei zweien, um genau zu sein. Ich bin davon ausgegangen, dass ich die Kosten, die ich durch die Verträge und die Datenhaltung habe, durch die Verkäufe wieder reinholen würde. Vor Kurzem habe ich eine Aufstellung der Ausgaben und Einnahmen in all den Jahren gemacht und war sehr erschrocken und auch wütend – ich habe viel Geld draufgelegt. Meine Verträge haben alle eine Mindestlauftzeit, die innerhalb der nächsten zwei Jahre bei allen nacheinander endet. Ich habe sämtliche Verträge kurzerhand gekündigt. So etwas kommt für mich absolut nicht mehr infrage.
In der Zwischenzeit haben sich einige dieser Bedingungen geändert, deshalb rate ich nicht grundsätzlich von PoD-Anbietern ab, sondern empfehle, dass man sehr genau rechnet und abwägt, um nicht draufzuzahlen. Nichts beschönigen, sondern lieber von dem Fall ausgehen, dass sich das dort veröffentlichte Buch nicht wie verrückt verkauft, sondern ein Ladenhüter wird.

5. Read and learn!

Obwohl ich niemals für meine Veröffentlichungen bezahlen wollte und auch nicht vor hatte, meine Bücher als Verlustgeschäft zu betreiben, ist es passiert. Glücklicherweise gibt es für mich noch die anderen Publikationen, die bei anständigen Verlagen mit guter Werbung und ehrlichen Verträgen laufen und mir Honorare bringen. Doch gerade am Anfang der Autorenkarriere hat man das vermutlich nicht gleich als Gegengewicht und sucht nach Möglichkeiten. Bitte, ihr lieben Nachwuchs- und Neu-AutorInnen, seid schlau und lasst euch nicht einwickeln. Es ist traurig, dass es so viele Betriebe gibt, die sich daran bereichern wollen, dass man etwas tut, das man liebt, von dem man überzeugt ist und mit dem man sich einen Lebenstraum erfüllt. Es gibt aber auch genügend andere, deshalb seid geduldig und recherchiert gründlich, bevor ihr eine Unterschrift unter einen Vertrag setzt.

Mit wehenden Druckfahnen auf die Zielgerade

Der Autor (oder die Autorin) hat es geschafft, sein (ihr) Buch bei einem Verlag unterzubringen. Es ist geschrieben, lektoriert, korrigiert, alles fertig und man fiebert dem Veröffentlichungstermin entgegen. Da erhält man kurz vorher plötzlich einen dicken Brief oder auch ein dickes Paket vom Verlag und darin sind – Druckfahnen! Jedenfalls bis vor kurzem war es so, heutzutage erhält man eher eine Datei und das auch noch als pdf.
Was ist das nun eigentlich?

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Druckfahnen vs. Druckdatei

Das Manuskript wird nach der ganzen Überarbeitung mit Lektorat und Korrektorat endlich schön formatiert (früher gesetzt), ganz so, wie es später als  Buch aussehen soll. Diese Datei wird ausgedruckt und zur letzten Überarbeitung an den Autoren geschickt. Er muss alles genau durchlesen und letzte Fehler korrigieren (das geht gut auf Papier). Wer es kann, benutzt dazu die sehr merkwürdig aussehenden Korrekturzeichen; wer diese nicht beherrscht, behilft sich irgendwie anders, aber möglichst so, dass derjenige, der später die Korrekturen in die Datei übernehmen muss, weiß, was gewünscht wird. Der Packen Papier wird anschließend zurückgeschickt zum Verlag.
  ..In den letzten Jahren wurde es immer üblicher, statt Druckfahnen eine Druckdatei zu verschicken. Dabei wird jede Menge Papier gespart, was natürlich gut ist, aber die Arbeit wird dadurch für den Autoren nicht leichter. In einer pdf-Datei kann man nichts ändern, man muss also jede Änderung lang und ausführlich mit Angabe von Seite, Zeile etc. in eine eigene Datei schreiben, direkt in ein Mail oder vielleicht auch auf einen handschriftlichen Zettel, den man dann verschickt oder einscannt und mailt. Ich mache das mit Word, weil ich fürs Handschriftliche viel zu lang bräuchte. Man könnte die Datei ausdrucken und wiederum damit arbeiten, allerdings hätte man dann doch kein Papier gespart (und man müsste unheimlich viel drucken). Also, es kommt auch auf den persönlichen Stil an, wie man es damit hält.

