Antonia Gründer-Freytag – Keine halben Sachen

halbesachen.jpgIch war tatsächlich überrascht, als ich entdeckte, dass es sich bei Keine halben Sachen um einen Weihnachtskrimi handelt. Der Titel deutet nicht darauf hin und das Cover nur bei genauerem Hinsehen. Die Leseprobe war immerhin gleich so interessant, dass ich den Rest des Buches auch noch lesen wollte.

Für einen deutschen Krimi hat mir der Roman ausgesprochen gut gefallen. Ich bin eher anglophil und amerikanisch orientiert, was Belletristik angeht, und kann mich mit dem deutschen Stil oft nicht so anfreunden, aber Keine halben Sachen bescherte mir einen angenehmen Lesegenuss. Die Geschichte beginnt am Heiligabend 2012 und springt zwischendurch immer wieder in die Vergangenheit, wo manches, was zur Sprache kommt, seinen Ursprung hat. Beim geselligen Familienfeiern geschehen plötzlich zwei Morde und Kommissar von Kamm und seine Kollegen dürfen die Feiertage durcharbeiten, um den Mörder zu finden.

Eine MIxtur bewährter Elemente beginnt – Kommissar mit häuslichen Problemen, Familienzwiste, Vorwürfe, Zerwürfnisse, dazu ein Fall, in dem keiner so richtig vorankommt und die Polizei von Verdächtigem zu Verdächtigem springt. Dazu steht jedem Kapitel ein Zitat aus dem Nibelungenlied voran, vermutlich, um auf die große familiäre Tragödie hinzuweisen, die durch Eifersucht und Rachsucht entsteht. Die einen trinken ständig, die anderen rauchen immerzu – nun ja.

Die Sache bleibt spannend bis zum Schluss. Der Fall wird aufgelöst, aber – wird er das wirklich? Oder hat am Ende nur jemand die Schuld auf sich genommen, weil es das Sinnvollste war? Ich weiß es nicht, es bleibt leicht nebulös. Was ergibt sich jedoch, wenn man all die Verwicklungen und Ablenkungen aus dem Roman entfernt? (Achtung, Spoiler folgt jetzt:) Die Person, die es am wahrscheinlichsten gewesen sein müsste, war es auch. Drei Menschen in einem Raum, zwei sterben – wen würde man verdächtigen? Ich frage mich, warum die Polizisten das nie getan haben. Stattdessen gerieten alle anderen in ihr Visier. Trotz guter Lektüre bleibt mein kriminalistischer Appetit angesichts dieser simplen Lösung unbefriedigt. Ich hoffe, die weiteren Fälle mit Kommissar von Kamm sind etwas komplexer und anspruchsvoller; die Krimireihe hätte jedenfalls das Potential zu etwas richtig Gutem.

Der Weihnachtsfaktor
Die Feiertage bilden die Kulisse für diesen Kriminalfall, tauchen in den Gesprächen und den Zusammenkünften auf. Wer heimelige Atmosphäre erwartet, wird allerdings enttäuscht werden. Der Kommissar wird an Weihnachten sitzen gelassen, die Kollegen können nicht bei ihren Familien sein und bei den Angehörigen der Mordopfer ist auch nicht mit einem Stimmungshoch zu rechnen. Wer’s beim Lesen lieber realistisch-desillusioniert mag, wird sich hier wohl fühlen. 😉

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