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Der erste Anblick und wie es weitergeht

Die Druckfahnen oder Druckdatei zu sehen, ist ein erhebendes Gefühl, denn so nah am endgültigen Buch war der Eindruck seines Manuskripts noch nie. Man sieht zum ersten Mal, wie das Schriftbild ist, wie groß die Seiten werden, wie viele Seiten das Buch haben wird usw. Das ist – jedenfalls für mich – immer so ganz anders, als mein eigenes Manuskript auf dem PC anzuschauen.
  ..Die Druckdatei (ich spare mir von nun an, die Druckfahnen mit aufzuzählen) kommen zu einem Zeitpunkt zum Autor, an dem es den Verlag schon eilt. Entsprechend ist die Zeitvorgabe für die Überarbeitung – etwa eine Woche (maximal). Man muss also alles andere liegen und fallen lassen und sofort mit dem Durchlesen beginnen. Das macht man ja auch gern (ausnahmsweise und trotz anderer Abgabetermine), weil man schließlich nicht dran Schuld sein will, wenn das Buch nicht planmäßig zum angesetzten Termin erscheint.
  ..Im Idealfall bekommt man später noch einmal eine korrigierte Datei zurück, um die Druckfreigabe zu erteilen. Dann erst geht das Buch in den Druck.

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Lustige Abwechslung und was man sich schenken sollte

Mit den Druckdateien habe ich schon alles erlebt – manche sind fast fehlerfrei und quasi perfekt und manche so schrecklich, dass man sich unwillkürlich die Haare rauft und fragt, wie man damit in ein paar Tagen klarkommen soll. Vollständig zerstörte Formatierungen über das gesamte Manuskript und hunderttausend Schreib- und Zeichenfehler. Es kommt – so meine Erfahrung – hierbei auf den Verlag an. Hier setzt gern so etwas wie Skrupel ein – kann ich das wirklich bringen, so viele Korrekturwünsche zu melden? Wirke ich nicht zu anspruchsvoll oder zu kritisch? Sind diese Fehler wirklich so schlimm? Mach ich mich nicht unbeliebt, wenn ich das alles bemängle?  Bisher hatte man vielleicht mit dem Verlag einen Kuschelkurs und nun soll man deren Arbeit auf so grobe Weise anprangern, indem man ihnen klarmacht, dass die Druckdatei ein Haufen Müll ist? Und schließlich zwingt man ja auch die Leute im Verlag, eine Menge mehr Arbeit als vorgesehen in das Buch zu stecken, wenn man plötzlich seitenweise Änderungswünsche anbringt.
  ..Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man hierbei keine Zugeständnisse machen sollte. Jeder Fehler, den man nicht korrigiert, steht später im Buch, und ist das erst mal gedruckt, kann man nichts mehr ändern. Man findet sowieso neue Fehler, sobald man sein Buch aufschlägt, und da kann man auf die, die man vorher schon gesehen hatte, gut verzichten. Da muss man hart bleiben, auch, wenn man fürchtet, die Verlagsleute gegen sich aufzubringen. Es geht hier nicht um eine Liebesbeziehung, sondern ums Geschäft und die Qualität, und ein professionell arbeitender Verlag weiß damit auch professionell umzugehen.
Was sich ebenfalls nicht bewährt hat, ist, dem Verlag die Korrekturen zu übermitteln und im guten Glauben an die Umsetzung die Druckfreigabe zu erteilen. Man fühlt sich ganz bestimmt dazu versucht, weil man dem Verlag sein Vertrauen beweisen möchte, aber TU ES NICHT! Ein Verlag, der schlampige Druckdateien schickt, wird auch ein paar Tage später nicht besser arbeiten. In so einem Fall bleibt dem Autor nur Kontrolle, Kontrolle, Kontrolle! Man lässt sich die überarbeitete Datei noch mal schicken und sieht sie gründlich durch und korrigiert gegebenfalls erneut, und zwar so lange, bis alles stimmt. Und wenn das Buch eine Woche später erscheint, ist es auch nicht schlimm. Darüber wird sich niemand ärgern, aber wenn man später ein schlechtes Buch hat, beißt man sich in den Hintern.

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Die Druckfreigabe

Am Ende dieses Prozesses erteilt der Autor die Druckfreigabe (s. auch Wikipedia), d.h. der Autor erklärt damit, dass alles fehlerfrei ist und so in den Druck gehen kann. Damit habe ich unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Manche Verlage warten nicht eigens auf eine Druckfreigabe (also eine Mitteilung mit den deutlichen Worten „Druckfreigabe erteilt!“) und glücklicherweise sind das bei mir die Verlage, bei denen alles klappt wie am Schnürchen, weshalb ich mir keine Sorgen machen muss. Wenn ich es möchte, bitte ich darum, die korrigierte Druckdatei noch mal sehen zu dürfen, ehe sie in den Druck geht. Dann gibt es Verlage, die wirklich darauf warten und darum bitten, dass man die Druckfreigabe erteilt. Mir ist es aber auch schon passiert, dass ein Buch in Druck gegeben wurde, obwohl ich wegen einiger Probleme explizit keine Druckfreigabe erteilt habe. Das ist dann sehr ärgerlich, weil man einfach übergangen wird und das Vertrauen zum Verlag anfängt zu bröckeln.
  ..Bei modernen Selfpublishing-Formaten wie KDP oder BoD etc. ist es üblicherweise so, dass man mit dem Hochladen seiner Datei die Druckfreigabe erteilt. Im Einzelnen ist das aber genau im Vertrag festgelegt, ein Blick hinein lohnt sich.

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